#96 Hörende Landschaftsarchitektin: Wenn der Efeu zu sprechen beginnt - Fanny Brandauer

Shownotes

Vom Herbarium der Großmutter zur eigenen Praxis zwischen Berlin, München und Kassel: Fanny Brandauer denkt Landschaft über alle Sinne. Als Landschaftdarchitektin, Kuratorin und Lehrende sucht sie nach Wegen, Räume erst zu lesen, bevor sie gestaltet werden. Eine Folge über prozesshaftes Arbeiten und die Sichtbarkeit einer leisen Disziplin.

Host und Produktion: Kerstin Kuhnekath Redaktion und Text: Katharina Lux

Übersicht aller Folgen mit weiteren Infos & Bildern zu unseren Gästen: https://www.baunetz-campus.de/podcasts

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00:00:00: Willkommen und seid gegrüßt zur sechsohnneunzigsten Episode von Studiertem zu Bauen, dem Baunetzkampus Alumni Podcast präsentiert von Gira.

00:00:08: Ich bin Kerstin Kunekath und mein heutiger Gast ist Fanny Brandauer.

00:00:12: Los geht's!

00:00:12: Herzlich willkommen im Baunetzukampus Alumnipodcast.

00:00:15: Fanny brandauer Du bist Landschaftsarchitektin, Kuratorin und Lehrender.

00:00:20: Und wir sprechen heute über dein Weg zwischen Landschaftsa architektur, künstlerischer Praxis- und Vermittlung – und darüber warum Wahrnehmung für dich am Anfang auch eines jeden Entwurfs steht!

00:00:31: Du hast in Wien und München Landschaftsearchitektor studiert, mehrere Jahre war es Studio Vulkan gearbeitet und im Jahr und zwei Tausend Dreiundzwanzig deinen eigenes Studio gegründet.

00:00:43: Wie war dein Studium?

00:00:45: Erst mal vielen herzlichen Dank für die Einladung.

00:00:47: Freut mich sehr!

00:00:49: Mein Studium hat begonnen in Wien an der Universität Verbodenkultur, wo ich meinen Bachelor abgeschlossen habe und würde mich dann an die TU München nach Weinsteffern um dort im Master zu studieren.

00:01:06: Was ich aus meiner Zeit an der Boku in Wien mitgenommen habe und was sich heute auch immer noch sehr schätze ist, dass ich dort ein wahnsinnig fundiertes Pflanzenwissen mir aneignen konnte.

00:01:20: Die Universität für Bodenkultur hat einen eher einen Schwerpunkt in Richtung... Agrarwissenschaften, Forstwirtschaft, Landschaftsplanung.

00:01:32: Nicht so sehr stark in Richtung Entwurf aber gerade die Gehölzkunde, die Staudenverwendungen hat dort einen großen Stellenwert und ich bin sehr froh dass sich das von dort mitnehmen konnte.

00:01:47: Nach dem Bachelorstudium wollte ich dann gerne schwerpunktmäßig in Richtung entwurf- und Objektplanung gehen und habe mich dann entschlossen nach München zu gehen habe dann auch dort vorgefunden, was ich mir erhofft hatte und hab dann aber schon mit meiner Bachelorarbeit damals weiter im Laufe des Masterstudiums erkannt, dass ich besonders großes Interesse an einem Bezugspaar Landschaft und Kunst habe.

00:02:14: Und das hat sich eigentlich über alle meine Entwurfsprojekte über die Semester hinweg immer klarer herauskristallisiert.

00:02:21: also das Interesse am Kunst- und öffentlichen Raum gab es auch schon davor.

00:02:25: Schon während meiner Schulzeit habe ich Themen in die Richtung bearbeitet und so konnte ich mich dann in meinem Masterstudium eigentlich stetig Mein Interesse in dem Bereich ausbauen, habe dann meiner Masterarbeit zum Thema Landschaft Ausstellen geschrieben.

00:02:43: Wenn man Landschaft in den Innenraum transferieren kann und so bin ich doch ganz grob zusammengefasst durch meine Studienjahre gegangen.

00:02:51: Und wenn du sagst, es hat schon in der Schulzeit angefangen dieser Link zwischen Landschaft und Kunst.

00:02:56: Gab's da irgendein Auslöser an den du dich erinnern

00:02:58: kannst?

00:03:00: Familienbedingt gab es schon immer ein recht großes Interesse und eine Neugierde für den Kunst- und Kulturbereich.

00:03:10: Auf der einen Seite, ich war schon recht früh daran interessiert wie öffentlicher Raum funktioniert.

00:03:17: Ich hatte damals mein Spezialgebiet heißt das in Österreich über Kunst im öffentlichen Raum geschrieben dachte dann eigentlich Architektur studieren zu wollen und dann gibt es aber eine ganz wichtige Person in meinem Leben.

00:03:30: Das waren meine Großmutter mütterlicherseits die in den letzten zwanzig Jahren ihres Lebens sich ein sehr großes botanisches Wissen angeeignet hat.

00:03:40: Und sie ist für mich ganz wichtig, weil Sie es ganz früh mit mir in den Wald gegangen auf den Berg und hat mir dort die Pflanzenwelt näher gebracht.

00:03:50: Von ihr habe ich gelernt wie man Pflanzen bestimmt, wie man sie sammelt, wie Man sie trocknet oder herbarisiert.

00:03:59: So hat sich mein Kunst- und Architekturinteresse zusammengetan Faszination für die Pflanzenwelt und ich bin dann bei der Landschaftsarchitektur gelandet.

00:04:11: Das klingt so richtig idyllisch mit der Großmortal, die Blumen pflücken und trocknen.

00:04:19: Werbung!

00:04:20: Der Baunetz Campus Alumnipodcast wird unterstützt von Gira.

00:04:23: das sind sie mit den Schaltern.

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00:05:08: Werbungende.

00:05:09: Deine Masterarbeit an der TU München hieß Landschaft Ausstellen über den Transfer von Landschaft in den Innenraum.

00:05:16: Das ist ja auch nochmal ein total spannender Ansatz.

00:05:18: Wann hast du gebergt dass dich nicht nur das Entwerfen von Räumen interessiert sondern auch die Frage wie Landschaft vermittelt und erzählt werden kann?

00:05:27: Ja Das kam daher, dass ich mich immer schon gewundert habe warum man in einer Planung, so wie eine Landschaftsarchitektur hauptsächlich über die Medienplandarstellung, Visualisierung verkleinertes Modell, Fotografie arbeitet aber sehr wenig über räumliche Eindrücke und Sinneswahrnehmungen.

00:05:52: Das ist natürlich sehr schwierig in der Vermittlung.

00:05:55: Raum im Raum zu vermitteln ist per se schon mal eine schwierige Fragestellung.

00:06:01: Aber trotzdem bin ich irgendwie so hängen geblieben, weil gerade Landschaft in sich ja eine Materie ist ein Arbeitsgegenstand der unglaublich vielfältig komplex, vielschichtig multisensorisch ist die man eigentlich nur mit all seinen Sinnen wahrnehmen kann wo ganz viele Faktoren ineinander spielen aufeinander wirken.

00:06:25: Und da war für mich eigentlich so der schlüssige Weg zu fragen, wie können diese ganzen Sinneswahrnehmungen in irgendeiner Form weitergetragen werden?

00:06:36: Vermittelt werden über die visuelle Vermittlung hinaus.

00:06:42: In Rahmen meiner Masterarbeit habe ich dann eine Antwort gefunden und das war mit der TESA oder der Forschungsfrage, die ich gebildet hab – Ausstellungsraum der innenräumliche Ausstellungsraum, was jetzt erstmal ein Paradoxon bildet.

00:06:59: Der Außenraum im Innenraum.

00:07:01: Was ich dort besonders spannend fand war, dass man im Ausstelllungsraum der ja erst mal eine isolierte Box ist, landschaftliche Aspekte komprimiert und total zugespitzt vermitteln kann und wahrnehmbar machen kann.

00:07:21: Und es ist ja auch so, dass man in einer Landschaft auf so viele Arten und Weisen sinnlich wahrnimmt.

00:07:28: Das passiert alles gleichzeitig.

00:07:31: Ich fand spannend zu überlegen ob diese sinnlichen Wahrnehmungsschichten isoliert voneinander betrachtet werden können.

00:07:39: Was eigentlich passiert wenn man sich auf einzelne Aspekte hyperfokussiert?

00:07:45: und ob daraus ein anderes Landschaftsverständnis generiert werden kann, also dass man eigentlich den Fokus ausrichten kann auf einzelne Aspekte.

00:07:54: Wie gehst du heute ran?

00:07:56: Also wenn Du gesagt hast damals war der Zweck auch zu untersuchen wie kann man eben diese vielen Schichten erleben?

00:08:03: da könnte man natürlich auch sagen dafür braucht man den Raum nicht in Innenraum aber er hat ja trotzdem eine Funktion.

00:08:08: Du bist ja auch dabei geblieben welche Funktion hat der Innenraum konkret?

00:08:13: Der Innenraum hat konkret die Funktion einzelne Schichten, die ich in der Raumwahrnehmung heraus arbeite sehr fokussiert zu zeigen und auch verständlich zu machen.

00:08:30: Ich nenne immer gerne ein Beispiel von einer Ausstellung, das war auch für mich ein wichtiges Referenzprojekt damals in der Masserarbeit.

00:08:38: Das ist die Ausstellung The Mediative Motion von Olaf Oliasson und Günter Vogt im Kunsthaus Priegens, zwei Tausend Eins.

00:08:47: Und da wurde auf drei Etagen im Kunsthaus Priegenstrei.

00:08:51: ich würde jetzt mal sagen Landschaften oder landschaftliche Momente im Innenraum gezeigt.

00:08:59: Und eine dieser Landschaften war eine Wasserfläche und über diese Wasserfläche führte einen Holzsteg.

00:09:07: Das war eine Wasservläche, auf der St-Wasser-Linsen gewachsen.

00:09:11: Es gibt im Kunsthaus Pregens natürliche Beleuchtung von oben.

00:09:17: Also durch den Lichteinfluss gibt es auch einen, oder durch den Licht-Einfalt gibt's auch einen natürlichen Pflanzenwachstum.

00:09:24: und was ich total spannend fand war dass man sagen könnte das ist jetzt eine Teichlandschaft die da gezeigt wird.

00:09:30: und wenn man sich jetzt vorstellt Ich gehe in ein Park und ich bleibe bei diesem Teich stehen dann ist das für mich erstmal nicht besonders spannend.

00:09:39: Das ist vielleicht ganz idyllisch oder schön, aber es ist für mich nicht außerordentlich weil dieser Teig sehr gut in seinen natürlichen Kontext eingebunden ist.

00:09:51: Und was jetzt hier passiert mit dem Ausstellungsraum ist, dass dieser landschaftliche Moment in einen Innenraum transferiert wird und von etwas sehr gewöhnlichen zu etwas absolut ungewöhnlichem wird.

00:10:02: Und zwar so einem Teich in einem Museum.

00:10:05: Man geht rein und hat plötzlich einen ganz anderen Aufmerksamkeitsgrad für diesen landschaftlichen Moment – das finde ich spannend!

00:10:12: Das schafft der Innenraum

00:10:14: Also hat er auch eine Wirkung, die darüber hinausgeht?

00:10:18: Genau.

00:10:18: Also der nächste Teich den man dann sieht da wird man wiederum an den Innenraum denken und in dem anderen Zusammenhang, indem er aufgetaucht

00:10:24: ist.

00:10:25: Das wäre jetzt die These dass du im Innenraum mit einer verdichtung mit einer atmosphärischen Verdichtung konfrontiert bist sie dich erstmal als besuchende Person anders erleben lässt Und bestenfalls gehst du mit diesem neuen Erlebnis raus aus dem Museum oder heraus aus dem Ausstellungsraum und dein Blick hat sich etwas verändert.

00:10:50: Also jetzt mal ganz salopp gesagt, wenn der Mensch nicht zur Natur geht kommt die Natur eben zum Menschen so ungefähr?

00:10:56: Ich glaube nicht dass die Natur zu Menschen kommen muss weil die Landschaft ist sowieso überall.

00:11:00: ich glaube für mich geht es eher darum das...

00:11:03: Die Rolle vielleicht?

00:11:04: ...die Rolle genau!

00:11:07: dass die Landschaft eine andere Rolle bekommt und das wir auch lernen, sensibler darauf zu reagieren.

00:11:16: Und viel sensiblers und aufmerksamer wahrnehmen.

00:11:19: Also sozusagen vielleicht ein bisschen die Natur als Subjekt oder als Protagonistin?

00:11:24: Genau!

00:11:24: Das ist schön gesagt.

00:11:25: also die Landsschaft als Protragonistin Ich würde mal sagen eine Möglichkeit der Landschaft, eine Stimme zu geben.

00:11:32: Also die Landschaft hat natürlich ihre eigene Stimme mit allen unterschiedlichen Akteuren und dann die Teil einer Landschaft sind.

00:11:39: aber in dem Sinne ja der Landsschaft eine Bühne zu geben Und somit auch spezifische landschaftliche Thematiken sichtbar zu machen und somit dann natürlich auch an einem Ausstellungsraum verhandeln zu können oder da ein Scheinwerfer drauf zu zu werfen.

00:11:53: Deine Praxis baut ja auch darauf auf, nach wie vor dieser Schnittstelle zwischen Kunst und Korrationen und eben auch natürlich schon der wissenschaftliche Aspekt der Landschaft.

00:12:02: das bringst du alles zusammen und das hat dich dann aus der klassischen Büro-Struktur im Endeffekt herausgeführt.

00:12:07: kann man das so sagen?

00:12:09: Ich denke Ja!

00:12:11: Für mich war es sehr wichtig nach dem Studium in einem Landschaftsaritekturbüro zu arbeiten.

00:12:20: Disziplin in einem klassischen Verständnis funktioniert, wie Projekte aufgebaut werden.

00:12:26: Wie Strukturen funktionieren?

00:12:29: In denen man sich bewegt wenn man in der Landschaftsarchitektur arbeitet und mit diesen Fähigkeiten die ich auch im Büro erworben habe hab ich mich dann hatte ich eine gute Grundlage um aus dem Büro raus zu gehen und dann zu sagen Ich möchte jetzt aber eigentlich meinen eigenen Interessen nachgehen und was Eigenes auf die Beine stellen.

00:12:49: Und ich würde meine Praxis, weil ich beschreibe meine Praxisse selbst auch immer, dass ich transdisziplinär an der Schnittstelle zwischen Landschaftsarchitektur künstlerischer und korrectorischer Praxis arbeite.

00:12:59: Das heißt die Landschaft Architektuern sich spielt weiterhin immer eine große Rolle und wird auch immer eine Rolle

00:13:07: spielen.".

00:13:08: Du sagst man müsse Räume erst lesen lernen bevor man sie gestaltet?

00:13:12: Dieses Lesen das spielt auch eine konkrete Rolle in deiner Lehre.

00:13:16: Wo siehst du in der Praxis die größten Defizite, wenn Analyse und Wahrnehmungen zu kurz kommen?

00:13:22: Meine Beobachtung ist dass viele Freiräume meiner Einschätzung nach nicht immer auf den Ort reagieren.

00:13:34: Also ich habe das Gefühl, dass ganz oder vielen Freiraumgestaltungen Das Verständnis für den Ort fehlt.

00:13:43: Dem

00:13:44: auch dann etwas übergeholfen wird, übergestülpt wird?

00:13:47: Genau!

00:13:48: Also noch aus dieser Tradition heraus, dass man etwas designt und einen Ort gestaltet.

00:13:52: Und ich habe das Gefühl, dass gerade – das meintest du ja auch gerade – die Phasen der Analyse und der Wahrnehmung der Bestandsaufnahme oft viel zu kurz kommen.

00:14:01: Das ist natürlich immer eine Frage der Zeit... gerade in einem Projektablauf, im Büro ist Zeit kostbar und ich finde aber dass es einen sehr großen Wert hat ein Zeitbudget oder das Zeitbudgie so auszulegen, dass man eigentlich ein gutes Zeitpaket ganz am Anfang eines Projekts hat.

00:14:20: Weil wenn du den Ort nicht verstanden hast wie sollst du einen Eingriff planen der authentisch ist und für den Ort passt?

00:14:28: Und ich kenne selbst das meiner eigenen Praxis Kolleginnen, dass es ganz oft der Fall ist, dass man im Projekten in Wettbewerben auf dem Luftbild entwirft und nicht mal mehr selbst einen Ort

00:14:43: fährt.

00:14:43: Und man kann einen Ort nicht planen wenn man ihn nicht selbst erfahren hat.

00:14:48: Dadurch was ich ja vorhin auch schon meinte das Landschafttyperkomplexes da trifft einfach wahnsinnig viel zusammen Erachte ich es als äußerst wichtig, sich dieses Moment des Lesens zu nehmen und wirklich wie ein Buch die Seiten aufzuschlagen.

00:15:03: Und langsam in diese Geschichte einzutauchen und einfach zu erkennen.

00:15:07: okay dieser Ort besteht aus diesen Leiern und meine Aufgabe ist erstmal herauszufinden was das für Leier sind und dann kann ich anfangen einen rauszunehmen einen neuen draufzulegen einen leer zu erweitern oder zu reduzieren.

00:15:24: Du gehst da auch mit den unterschiedlichen Sinnen ran, pro Semester ein Sinn.

00:15:30: Hören, sehen, riechen ... Weiß ich nicht, schmecken?

00:15:33: Schmecken!

00:15:34: Genau.

00:15:35: Was gibt's sonst noch?

00:15:36: Tastzin gäbe es noch.

00:15:39: Der kommt dann am nächsten Mal drin.

00:15:43: Der ist einfach immer dabei der läuft quasi durch.

00:15:46: Warum wird denn die Landschaftsarchitektur noch immer so stark über Bilder und so wenig über andere Sinne vermittelt?

00:15:54: Das ist eine sehr gute Frage, die ich mir auch selbst stelle.

00:15:58: Deswegen war es mir ein großes Anliegen in meiner Gastprofessur genau das anzubieten.

00:16:07: Im Landschaftsbegriff oder überhaupt in der Landschaftswahrnehmung sind wir stark geprägt von einer visuellen Wahrnehmungen.

00:16:19: Es gibt eine Tradition des Sehens Landschaft überblicken, es ist auch sozusagen die Definition von Landschaft entsteht eigentlich erst durch ein sehendes Subjekt.

00:16:29: Das sind wir also.

00:16:30: die Landschaft setzt sich zusammen aus Naturkultur und der Interpretation.

00:16:37: das hat auch schon Lucius Burg hat gesagt der Schweizer Soziologe dass Landschaft ein mentales Konstrukt ist.

00:16:43: Also es ist ein Akt des Sehens und der Selektion.

00:16:47: Aus dem heraus, würde ich sagen ist das eine Art und Weise wie wir Landschaft seit langer Zeit begegnen auf der einen Seite.

00:16:57: Und auf der anderen Seite sind wir sowieso im Jahr zwanzig sechsundzwanzig absolut visuell geprägt.

00:17:05: also wir sind ja so stark auf unseren Sehsinn gepohlt in jeglicher Hinsicht dass wir in vielen Momenten kommt mir zumindest vor vergessen, dass wir auch andere Sinnesempfindungen haben.

00:17:19: Und jeder Sinn der Hörsinn, der Geruchssinn das Schmecken, das Fühlen, das spielt ja, läuft ja ständig parallel ab und

00:17:29: jeder

00:17:29: Sinn ist für uns eine Informationsschicht im Raum.

00:17:34: Das alles zusammengebaut Es gibt für uns eine Raumwahrnehmung, aber auch ein Raumverständnis.

00:17:40: Durch diese ganzen Sinnes-Eindrücken wissen wir, wie wir Räume lesen oder sie bewerten und wie wir uns doch Räumen bewegen.

00:17:48: Aber das funktioniert ganz oft implizit.

00:17:51: Und ich glaube dadurch, dass wir so stark auf diesen Sehsinn gepolt sind, dass auch in der Landschaftsarchitektur genauso wie in der Architekturt oft die anderen Sinne vergessen werden nebensägliche Rolle spielen.

00:18:06: Und welche

00:18:07: Erkenntnisse hast du selbst dabei gewonnen, auch in der Arbeit mit den Studierenden?

00:18:11: Wenn du eben den Fokus hast pro Semester auf die anderen Sinne...

00:18:16: Ja es ist sehr interessant wie viel man über die Sinneswahrnehmung an Raumcharakteristika, an Rauminformationen entdecken kann.

00:18:29: also Man kann sich auch einfach nur mal fünf Minuten lang wohin setzen und die Augen schließen.

00:18:34: Und dann merkt man erst einmal, wie lange fünf Minuten sind wenn man nicht sieht und sich nur mal drauf konzentriert was man hört.

00:18:43: Und zuerst wird man vielleicht ein zwei drei unterschiedliche Geräuschquellen wahrnehmen oder Geräusche lesen und je länger man zuhört desto differenzierter wird das akustische Bild und desto mehr kann man ablesen von den Raumgegebenheiten.

00:19:01: und so funktioniert das genauso mit dem Geruchssinn oder auch mit dem Schmecken.

00:19:06: Und da merke ich, dass gerade bei den Studierenden ganz oft in einem jeweiligen Semestern ein Aha-Moment da ist wo sie merken ja stimmt eigentlich!

00:19:19: Da ist er noch viel mehr.

00:19:22: Eigentlich ist der Körper das perfekte Instrument, um all des wahrzunehmen.

00:19:26: Wir müssen da wissen wo wir es wie einsetzen und einfach unsere Sinne eröffnen, um diese Information auch aufnehmen zu können.

00:19:34: Und das ist sehr schön zu beobachten wirklich dann immer wieder so Momente da sind.

00:19:39: Ich bin da gesessen und plötzlich habe ich das gerochen und da gehört!

00:19:44: Das sind Erzählungen in einem Raum oder einer Landschaft die erstmal unsichtbar sind und dann plötzlich sichtbar werden.

00:19:53: Dadurch

00:19:54: hat das auch eine Auswirkung aufs Gestalten?

00:19:56: Ja, mit Sicherheit!

00:19:58: Wir waren jetzt hier in den letzten Semestern hauptsächlich mit der Frage beschäftigt wie die Landschaft überhaupt über die unterschiedlichen Sinne wahrgenommen werden kann und wie diese Wahrnehmungsmodi einerseits gestärkt werden können aber auch inwiefern die Informationen, die wir dadurch bekommen vermitteln können.

00:20:18: Und das ist auch aktuell mein Stand in meiner eigenen Forschung, das jetzt mal irgendwie zu sammeln und so ein Paket zu binden.

00:20:30: wäre für mich dann die Frage, wie können eigentlich genau diese Informationen und Methoden und Werkzeugen dann in eine planende oder gestaltende Praxis überführt werden.

00:20:42: Das funktioniert sehr gut wenn man im künstlerischen Bereich bleibt weil man da gewisse Freiheiten hat solche Ergebnisse eben auch in der Ausstellung zu zeigen oder in einer Installation eine Audiospur oder eine Geschmacksperformance, was auch immer.

00:21:02: und das sind finde ich gute Momente um über Landschaft ins Gespräch zu kommen.

00:21:07: Gesprächsräume zu öffnen, Assoziationsräume zur Öffnung, Diskussionen zu öffen.

00:21:13: diesen Schritt aber dann zu sagen wie man das in der Entwurfspraxis bringt da bin ich selbst auch noch nicht angekommen und ich find es total spannend da jetzt in diese Richtung weiterzuschreiten und zu untersuchen.

00:21:26: Ich weiß es noch nicht, also ich habe meine eigenen Werkzeuge wie ich's für mich einsetze und einbaue.

00:21:32: aber es wäre interessant so untersuchen wir man das wirklich als vielleicht wie so einen Entwurfstoolkit auch anwenden

00:21:39: kann.

00:21:40: Also bei dir kommt Forschung und Lehre da total gut zusammen.

00:21:44: Mit Salon-Landschaft hast du im Jahr zwanzig vierundzwanzig ein Landschaftsarchitektonisch künstlerisches Vermittlungsformat gegründet, das Ausstellung Gespräch, Performance und Garten auch zugleich sein kann.

00:21:56: Wie ist diese Idee entstanden?

00:21:58: Und warum braucht es aus deiner Sicht dieses eigene Format um Landschaft zu vermitteln also mal abgesehen von den Synergien die wahrscheinlich auch entstehen zwischen Lehre und Vermittlung.

00:22:06: dann

00:22:06: Das Format entstand während meines Stipendiums an der Akademie der Künste in Berlin, und ich hatte damals eine Gesprächsreihe veranstaltet.

00:22:21: Die hieß wovon erzählt die Landschaft?

00:22:23: Wo ich Personen aus Landschaftsarchitektur, Architektorkünstorisch- und korrectorischer Praxis eingeladen habe um über Landschaft zu sprechen.

00:22:31: Und das waren alles Personen, die sich in irgendeiner Form mit Landschaft oder landschaftlichen Thematiken schwerpunktmäßig beschäftigen.

00:22:41: Und die Idee war so, der Landschaft in vielfältiger Form durch Personen, die mit ihr arbeiten eine Bühne zu geben.

00:22:57: und ich bin ja jetzt auch an der Uni Kassel mit dem Salonlandschaft und ich hatte das Bedürfnis Also ich hatte schon im Vorfall so viele unterschiedliche Überlegungen dieses Landschaft einer Bühne geben, Landschaft eine Stimme geben, die Landschaft sichtbar machen.

00:23:10: Das geht in die Lehre, das geht in Praxis, das wird in Archivierung und Forschung.

00:23:17: Da gibt es so viele Stränge und dann kann man das transdisziplinär nochmal viel größer machen.

00:23:28: oder ich hatte das Bedürfnis... ein Dach zu bauen, unter dem das alles seinen Platz findet.

00:23:34: Und dass soll dieser Salonlandschaft sein?

00:23:36: Eigentlich im Dach, unter den ganz viel passieren kann.

00:23:39: Dieser Salonlandschaft ist jetzt kein vorgefertigtes Format sondern der kann ganz unterschiedliches aufnehmen also auch die Idee des Salons als einen Raum wo man sich austauscht und in einen Dialog tritt, wo man verhandelt und diskutiert ein Gesprächsformat sein, das kann eine Ausstellung sein.

00:24:01: Das kann eine Gartengestaltung sein, dass kann eine Performance sein.

00:24:05: Ähm...das kann ganz klein sein, ganz groß und das kann natürlich mit ganz vielen unterschiedlichen Kollaborateur-Innen passieren.

00:24:14: Und der hat zwanzig vierundzwanzig gestartet und er ist noch ganz am Anfang und soll wachsen dürfen.

00:24:22: Das ist so toll, dass du so viele verschiedene Formate zusammenbringst um darin eben genau diese Vielfalt der Landschaft einer Vielschichtigkeit der Formate umzusetzen.

00:24:31: Ja ich wollte mal auf das Seminar Unheard Spaces zu sprechen kommen.

00:24:36: Ich möchte es gar nicht mit dir jetzt komplett vorweg nehmen weil da erscheint bald ein ausführlicher Artikel auf Bownets Campus.

00:24:43: aber erwähnen ihr habt die Döllbach Aue akustisch erfahrbar gemacht Von Biosonifikation bis zu Klavierstücken, zu Licht- und Schattenmotiven.

00:24:54: Wie wird aus höheren Entwurf?

00:24:56: Und was kann Landschaftsarchitektur von einem solchen Zugang lernen?

00:24:59: oder auch die Architektura vielleicht?

00:25:01: auf Architektor ist das ja auch übertragbar?

00:25:04: Ich glaube im Grunde geht es doch darum wenn wir mit Raum arbeiten Besonderheiten und Potenziale eines Raums herauszufinden und die heraus zu kratzen.

00:25:22: Man spricht ja in der Planung ganz oft von Problemen, Defiziten und wie man diese Probleme lösen kann.

00:25:31: Es war auch so etwas das im Studium und im Büro hatte ich irgendwann das Gefühl, ich bin nur eine Problemlöserin.

00:25:41: Mir gefällt es selbst besser davon zu sprechen Potenziale zu finden und ich bin der Meinung, dass jeder Raum irgendein Potential hat.

00:25:50: Man muss das Potenzial nur finden und herausarbeiten.

00:25:54: Ja und ergänzend würde ich noch sagen Problemlösung ist

00:25:57: so

00:25:57: klingt ein bisschen nach ja du findest jetzt den einen Weg der das Problem löst während während du ja selber wie du es beschreibst eben sagst wir sind erst mal ganz offen für alle Wege die sich auftun.

00:26:09: Und klar haben Es gibt heraus vorhandene Räume, es gibt herausfordernde Landschaften wo natürlich Defizite da sind.

00:26:17: Aber erstmal nicht davon auszugehen dass dieser Raum total schrecklich ist

00:26:21: und die

00:26:22: eine Lösung macht den Raum besser sondern das umzudrehen und zu sagen auch der Raum hat eine Qualität und es wäre doch toll diese Qualität zu verstärken.

00:26:32: Und da ist meine Erfahrung ganz oft Qualitäten nicht allein im visuellen liegen, sondern gerade dass eben ein Raum auch eine akustische Qualität haben kann.

00:26:44: Eine atmosphärische Qualitet was auch immer und in unserer Beschäftigung mit der Döllbachauer war das tatsächlich auch der Fall.

00:26:53: die Döllbachauer liegt im Norden von Kassel und ist ein Landschaftsraum der in einer relativ kurzen Sequenzierung ganz unterschiedliche Landschaftstypologien enthält.

00:27:12: Also da gibt es eine Lichtung, da stehen Beißbäume Da gibt es einen kleinen Fluss, die Dölbach-Aue.

00:27:22: Beusbäume sind Bäume, die im Rahmen des Kunstprojekts Siebentausend Eichen von Josef Beuys in der Stadt Kassel über mehrere Jahre gepflanzt wurden und die sind in Kassl jeweils mit einer Basaltstelle markiert.

00:27:36: also neben jedem Baum das während des Projekts gepflanzen wurde steht so eine Basaltstehle und in der Dölbach-Auge gibt's auch einige dieser Bäume.

00:27:45: Genau, man hat die Bäume und Lichtungen.

00:27:47: Man hat die Auer, ein erhöhtes Plateau, das brachenähnlich ist.

00:27:54: Man haben ganz weite Räume mit schmalen Räumen und vor allem einen Kontext, der sehr viel schichtig ist mit einer Kleingartenerlage, einer ganz großen Gleisanlage mit Rangieranlagen von der Deutschen Bahn und im großen Autowerk.

00:28:11: Okay,

00:28:12: viele Themen kommen da zusammen.

00:28:14: das wird jetzt in dem Artikel nochmal alles ganz genau beschrieben.

00:28:18: aber ihr habt trotzdem erstmal euch dahingestellt und erst mal das Hören in den Fokus

00:28:24: gesetzt.

00:28:25: auf wollte ich trotzdem noch einmal kurz hinaus.

00:28:27: ja und das Interessante war bei unserer ersten Begehung des Gebiets waren alle erstmal so was machen wir hier?

00:28:36: Der ist irgendwie schon auch ganz interessant, aber nicht so richtig.

00:28:41: Und wer sind die Nutzerinnen hier?

00:28:44: Was ist das hier überhaupt für ein Ort?

00:28:46: und alle waren eher so ein bisschen subbegeistert würde ich sagen.

00:28:54: So geht es mehreren Personen oder so geht es den meisten wenn sie in dieser Däubachau gehen.

00:28:59: Dann sind wir an dieses Höhen eingestiegen und plötzlich hat sich eine ganze.

00:29:08: Wir haben Zugang zu einer neuen Palette bekommen, was diesen Raum ausmacht.

00:29:12: Und die Studierenden die Vögel dort kartiert und eine Gruppe hat sich eben mit nicht hörbaren Pflanzen-Sounds beschäftigt, per Biosonifikation.

00:29:27: Und hat dort dem E-Feuer eine Stimme gegeben.

00:29:31: Das müssen wir uns noch kurz erklären was Biosonication

00:29:34: ist?

00:29:35: Ja!

00:29:35: Biosjonifikation ist eine Möglichkeit, Vorgänge in Pflanzen, die für uns nicht sichtbar sind, hörbar zu machen also zum Beispiel das Wasser dass du die Pflanze gepumpt wird.

00:29:48: Das sind schon echte Geräusche?

00:29:50: Das sind echte Geräusche, das sind echten Vorgänge, die in einer Pflanzeit passieren aber natürlich für das Auge nicht sichtbar

00:29:56: und für das Ohr nicht hörbar Und

00:29:58: für das menschliche Auge und für den menschlichen Ohr weder Sicht noch hörbar.

00:30:02: Mit welchen Geräten habt ihr das dann hörbar gemacht?

00:30:05: Genau da müssten wir jetzt die Gruppe fragen wie es gemacht hat.

00:30:09: Aber aus meiner alleinhaften Erklärung heraus funktioniert das so im Prinzip hat jede Pflanze elektromagnetische Schwingungen.

00:30:18: Und mit einem Interface können diese elektromagneticen Schwingung aufgenommen werden und dann in Sound ausgegeben werden, also das läuft auch immer über einen Rechner, über den Computer der dann dieses Sounds verarbeitet und da entstehen dann Tonspuren.

00:30:35: Das sind ganz merkwürdige Tonsspuren, das klingt ungefähr so ... Also es ist nicht besonders harmonisch Und das Interessante ist aber, also die Studierendengruppe hat dann auch drei Pflanzen.

00:30:49: Es hat sich mit drei Pflanzen beschäftigt.

00:30:51: Einer davon war Ehefeude und der zweite waren Gras.

00:30:54: Die dritte Pflanze war die Prombeere und hat diese jeweiligen Pflanzen an unterschiedlichen Standorten aufgenommen.

00:31:04: Also die jeweilige Pflanzenarten hatten recht ähnliche... Tonausgaben sozusagen, wir haben ähnlich geklungen.

00:31:12: Aber es gab ganz klar Unterschiede wenn zum Beispiel eine Pflanze näher am Wasser gestanden ist und dadurch einfach auf einem feuchteren Boden gewachsen ist.

00:31:22: Und da hat man wirklich gehört dass sich dieser Sound der Pflanzer verändert.

00:31:27: und das war total spannend zu hören.

00:31:29: und aus dem heraus wenn man das jetzt weiter denken könnte dann könnte man natürlich auch sagen okay das ist ja vielleicht auch in der Methode um auf wissenschaftlicher Basis Erkenntnisse über eine Vegetation in einem Raum zu gewinnen, die man einfach nicht sehen kann oder nicht hören kann und dadurch plötzlich sichtbar machen kann.

00:31:48: Und hörbar?

00:31:49: Ja toll!

00:31:50: Vielen Dank.

00:31:51: Total spannend.

00:31:52: Daraus kann man natürlich auch noch weiter Hörkunst machen das Interpretieren den Pflanzen halt einen eigenen Sound geben oder aus dem eigenen Sound der Pflanzen was machen.

00:32:00: Das ist natürlich total spannend.

00:32:03: Würdest du auch denken dass kann man auf die Architektur übertragen.

00:32:07: Da kommt der Sound ja auch mal ein bisschen zu kurz.

00:32:08: Mit Sicherheit, ich denke Ja!

00:32:11: Also das Spannende sowohl in der Architektur als auch in der Landschaftsarchitektu ist dass man ja innerhalb der Disziplinen wenn man mit Sound konfrontiert wird es meistens darum geht wie man Geräusche fernhält.

00:32:25: also es geht um Lärmverschmutzung die laute Straße die schaltigten Fenster Es geht eigentlich immer darum eine möglichst neutrale Geräuschkulisse zu erschaffen Gerade in der Architektur, so denke ich wie ich das zumindest wahrnehme.

00:32:41: Man achtet vor allen Dingen auf Schutz vor Lärm

00:32:43: und Schutzverschwalte.

00:32:44: Genau, Schutz vor lärm!

00:32:45: Und das ist natürlich verständlich.

00:32:47: es gibt einfach Lärmemissionen in Städten und das führt zu Reizüberflutungen.

00:32:53: Es geht ja auch darum Lebensumfeld zu schaffen dass angenehm ist.

00:32:59: Aber ich denke, dass es schon interessant ist erst mal davon auszugehen, dass einfach jede Umgebung eine landschöpfende akustische Identität hat.

00:33:10: Und das auch mal irgendwie so zu nehmen als wahrzunehmen und hinzuneben und sich einmal damit auseinanderzusetzen.

00:33:21: Deine Frage war ob das auf die Architektur anwendbar ist?

00:33:28: Ich denke ja.

00:33:30: also Ich finde sowieso die Frage ganz wichtig wie Architektur und Landschaft zusammenwirken, weil es wird ja oft immer noch also immer weniger aber doch als ein Art Gegensatzpaar gesehen.

00:33:49: Die bauliche und unter Anführungszeichen natürliche Umwelt Architektinnen und Landschaftsarchitekten arbeiten zusammen, um gemeinsam zu einem Ergebnis zu kommen.

00:34:00: Aber es ist schon sehr klar aufgeteilt die Architekten machen den Hochbau, die Landschaftarchitekten machen den Freiraum.

00:34:07: Und das ist ja nicht die Landsschaft oder der Garten, der um das Gebäude rundherum gebaut wird sondern es ist das Gebärde was in der Landschaft steht.

00:34:15: Ja, genau.

00:34:16: Landschaft ist sonst eher so ein dekoratives Zusatzelement gerne mal

00:34:20: als solches gedacht.

00:34:21: Und das verändert sich zunehmend zum Glück aber es ist immer noch relativ stark vertreten diese Annahme und das zu begreifen dass ja ein Gebäude auch von einem landschaftlichen Kontext ausgeht und es Gegebenheiten, Ortsgegebenheiten gibt mit denen oft dass das Gebäud bestensfalls reagieren soll oder bis zu einem gewissen Grad reagieren kann und sich so ja auch mit einem Ort verbinden kann.

00:34:47: Ich denke, dass es gerade für die Architektur interessant ist solche Komponenten näher zu betrachten.

00:34:55: Du beschreibst das Landschaftsarchitekturen Press- und Öffentlichkeitsarbeit deutlich weniger präsentes als Architektor?

00:35:02: Wie verändert man das Verhältnis zwischen Disziplin und Öffentlichkeit?

00:35:05: Ich glaube, einerseits würde es der Diszipliner Landschaftsaritektur nicht schaden oftmals ein bisschen mutiger aufzutreten.

00:35:17: Und auch mehr für sich einzustehen.

00:35:19: Wir arbeiten mit Fragestellungen die so wahnsinnig interessant sind ja auch zukunftsrechtig und die einfach sehr, sehr viele betreffen.

00:35:29: Also eigentlich betrifft es ja uns alle und das ist so schade dass ganz viele dieser Fragen auseinandersetzungen Hintergründe nicht wirklich vermittelt werden oder sichtbar gemacht werden.

00:35:43: ich glaube da liegt es schon auch an der Disziplin der Landschaftsaritektur Wege zu finden genau solche Themen zu zeigen in welcher Form auch immer zum Beispiel darüber zu schreiben, also dass es auch in der Lehre eine Form gibt Landschaftsarchitekturnösseschreiben zu trainieren.

00:36:05: Was auch oft sehr marginal behandelt wird.

00:36:08: Absolut!

00:36:08: Das sage ich immer für die Architekturt, dass das so wichtig ist.

00:36:11: Ja total.

00:36:13: und auch den Mut zu haben über den Tellerrand rauszuschauen neue Medien und neue Formate auszutesten, und zu experimentieren welcher Vermittlungsformat es sich eignen.

00:36:27: Und da auch Spaß dran zu haben!

00:36:29: Weil das gibt so viele Möglichkeiten.

00:36:33: Ich glaube aber auch dass es zusätzlich in der Komplexität der Sache geht weil ein fertiges Gebäude kann man relativ gut beschreiben Das ist abgeschlossen.

00:36:48: Das hat natürlich nach Fertigstellung auch ein Leben, weil es ziehen die Leute ein und es wird genutzt.

00:36:54: Es kriegt Patina aber trotzdem ist das ein Volumen.

00:36:58: Das kann fotografiert werden, das kann skizziert werden – das ist relativ klar!

00:37:02: Ist es auf dem Peak seiner Erscheinung im Endeffekt?

00:37:04: Genau.

00:37:05: Weil danach geht's so noch bergab.

00:37:06: Und bei der Landschaft ist das ganz anders.

00:37:08: Weil erstmal ist die Landschaft sowieso total schwer planbar in dem Sinn.

00:37:12: Also wir als Menschen nehmen es uns auch heraus, dass wir sagen, wir planen Landschaft, wir verändern Landschaft aber im Prinzip ist das ja auch nur ein ganz... haben wir ja, sind wir ja eine kleine Nadel und Landschaft.

00:37:27: Genau um nochmal auf das Bild des fertig gestellten Hauses zurückzukommen, ist es ja so wenn man einen Freiraum fertig baut unter Anführungszeichen dann fängt er erst an richtig zu leben und sich zu entwickeln.

00:37:39: Und die Pflanzen wachsen und die Räume werden angeeignet und erst dann fängt so ein Projekt anzuleben.

00:37:49: Und auch unabhängig davon, auch wenn wir es nicht planen würden ist natürlich die Landschaft immer da und wächst immer.

00:37:56: Die Pflanze wächst und die Jahre vergehen.

00:38:00: Es ist ein ständiger Wandel der eigentlich sehr schwer festzuhalten ist weil wie stellt man Wandel dar?

00:38:09: Ich glaube das ist vielleicht auch in der Disziplin eine Frage von, also das bemerke ich schon auch oft dass man ein bisschen more humble ist.

00:38:21: Also ich glaube Landschaft ist auch einfach schwerer.

00:38:24: Schwerer abbildbar und auch schwer vermittelbar.

00:38:28: Und das ist sicher auch ein Teil davon.

00:38:31: Schwere vermittelbaren an eine fachfremde Öffentlichkeit oder an Bauherrinnen?

00:38:35: Oder an wen?

00:38:37: Ich glaub alles!

00:38:39: Wir können mit der Landschaft keine fertigen Bilder produzieren Und Rezipientinnen, Bauhernern.

00:38:48: Auch in der Öffentlichkeit sind auf der Rangewöhn fertige Bilder zu bekommen und über ein fertiges Bild können wir dann sprechen.

00:38:56: Das ist in der Landschaft einfach nicht so.

00:38:58: In der Landsschaft spielt die Prozesshaftigkeit eine viel größere Rolle.

00:39:02: Es ist interessant weil das auch immer mehr ArchitektInnen heute sagen, dass prozesshafte wollen wir den Vordergrund rücken.

00:39:07: Da ist diese Annäherung von der du eben schon gesprochen hast.

00:39:11: und vermutlich, weil die Öffentlichkeit reagiert natürlich auch auf das Thema Klimawandel über Hitzung der Städte.

00:39:16: Und da ist Landschaftsarchitektur ja auch wieder mehr den Vordergrund gekommen.

00:39:21: Empfindest du das so?

00:39:22: Ja absolut!

00:39:23: Ich empfinde es auch so – es ist eigentlich jetzt gerade eine sehr gute Zeit um so landschaftliche Themen in Vordergrunden zu stellen.

00:39:29: Jetzt ist halt plötzlich irgendwie die Dringlichkeit dar und die Relevanz und plötzlich sucht man eben wieder nach Lösungen.

00:39:36: ich kann aber auch erkennen dass gerade jetzt bedingt durch den Klimawandeln wie du sagst, Überhitzung der Städte, Regenwasserthematik.

00:39:44: Auch plötzlich so ein Narrativ da ist oder eine Erwartung, dass jetzt Landschaftsarchitektinnen wieder auch dafür die Lösungen parat haben müssen und eigentlich stärker als Ingenieurinnen auftreten.

00:39:55: und Schwammstadt und Dachbegrünung und Fassadenbegrünung.

00:40:00: Und das ist alles sehr technisch und es ist ja auch gut so, dass es dafür Lösungen gibt und wir daran arbeiten.

00:40:06: aber ich sehe schon noch viel mehr in dem.

00:40:10: Die Sehnsucht nach Einfachheit findet sich hier eben genau an diesen Schlagworten, wie du sagst auch wieder.

00:40:16: Schwarmstadt-Afu gibt ja doch eine Lösung.

00:40:17: Kriegen wir schon hin!

00:40:18: Was auch immer das ist wird das alles lösen?

00:40:20: Ja,

00:40:21: genau und in dem Sinn ist es eine Lösung auf Zeit.

00:40:24: aber Lebensraum verändert sich und ich würde mir wünschen dass es da eine stärkere Realisierung auch dafür gibt indem nicht nur zu sagen okay Schwarm Stadt ist jetzt die Lösung für alle sondern es gibt ganz viele Möglichkeiten, das zu untersuchen und Lösungen in unterschiedlichen Maßstäben zu finden oder herangehensweise in unterschiedlichem Maßstäbend zu finden.

00:40:51: Deine Gastprofessur die du seit dem Jahr ist heißt Landschaftsästhetik im Entwurf.

00:40:56: ich weiß nicht ob ich es eben schon gesagt habe.

00:40:57: deswegen wollte ich noch mal sagen der Vollständigkeit habe an der Universität Kassel.

00:41:02: da ist es ja so dass leere Forschung und Praxis sich wie wir eben auch schon besprochen haben so gegenseitig beeinflussen oder auch befruchten.

00:41:11: Und du bewegst dich selbstverständlich zwischen Landschaftsarchitektur, Kunst, Lehre, Korration, dich beschäftigt das Thema Vermittlung?

00:41:19: Du bist an der Schnittstelle von gestaltetem Raum kultureller Vermittlungen künstlerischer Forschung.

00:41:25: Würdest du dein Berufsbild auch so beschreiben?

00:41:27: also sozusagen ja ich stehe an der schnittstell Ich bin verschiedenes

00:41:32: Ja.

00:41:33: doch wenn ich gefragt werde was ich mache dann antworte dann antworte ich, ich bin Landschaftsarchitektin.

00:41:41: Ich glaube dass die Landschaft Architektur das alles umfassen kann.

00:41:46: Es ist aber schon ganz klar also ich bewege mich sehr bewusst an dieser Schnittstelle weil auch finde, dass genauer das spannende ist, dass sich da neue Möglichkeiten aufmachen.

00:42:00: Ich sehe es in der Disziplin der Landschaft architekturt so ganz allgemein weniger als ein Feld, das von vielen Leuten erschlossen wird.

00:42:11: Also es gibt ein paar Weggefährtinnen die in ähnliche Richtungen arbeiten und das finde ich auch immer wahnsinnig spannend da einen Austausch zu gehen.

00:42:22: aber so diese Öffnung der Landschaftsarchitektur zur Kunst kuratorischer Praxis, Vermittlung passiert langsam.

00:42:31: Das steckt noch so an den Kinderschuhen wo es in der Architektur schon mehr gibt, wo es aber auch eine längere Tradition in dem gibt.

00:42:39: Und ich freue mich drauf wenn das in der Landschaftsarchitekturt hoffentlich nach und nach so ein bisschen Fahrt aufnimmt.

00:42:46: Super!

00:42:47: Da passt ja meine letzte Frage besonders gut.

00:42:49: was möchtest du Studierenden mitgeben die sich für solche Hybridenwege auch interessieren?

00:42:54: Was ich vorhin auch schon gesagt habe neugierig sein mutig sein experimentieren wollen Sachen hinterfragen kritisch sein, aber vor allem auch Spaß haben und vielleicht auch einfach aus den Rahmen die einem gegeben werden.

00:43:16: Auch in einem Studium wirklich so an die Ränder dieses Rahmens zu gehen und versuchen mal über diesen Rahmen drüberzuspringen.

00:43:25: Ich habe auch gemerkt in meinem eigenen Werdegang, ich hab ein klassisches Landschaftsarchitekturstudium im Bachelor und Master gemacht.

00:43:34: Und hatte diese Setzung mit meiner Masterarbeit, wo ich gemerkt habe die passt nicht so wirklich in die Landschaftssarchitektor rein aber in die Kunst auch nicht und in die Kuration auch nicht.

00:43:46: Was ist denn das eigentlich?

00:43:47: Wie komme ich da jetzt eigentlich hin?

00:43:48: Dann bin ich ins Büro und dann bin ich raus.

00:43:50: aus dem Büro wusste ich, ich will da irgendwie weitermachen.

00:43:54: Aber dann habe ich den Wald vor lauter Bäume nicht gesehen.

00:43:57: und dann kam so eins zum anderen und ich bin beständig dabei diese Nische auszubauen die es einfach auch noch nicht gibt.

00:44:05: Und das ist einerseits total toll weil ich sie gestalten kann wie ich möchte und es wahnsinnig viel Spielräume gibt und Experimentierräume und auf der anderen Seite ist es auch sehr herausfordernd weil ich keine Anleitung hab wie das geht Und ich schon auch oft alles in Frage stell und... Ich dann manchmal nicht weiß, bin ich jetzt Hybride?

00:44:30: Manchmal finde ich das ganz toll.

00:44:32: Manchmal find' ich das total verunsichernd

00:44:35: wenn man nicht so eindeutig irgendwo dazugehört.

00:44:37: Genau!

00:44:38: Und es ist relativ weit verbreitet, dass auch Unsicherheit damit einhergeht aber auch eine wahnsinnige Qualität.

00:44:45: Weil ja, die Leute, die ganz eindeutig zuzuordnen sind und ganz klar so machen wie man sich Landschaftsarchitektur klassischerweise vorstellt oder Architekturt.

00:44:53: Die sind in der Überzahl.

00:44:55: aber alle anderen die Ränzen aufbrechen das ist ja auch aus dem Zeitgeist heraus.

00:44:59: Das ist ein total spannende Bewegung dass man sich den Mut nicht nehmen lässt.

00:45:04: Da kann man ja jungen Leuten auch sagen wenn das Gefühl aufkommt man gehört nur irgendwo richtig dazu gehört auch in diese zeit und hat eine wahnsinnige Qualität

00:45:13: Absolut!

00:45:15: Das war ein ganz toller Einblick in deine Arbeit.

00:45:18: Vielen Dank für das Interview, Fanny Brandauer.

00:45:20: Vielen dank dir fürs Kommen und fürs Gespräch.

00:45:24: Stimmt wir sitzen ja im großen Garten noch gar nicht gesagt.

00:45:27: Genau.

00:45:27: Das war Studiertum zu bauen.

00:45:29: der Baunetz Campus Alumni Podcast präsentiert von Gira.

00:45:32: Wir freuen uns wenn ihr beim nächsten Mal wieder rein hört und wenn ihr uns eine Bewertung da lasst.

00:45:38: Redaktion und Veröffentlichung Katharina Lux, Baunetzkampus Moderation und Audio-Produktion ich Kerstin Kunekath Berlin.

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