#94 Zimmernder Professor: Denken mit den Händen - Benedikt Buchmüller
Shownotes
Von der Baustelle in die Berufung: Benedikt Buchmüller verbindet handwerkliche Erfahrung mit akademischer Lehre. Mit seiner Kollektivarbeit und einem neuen dualen Studiengang in Coburg denkt er Baukultur aus der Praxis heraus. Eine Folge über Materialverständnis und das Lernen mit den Händen.
Teaserbild: Benedikt Buchmüller Foto: ©Simon Jonke Host und Produktion: Kerstin Kuhnekath Redaktion und Text: Katharina Lux
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00:00:00: Willkommen und seit Gegrüß zur vierneunzigsten Episode von Studiertum zu Bauen, dem Baunetzkampus Alumni Podcast präsentiert von Gira.
00:00:08: Ich bin Kerstin Kunekath und mein heutiger Gast ist Benedikt Buchmüller.
00:00:12: Los geht's!
00:00:13: Herzlich willkommen im Baunetz Campus Alumni Podcast.
00:00:16: Benedik Buchmüler Du bist Architekt, Zimmerermeister und seit Jahrzehntausendfünfundzwanzig Professor für Bauerhalt und traditionelle Werktechniken an der Hochschule Coburg.
00:00:27: Du verbindest in deiner Arbeit, Entwurf, Handwerk und gesellschaftliche Verantwortung.
00:00:33: Schauen wir doch mal wie du da hingekommen bist!
00:00:36: Wie gesagt, du bist gelernter Zimmerermeister und staatlich geprüfter Hochbautechniker und dann hast du anschließend Architektur studiert.
00:00:44: Das ist ja ein spannender Weg.
00:00:45: Wie war der Weg für dich?
00:00:46: Und wie hat der Weg deine Sicht auf Architektor
00:00:49: geprägt?!
00:00:51: Ja hallo hei freue mich hier zu sein.
00:00:54: Wie hat der Weg bzw.
00:00:56: wie hat mein Weg meine Sicht auf die Architektur geprägt?
00:00:59: Also vielleicht muss man da so ein bisschen erklären, wie es dazu kam dass ich überhaupt Architektor studiert habe.
00:01:05: Ich bin nämlich... also ehrlich gesprochen hab ich mich in der Allgemeinschulbildung immer ziemlich schwer getan und habe aber festgestellt das sich ganz gut handwerklich denken kann und auch gut kombinieren kann und habe dann erst mal eine Zimmererlehre gemacht mit sechzehn nach der Hauptschule tatsächlich.
00:01:30: Und habe in dieser Lehre gemerkt, dass es total Spaß macht mich da rein zu fuchsen hab irgendwie diese Materie total.
00:01:38: also hatte das große Glück, dass ich da sehr viel Spaß dran gefunden habe und mich dann auch sehr stark mit identifiziert und beschäftigt hat.
00:01:47: Ich habe dann ein paar Jahre als Zimmerer gearbeitet und habe dann gemerkt, naja das kann doch nicht alles sein.
00:01:53: Und ich habe eine Meisterschule, genau die meiste Ausbildung im Zimmerer Handwerk gemacht und es war eine ganz tolle Schule in München.
00:02:02: dort konnte man nämlich zeitgleich eine Ausbildung zum staatlich geprüften Hochbautechniker machen.
00:02:08: Das hat ein bisschen längere Schule Und in dieser Zeit konnte man eben zwei Abschlüsse machen, das war irgendwie so ein bisschen Vorteil.
00:02:16: Das wäre ja sozusagen naheliegend auch eine Zimmerei zu eröffnen?
00:02:20: Das habe ich sogar gemacht nach der Meisterschule.
00:02:23: Also ich bin zurückgekommen von der Meisterschule und hab dann mich selbstständig gemacht als erst mal könnte es vielleicht so im Architekturberuf freischaffend... bezeichnen.
00:02:35: Ich war so eine Ein-Mann-Zimmerei und habe andere Zimmereien unterstützt, vor allem bei Planungsaufgaben.
00:02:42: Und bin dadurch natürlich relativ viel in Kontakt mit Architektur Aufgaben gekommen weil natürlich ich ein bisschen das Kommunikationsglied zwischen dem Handwerksbetrieb und Architekten in der Zeit viel war und hab dann gemerkt naja irgendwie interessiert mich das stark und ich würde das ganz gerne vertiefen.
00:03:04: Der Baunetzkampus Alumni Podcast wird unterstützt von Gira.
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00:03:53: Okay, das ist natürlich toll.
00:03:55: Baut ihr auch aufeinander auf und jetzt bildet deine Ausbildung auch die Grundlage für so ein sehr tiefes Verständnis von Materialkonstruktionen und Ausführungen sicherlich tiefer als dass von vielen die Architektur studieren und eben keine handwerkliche Ausbildung vorherhaben und vor allen Dingen noch einen Meisterbrief.
00:04:13: Was hast du aus dem Handwerk mitgenommen was im Studium vielleicht gefehlt hat?
00:04:20: Wie du gerade schon gesagt hast, es baut ein bisschen aufeinander auf.
00:04:24: Das ist natürlich das Tolle, dass wenn man schon relativ gut weiß wie Bauen funktioniert bevor man überhaupt Architektur studieren anfängt kann man sich sehr stark auf andere Dinge fokussieren und in meinem Fall war ich ja schon sehr vertieft in der Materie.
00:04:38: Wie geht es technisch?
00:04:39: Aber noch nicht so richtig...wie ist das soziale Gefüge hinter Architektor bzw.
00:04:46: hinter Gebäuden oder hinter Städten?
00:04:48: und konnte mich dann im Architekturstudium da ziemlich doch fokussieren.
00:04:51: Das habe ich auch gemacht, das hat mir sehr große Freude bereitet.
00:04:55: also ich hatte einen kleinen Vorsprung.
00:04:57: Es ist nicht immer ganz leicht wenn man schon irgendwie alles weiß wie es konstruktiv funktioniert um dann wieder so ein bisschen frei zu werden und andere Leute gehen vielleicht naiver aber auch freier ran und kommen dann auf andere Lösungen.
00:05:10: Ja das war so ein bißchen die Herausforderung.
00:05:12: Aber das Schöne war, ich konnte mich halt auf Dinge fokusieren die jetzt andere Menschen, die Architektur studieren wahrscheinlich erst lernen müssen.
00:05:20: Du hast natürlich jetzt keinen Vergleich bei dir selber.
00:05:23: aber wie verändert sich das Entwerfen wenn man Material und Konstruktion nicht nur denkt sondern die Umsetzung tatsächlich gemacht hat vielleicht dann im Vergleich zu den Leuten mit denen du zusammen studiert hast?
00:05:35: Also in meinem Fall war es tatsächlich eher so dass ich versucht habe den Mensch in den Vordergrund zu stellen also immer zu gucken wie funktionieren Räume für Menschen und von Menschen?
00:05:51: Und gleichzeitig so ein bisschen die Ressourcenkomponente von Materialien, weil ich natürlich das alles in der Hand schon mal hatte.
00:05:58: Diese ganzen Baustoffe mich da irgendwie gequält habe und auch viel Spaß hatte dieses Gefühl.
00:06:06: Wie fühlt sich das überhaupt an diese Materialien zu bewegen und irgendwas zusammenzubauen?
00:06:10: Das konnte ich dann sehr stark in den Wurf mit einbringen, Das hat die Folgen, wenn ich jetzt diese Ressourceneinstelle dann passiert
00:06:20: das.
00:06:21: Okay also du hast schon generell über das Handwerkliche sowieso hinaus gedacht und einen ganzheitlichen Ansatz gehabt?
00:06:29: Zumindest habe ich es immer versucht ja.
00:06:32: Ja was sich dann wahrscheinlich überhaupt zur Architektur hingebracht hat wie du es eben schon so umrissen hast... Du führst der Zwei-Tausendneunzehnte an eigenes Architekturbüro BHUCHZWEI.
00:06:42: Was hat dich daran gereizt, ein eigenes Büro zu gründen?
00:06:46: Und wie war dein Einstieg in die Selbstständigkeit?
00:06:50: Also es war ja so, dass ich vor dem Studium schon selbstständig mit der Zimmerei war.
00:06:56: Und ich habe das eigentlich nie so richtig aufgehört.
00:06:58: und ehrlich bin hatte ich die Idee, Ich kann die Zimmerei weiterführen und das Studium mache ich so nebenher und dann funktioniert es danach alles super zusammen.
00:07:08: Das hat natürlich nicht geklappt, sondern Architekturstudium ist natürlich fordern und wenn man das richtig machen will, dann kann man das nicht so auf einer Gehirnhälfte machen.
00:07:17: Deswegen hab' ich mich dann irgendwann sehr stark Architektur konzentriert und habe dann aber während des Studiums immer schon diese Selbstständigkeit weitergeführt, in dem Sinn dass ich damit mein Studium finanziert hab.
00:07:30: Also ich konnte verschiedene Auftragsarbeiten machen und habe das auch während des studiums mit einem befreundeten Studierenden zusammen in einen Visualisierungsbüro umgewandelt und habe dann das quasi als Architekturbüro am Ende des Studiums weitergeführt.
00:07:48: Sehr cool!
00:07:49: Auch da hab ich nicht komplett gleich am Anfang gesagt, ich bin jetzt ein eigenständiges Architektorbüro sondern war auch als Freelancer in verschiedenen Büros unterwegs.
00:07:59: Ja du bist ja generell also Netzwerk spielt bei dir eine viel größere Rolle als mit dem Büro eigene Dinge zu machen.
00:08:06: Da kommen wir auch gleich nochmal drauf zu sprechen.
00:08:09: Jetzt erst noch mal... So generell, also du hast dich damals auch schon auf Bestand Reparaturen weiterbauen.
00:08:15: Konzentriert richtig?
00:08:17: Ja ganz richtig!
00:08:18: Also letztendlich ging es ja auch in der Zimmerei immer um dieses Thematik der Ressourcen und wenn man natürlich weiß wie aufwendig etwas ist zu erstellen dann schmerzt das einem natürlich immer stark das alles in die Tonne zu werfen und neu zu machen.
00:08:32: deswegen habe ich mich immer mit dem was da ist beschäftigt und versucht auch daran aufzubauen.
00:08:38: Ich habe ja eben schon gesagt, dass Bauerhalt und Umbaukultur deine Themen sind die du lährst.
00:08:44: Was bedeutet das für dich?
00:08:46: Also für mich hat das eigentlich zwei Standbeine.
00:08:49: Einerseits habe ich ja schon erklärt, ich hab im Studium mich sehr stark auf Menschen fokussiert und wie Menschen funktionieren und gleichzeitig auch Ressourcen.
00:08:57: Ich habe da verschiedene Kollektive gegründet die sich damit beschäftigen.
00:09:02: wir benutzen den Stadtraum welche Ressursen können wir verwenden?
00:09:06: Wir haben dann in diesem einen Kollektiv zum Beispiel immer versucht aus geretteten Baumaterial in Konstruktionen zu bauen die Stadtbewohner nutzen können um sogenannte Nichtorte zu bevölkern.
00:09:17: Das hat irgendwie ganz gut funktioniert und für mich hat das auch immer diese Bedeutung gehabt, wie geht man mit Ressourcen um?
00:09:25: Und wie nutzen wir unsere Städte?
00:09:27: Und letztendlich ist es im Bau eine ganz ähnliche Komponente meiner Meinung nach.
00:09:32: Letztendlich geht's um Ressoursen.
00:09:34: also was ist gebaut, was steht da, wie kann man das verwenden und wie ermöglicht man diese Räume wiederzu verwenden?
00:09:42: und welche Tools brauchen Menschen, um sich diese Räume anreigen zu können.
00:09:46: Ja wir kommen da gleich nochmal auch zu deinen Netzwerken und zu dem was ihr konkret gemacht habt im Stadtraum.
00:09:53: ich wollte noch mal zur dieser Verbindung von planerischen Wissen und handwerklicher Praxis noch kurz da bleiben weil du ja das Handwerkliche Wissen als gleichwertige Wissensform neben theoretischen und digitalen Methoden setzt.
00:10:07: warum Wird dieses Wissen aus deiner Sicht in der Architektur oft unterschätzt?
00:10:12: Es ist ja sozusagen fast ein Alleinstellungsmerk.
00:10:14: Also du bist nicht der Einzige, aber es ist trotzdem seit ihr die so denken in der Minderheit, sag ich mal.
00:10:22: Naja also ich glaube das ist eher sogar ein gesellschaftliches Problem.
00:10:25: Wir haben bisschen eine Akademisierung der Gesellschaft.
00:10:29: Das hängt natürlich mit... Bezahlung der Arbeit zusammen, das hängt natürlich mit einer Tätigkeit zusammen.
00:10:37: Handwerkliche Tätigkeiten sind halt auch oft Komponenten die man nicht so gerne macht und ich denke dass da eine Wertung entstanden ist über die Jahre.
00:10:48: aus unserer Sicht ist das Handwerk etwas was schwer ersetzbar ist und was eine ganz eigene Identität mitbringt und dessen eine starke Wertigkeit hat.
00:10:58: diese Wertigkeit müssen wir eigentlich wieder uns zurückholen.
00:11:01: Ich denke sogar, dass man da eigentlich nicht so unbedingt vergleichen muss.
00:11:05: Es gab ja schon mal die Idee im Bauhaus, dass eine Ähnlichkeit miteinander verbindet und eben auch eine gesellene Ausbildung und eine akademische Ausbildung in einer Institution schafft.
00:11:16: Und ich denke das kann ein Weg sein wie man wieder auf einen Level kommt, damit es eine bisschen Wertigkeit gegenüber
00:11:22: hat.
00:11:23: Ja, es geht wirklich darum, dass wir Handwerk und Bauen zusammen.
00:11:26: bringt.
00:11:27: Das machen und das denken darüber, sozusagen.
00:11:30: Genau also ich habe ja selbst die Erfahrung gemacht dass über diese Hände ganz andere Denkweisen zustande kommen.
00:11:36: Das heißt ich hab eigentlich erst als ich mit den Händen angefangen habe Dinge zu erschaffen wirklich angefangen auch zu denken und es zu kombinieren, was tue ich denn da überhaupt?
00:11:48: Und das ist ein ganz entscheidender Punkt.
00:11:51: Dass wir Menschen so angelegt sind, dass wir über unsere Hände sehr stark unser Denken anregen und ich denke, das kann man in solchen handwerklichen Tätigkeiten hervorragend... Also das sind ganz hervoragende Beispiele wie die Menschen denken.
00:12:06: Das Problem ist so ein bisschen, dass halt diese Zweischneidigkeit gibt jetzt.
00:12:12: versucht, den Kopf von der Hand zu lösen.
00:12:14: Und ich denke das ist eigentlich nicht der richtige Weg.
00:12:18: Seit dem Sommersemester-Zweibung und zwanzig hast du ja eine Professur für Bauerhalt und traditionelle Werktechniken.
00:12:25: Wie vermittelst du das genau den Studierenden?
00:12:27: dieses Zusammenspiel aus Denken und Machen?
00:12:29: Dass es eigentlich zusammen gehört?
00:12:31: also grundsätzlich bin ich ja berufen einen Studiengang aufzubauen, der Bauerhalt und traditionelle Werktechnik heißen wird.
00:12:37: Der eben wie du gerade schon angesprochen hast diese handwerklichen Fähigkeiten vermittelt in Form eines dualen Studiums.
00:12:45: letztendlich also man macht eine Gewerksausbildung im Handwerk als auch eine akademische Ausbildung an der Hochschule Coburg unter Universität Bamberg Und der Studiengang läuft ja aber noch nicht.
00:12:56: Er soll erst im Wintersemester jetzt starten oder wird jetzt im Winter Semester starten, soweit habe ich es jetzt schon geschafft.
00:13:04: Letztendlich habe ich natürlich gleich zu Beginn meiner Professur angefangen mit Studierenden diese Themen so bearbeiten und konnte jetzt Wir sind jetzt im dritten Projekt, das ist ja auch mein dritte Semester in dem es um diese Themen geht wo wir eigentlich immer versuchen den Studierenden die Möglichkeit zu geben eine handwerkliche Komponente mit ins Projekt einzubringen.
00:13:26: Da haben wir ganz unterschiedliche Sachen gemacht zum Beispiel auf so einer Brachfläche in der Nähe von unserer Fakultät die wir dankensweise nutzen können verschiedene Gebilde aufgebaut mit Studierenden zusammen, die vorher entworfen wurden von den Studierendern.
00:13:42: Jetzt waren wir kürzlich in so einem unterfränkischen Dorf.
00:13:46: Dort ist ein obsolet gewordenen Infrastrukturgebäude Ein sogenanntes Kühlhaus.
00:13:53: dort wurden Milcherzeugnisse von Bauern gekühlt Von Studierende erst mal analysiert, aufgenommen und Lösungsvorschläge des einfachen Umbaus erbracht.
00:14:04: Und uns ging es immer darum, dass wir quasi mit den Stadtbewohnern dort und den Studierenden Zusammenlösungen arbeiten um auch so eine Inditivitätsstiftung zu generieren.
00:14:15: Wie wird das Berufsbild verändern?
00:14:17: Vielleicht erstmal was, dass die Studierende selbst dann haben aber dadurch, dass das ja so unüblich ist, ist es ja am Endeffekt wie im Moment zumindest wie ein Zusatz Qualifikation, wenn Sie sozusagen dann handwerklich auch noch was lernen.
00:14:33: Vielleicht nochmal so grundsätzlich warum dieser Studiengang entwickelt wird?
00:14:38: Die Idee dahinter ist eigentlich dass wir eben Ressourcenproblem haben und ein Indiditätsproblem.
00:14:43: das heißt Wir gehen mit unserer gebauten Materie oder gebauten Umwelt schlecht um.
00:14:50: Eines dieser Probleme ist eben, dass wir nicht so richtig wissen wie es richtig geht.
00:14:55: Also die Ausbildungen sind eben da nicht ausgelegt mit diesem Gebäuden umzugehen und eben... ...die Frage dieses Studiengangs oder der, die das Studiengang nachgeht ist Wie bilden wir Studierende aus?
00:15:13: eben zukunftsfähig diese Gebäude zu bauen und nutzungsfähig zu machen für unsere Gesellschaft.
00:15:19: Und du hast auch gesagt, eine Frage der Identität von Architektinnen und Architekten?
00:15:25: Einerseits die Identität der Planenden und Schaffenden in diesem Bereich als auch der Gesellschaft dass wir identitätsstiftende Bestandsgebäude, Bestandsstrukturen eben wieder nutzbar machen.
00:15:39: Also grundsätzlich geht es natürlich darum, also schon einen Alleinstellungsmerkmal zu schaffen.
00:15:44: Wobei jetzt eigentlich die Idee ist diesen Studiengang nicht irgendwie nur in Koburg dann später mal zu haben sondern wir haben ein gesellschaftliches Problem und die Idee dort halt jetzt Dinge herauszufinden wie wir mit diesem Bestandsstrukturen umzugehen haben.
00:16:00: Idealerweise bilden wir dann Studierende aus bzw Handwerkerinnen Bestandsstrukturen zu erkennen, die Problemstellungen zu erkennen und dann die richtigen Schritte einzuleiten mit diesen Bestands- strukturen umzugehen.
00:16:17: Und letztendlich unsere gebaute Umwelt wieder eine Identität zuzuführen und zukunftsfähig nutzbar zu machen.
00:16:28: Wir stellen uns da so ein bisschen vor, dass vor allem in Bauleiter-Tätigkeiten ist das eine große Hürde.
00:16:35: Weil diese Bestandsstrukturen eben einen hohen Aufwand an Bauleitertätigkeit haben den wir jetzt schwer abdecken können mit den aktuellen Ausbildungssystemen Und wir natürlich sehen, dass das dann zu einer Unwirtschaftlichkeit häufig geführt wird.
00:16:51: Dass man sagt okay, wir wissen nicht was mit diesem Gebäude los ist und das rentiert sich für uns nicht um Tabula rasa machen oder ein neues Gebäud hinstellen.
00:16:59: Das ist kalkulierbar!
00:17:01: Im Idealfall wissen die Leute, die den Studiengang jetzt studiert haben eben ne... Wir können mit diesem gebäude umgehen, das ist kalkalierbar und wir wissen welche Thematiken da auf uns zukommen.
00:17:13: Unabhängig davon sind aber natürlich ganz viele andere Wege offen.
00:17:16: Man hat ja dann eben eine gesellene Ausbildung im Handwerk, das heißt wenn man sich dahin gehen vertiefen möchte, eine meiste Ausbildung machen möchte, im Handwerkerarbeiten Betriebsübernahmen machen möchte Dann ist man dazu natürlich auch befähigt oder man bleibt im akademischen Bereich.
00:17:31: Die Schnittstelle ist denke ich das Interessante.
00:17:34: Das ist sehr attraktiv!
00:17:36: Das ist auch einzigartig in Deutschland
00:17:38: In der Form jetzt.
00:17:40: so kenne ich es nicht
00:17:41: bisher.
00:17:42: Wenn wir jetzt nochmal auf deinen Engagement allgemein schauen, du hast es ja eben schon angefangen zu erzählen.
00:17:47: Die Kollektive in denen du auch aktiv bist?
00:17:50: Ja meine.
00:17:52: Du bist Gründungsmitglied mehrerer Initiativen wie Nord-Kollektiv also N Punkt Ort Kollektiv Halle für alle eV und Regen vierdoll sechs eV.
00:18:03: Welche Rolle spielen solche kollektive Formate für deiner architektonische Arbeit?
00:18:08: Letztendlich ist das der größte Schwerpunkt meiner Arbeit, weil ich irgendwann gemerkt habe – also wie gesagt, ich hab mich im Studium ja schon immer beschäftigt damit.
00:18:17: Wie gehen wir mit unserer Umwelt und wir gehen mit den Menschen die in Städten leben um?
00:18:21: Und es hat letztendlich zu diesen Kollektiven geführt!
00:18:25: Ich hab da ganz tolle Menschen kennengelernt, die immer sehr interdisziplinär waren.
00:18:28: Das heißt, wir waren nie eine heterogene Gruppe sondern aus ganz unterschiedlichen Bereichen und ich war eigentlich meistens sogar Einzige Architekt in dem Fall.
00:18:38: Und das war ganz spannend für mich, weil ich natürlich da ein ganz anderes Arbeiten kennen gelernt habe und ganz andere Fragestellungen behandeln konnte.
00:18:47: Deswegen ist diese Form unter kollektiven Zusammenarbeit eigentlich die entscheidendste für mich.
00:18:55: Ich meine letztendlich arbeiten ja andere Bereiche genauso kollektiv zusammen aber eben nicht so bereichsübergreifend.
00:19:03: meiner Meinung nach Und das kann man durch solche Zusammenschlüsse, eben in dem Fall verschiedene Kollektiv oder Vereine super erreichen.
00:19:12: Einfach andere Fragestellungen zu bearbeiten.
00:19:14: Das heißt du bewegst ja auch an der Schnittstelle von Architektur-Startkunstgesellschaft mit Menschen aus unterschiedlichen Bereichen.
00:19:23: was ermöglichen diese Formate?
00:19:25: Was klassische Architektorpraxis oft nicht leisten kann?
00:19:28: Du hast es ja gerade schon angerissen dass man eben andere Perspektiven drin hat.
00:19:33: vielleicht
00:19:34: Also erstmal erreicht es einen ganz anderen Maßstab.
00:19:38: Man lernt erst mal ganz andere Menschen kennen, die jetzt vielleicht in so einer Architektur-Thematik gar nicht so vorkommen also Menschen, ihren Ort gefunden haben, aber jetzt vielleicht nicht in dieser gesellschaftlichen Konstellation zusammenkommen.
00:19:57: Die wir in der Architektur kennen.
00:19:59: und das fand ich immer total spannend dass man halt eigentlich so ein Querschnitt der Gesellschaft damit abholt wenn man einfach im Stadtraum Dinge tut und vielleicht auch immer so einen Irritationsmoment Versuch zu erzeugen.
00:20:12: Das kann manchmal schwer sein Aber im Endeffekt ist es immer sehr bereichernd was Menschen einem da oder was man erfährt In diesen Situationen.
00:20:21: Und andererseits lässt es natürlich so ein bisschen den Spielraum offen, dass man vielleicht nicht immer nur Dienstleister ist sondern selbst kreativ werden kann und Dinge ausprobieren kann in denen man selbst einen Missstand gesehen hat.
00:20:37: also wie gesagt war ich ja immer sehr stark davon überzeugt das wir mit unseren Ressourcen anders umgehen müssen und eben auch, wie wir unsere Städte benutzen.
00:20:48: Und das konnte man einfach da ausprobieren.
00:20:50: Da kommt jetzt niemand und sagt ein Dienstleister, der sagt ja probier mal aus was du da jetzt machen kannst mit diesem Ort?
00:20:56: Das muss man eben selbst machen und das funktioniert über diese Kollektivarbeit sehr gut!
00:21:00: Wir können ja mal auf dieses tolle Projekt Kulturhauptstädter schauen.
00:21:05: Das hast Du gemeinsam mit dem Kollektif Nord- und einer Berufsschulklasse realisiert an Ausstellungs Pavillon Der in den Kampus Masters auch den zweiten Platz belegt hat.
00:21:17: Das ist eine Plattform für kulturschaffende und BürgerInnen eines Stadtraums in Nürnberg, glaube ich war es, der sonst nicht gut genutzt werden konnte?
00:21:27: Was war für dich der entscheidende Moment in diesem Projekt, indem du gemerkt hast welche Wirkung Architektur hier entfalten kann.
00:21:35: Dieses Projekt war dann eher schon die Weiterführung eines anderen Projekts.
00:21:40: Wie gesagt, im Master habe ich mit anderen Leuten zusammen dieses N-Ort Kollektiv gegründet bei dem es eben diese zwei Hauptstandbeine gab einerseits die Ressourcenverschwendung andererseits diese räumlichen Situationen.
00:21:55: wie nutzt man sie?
00:21:57: Und wir hatten vorher ein Kaffee, das durch gerettete Lebensmittel betrieben wurde gebaut.
00:22:03: Das Mobil war.
00:22:04: D.h.,
00:22:04: wir haben aus Material, dass wir aus Baustellencontainern gezogen haben einen Wagen gebaut der sich so aufklappen konnte und dann sind wir von einem Ort zum nächsten damit gefahren und haben dort immer so'n gerettetes Café gemacht d.h.
00:22:21: da gab es Getränke aber auch tatsächlich Essensverteilung.
00:22:25: Wir hatten immer ganz enge Kooperation mit Foodsharing oder eigentlich mit fast schon Firmen, die uns Essen retten haben lassen und das haben wir dann dort verteilt.
00:22:35: Und während wir dieses Projekt gemacht haben sind wir natürlich an viele Orte gekommen, die schlecht integriert sind im Stadtraum, die aber ein hohes Potential bergen.
00:22:44: Und einer dieser Orte war eben der Richard Wagner Platz und dort habe ich gesehen, dass man das Potenzial deutlich stärker nutzen kann.
00:22:51: Das ist eigentlich ein ganz blöder Tiefgaragendeckel vor der Opern gegenüber des Arbeitsamtes.
00:22:58: D.h.,
00:22:59: da gibt es auch so ein soziales Spannungsfeld, das total interessant war.
00:23:03: Wir haben uns mitten rein auf diesen Platz gesetzt und eine Struktur gebaut die eben diesen Platz kurzzeitig bespielen sollte und auch so ein bisschen zeigen sollte, was denn da alles möglich ist.
00:23:15: Und während wir da waren – also wie du es schon angesprochen hattest – wurde das in patizipativen Prozessen gebaut.
00:23:21: Das heißt, wir haben Leute eingeladen, die das mitbauen konnten und eben die Lehrlinge der Berufsschulklasse haben so die gröbere Konstruktion darüber gebaut.
00:23:33: Während wir dann dort waren war das irre, welchen Zuspruch wir hatten.
00:23:36: Dieser Platz Tod, also das ist ein toter Stadtraum.
00:23:40: Das wird maximal so als Feuerwehraufstellfläche und Transitraum verwendet.
00:23:46: Und als wir dort waren, kamen am ersten Tag irgendwie sechshundert Leute und haben diesen Platz bevölkert.
00:23:53: Das war irre!
00:23:54: Also da war es unvergleichlich.
00:23:58: Und das war ja in meinem Master im Architektur-Master.
00:24:01: Da habe ich gemerkt okay, also da hat man einen wahnsinnigen Einfluss mit seinem direkten Schaffen.
00:24:06: Das ist natürlich auch total interessant, wenn der Platz leer und undefiniert und unschön nicht benutzt.
00:24:13: Also etwas hinzustellen was die Leute nutzen können wirkt sofort dann offensichtlich.
00:24:19: Weißt du was aus dem Platz geworden ist als ihr wieder alles abgebaut habt?
00:24:23: Es ist ein statträumlich schwieriger Platz.
00:24:25: wie gesagt das ist ja auch so eine Deckel Nativgarage das heißt man kann jetzt da nicht einfach Bäume hindpflanzen oder so weiter ist auf jeden Fall direkt Gespräch bei der Stadt geworden, weil wir natürlich Aufmerksamkeit generiert haben.
00:24:39: Und es wurde auch mit uns gesprochen und witzigerweise am letzten Tag hatte die Stadt Nürnberg... Wir waren so im Aufräumen unseres Projekts und auf einmal laufen zwei Personen von Jan Gell über diesen Platz.
00:24:51: Und ich habe gesagt er wir wurden beauftragt ums diesen Platz mal anzuschauen.
00:24:56: Das war nicht irgendwie ein ganz spannendes Thema.
00:24:58: ob das natürlich Zusammenhänge hat oder nicht?
00:25:01: hat auch von sich aus darauf gekommen, dass dieser Platz ein Problem ist.
00:25:05: Aber es waren natürlich zeitliche interessante Gefüge, die da entstanden sind.
00:25:11: naheliegend ja das ist an euch
00:25:13: mit an uns vielleicht.
00:25:14: leider ist dieser platz dach wie vor in dem zustand indem er war und auch leider wieder in dem schlechten zustand also oder schlecht integriert.
00:25:22: im stadtraum würde ich sagen
00:25:25: Okay, das heißt dann bleibt aber der Eindruck und vielleicht auch bringt es was ins Rollen.
00:25:29: Aber es dauert ja immer etwas.
00:25:31: Also für unsere Zusammenarbeit oder städtische Zusammenarbeit hat's natürlich sehr viel gebracht weil gemerkt wurde dass das einen großen Einfluss haben kann solche Strukturen und hat uns natürlich dann auch Türen öffnet andere Projekte zu machen.
00:25:44: wir haben dann viele also Nürnberg ist eine sehr dichte Stadt sehr versiegelt.
00:25:50: Wir haben dann verschiedene Projekte gemacht, die auch in Kooperation mit der Stadt zusammen waren und die so einen ähnlichen Hintergrund hatten.
00:25:57: Und das ist so ein bisschen die Initialzündung bei dieser große Paarbeierung, den wir da zusammengemacht
00:26:02: hatten.".
00:26:02: Das heißt machen hilft schon mal.
00:26:04: um sozusagen weiterzukommen?
00:26:07: Wie würdest du dein eigenes Berufsbild definieren oder beschreiben?
00:26:11: zwischen Architektur, Handwerk, Lehre und
00:26:13: Engagement?".
00:26:15: Mein Berufsbild würde ich sagen ist intrinsisch motiviert, Dinge zu verändern und ich habe sehr früh erfahren dass wenn ich Dinge in die Hand nehme und mitgestalte dann passiert das auch.
00:26:29: Und man hat sehr großen Einfluss auf ganz unterschiedliche Dinge.
00:26:33: Das heißt man darf nicht denken, dass das was man tut... Nichts, nichts wert ist.
00:26:39: und das habe ich immer sehr schnell erfahren.
00:26:42: Und auch irgendwie so... Das gibt ein Jahr was mit!
00:26:47: Mein Schaffensbild würde ich sagen ist ganz unterschiedlich.
00:26:50: also ich versuche natürlich vielleicht auch nochmal durch diese ganzen Berufe oder Identitäten die angenommen hatte, also ich fühle mich immer noch als Zimmerer.
00:27:01: Das ist in mir drin und ich fühl mich als Stadtmacher und Architekt und versuche das eigentlich in allen Projekten auch immer mit zu verarbeiten.
00:27:08: Und das klappt eigentlich ganz gut würde ich sagen.
00:27:12: Was würdest
00:27:13: du denn
00:27:13: hinsichtlich dieser Vielschichtigkeit jetzt studieren oder Berufseinsteigerinnen raten?
00:27:20: macht das worauf ihr Lust habt.
00:27:22: Das ist immer so.
00:27:23: die, ich habe immer das Gefühl... Ich merke es auch bei vielen Studierenden, die müssen alle ganz schnell ihren Abschluss machen und finanziell handlungsfähig werden.
00:27:33: Tatsächlich nie eine finanzielle Handlungsfähigkeit, das ist vielleicht immer so ein bisschen komisch gesagt.
00:27:38: Aber wenn man motiviert ist Dinge zu tun dann funktioniert diese wirtschaftliche Komponente eben ganz gut aus meiner Sicht.
00:27:45: Das finde ich etwas was man eigentlich ganz gut mitgeben kann dass Wenn man Lust hat Dinge zu tun dann funktioniert es schon.
00:27:52: Man darf sich nicht abschrecken lassen von äußeren Einflüssen die vielleicht gesellschaftlich einem zugetragen
00:27:59: werden
00:28:00: wenn man das so sagen kann.
00:28:02: Also finden, wofür man wirklich hier Motivation hat und dann für finanzielle Freiraum sorgen?
00:28:10: Genau!
00:28:11: Man muss natürlich dazu sagen ich hatte da auch immer viel Glück.
00:28:14: Ich weiß nicht ob es jetzt als Roll-Model funktionieren kann.
00:28:18: letztendlich war das aber für mich immer der richtige Weg dass ich Sachen getan habe die mich motiviert haben von denen ich überzeugt war auch andere Dinge tun lassen.
00:28:31: Ja,
00:28:32: ja genau.
00:28:33: Klar Glück gehört auch dazu aber es gibt auch immer Wege die man vielleicht nicht sieht.
00:28:38: erstmal also da dass man da sozusagen weiter nach sucht das zu tun was man tun möchte.
00:28:45: Du hast eben gesagt, dass du im Wintersemester beginnst?
00:28:49: Ja der Studiengang hat zwei Studienrichtungen d.h.
00:28:53: einmal kann man eben diese Bibel beschrieben.
00:28:55: Du alle Variante studieren als auch wenn man schon den fertigen Gesellen eine Ausbildung hat, also einen Brief hat.
00:29:02: Dann kann man die Variante in der Vollzeitvariante studieren und der Studiengang soll im Wintersemester XXI jetzt starten das heißt in ein paar Monaten.
00:29:13: ich bin schon ganz aufgeregt wer da kommen wird und dann geht es los genau
00:29:19: Super.
00:29:19: Dann wünsche ich dir auf jeden Fall dafür alles, alles Gute und danke dir ganz herzlich für deine Zeit und das Interview Benedikt Buchmühler!
00:29:29: Vielen vielen Dank hat mir viel Spaß
00:29:30: gemacht.
00:29:31: Ja auch Das war studiert um zu bauen.
00:29:33: der Baunetzkampo Salomni Podcast präsentiert von Gira.
00:29:37: Wir freuen uns wenn ihr beim nächsten Mal wieder rein hört Und wenn ihr uns eine Bewertung da lasst.
00:29:42: Redaktion und Veröffentlichung Katharina Lux, Baunetzkampus Moderation und Audio-Produktion ich Kerstin Kunighardt Berlin.
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