#88 Filmemachender Architekt: Vom Weiterbauen und Weitererzählen - Adrian Dorschner

Shownotes

Adrian Dorschner arbeitet zwischen Umbau, Lehre und Film. Architektur versteht er als räumlichen Prozess, der gebaut, gelehrt und erzählt werden kann. Eine Folge über Klang, Atmosphäre und darüber, wie unterschiedliche Medien den Blick auf Raum verändern.

Host und Produktion: Kerstin Kuhnekath Redaktion und Text: Katharina Lux

Übersicht aller Folgen mit weiteren Infos & Bildern zu unseren Gästen: https://www.baunetz-campus.de/podcasts

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Transkript anzeigen

00:00:00: Willkommen und seid gegrüßt zur achtundachtzigsten Episode von Studiertem zu Bauen, dem Baunetzkampus Alumnipodcast präsentiert von Gira.

00:00:08: Ich bin Kerstin Kuhnekatz und mein heutiger Gast ist Adrian Dorschner.

00:00:13: Los geht's!

00:00:14: Willkommen beim Baunetzkampus Alumnipodcast Adrian Dorschner.

00:00:18: Du bist Architekt?

00:00:19: Mitgründer von Dorschner Karlarchitekten in Leipzig lehren da in der Architekturausbildung und arbeitest seit vielen Jahren auch als Filmemacher.

00:00:29: Deine Arbeit bewegt sich bewusst zwischen Architekturpraxis, Lehre und Film.

00:00:35: Verstanden als unterschiedliche Zugänge zu denselben Fragen von Raum, Wahrnehmung und gesellschaftlicher Wirkung.

00:00:42: Darüber wollen wir heute sprechen, aber natürlich... vor allem über deine Karriere, über deinen Werdegang als Inspiration für unsere Zuhörerinnen und Zuhörer.

00:00:52: Du hast von zweitausend bis zweitausend acht Architektur an der TU Dresden studiert und warst für Auslandssemester in Barcelona und an der ETH Zürich.

00:01:03: Wie hast du diese Studienzeit und unterschiedliche Hochkulturen erlebt und was hat sich in dieser Phase besonders oder was hat dich in dieser Phase besonders geprägt?

00:01:14: Also, hallo erstmal Kastin freue mich total heute über den Podcast.

00:01:18: Genau, also ich habe in hauptsächlichen Dresden, also ich bin aus Leipzig, deshalb ist Dresden, war das für mich relativ naheliegend in Dresden zu studieren.

00:01:29: Und ich hatte mir damals gar nicht so viel Gedanken gemacht, wie ich das vielleicht heute machen würde, wo man jetzt studiert, sondern ich habe das eigentlich irgendwie großenteils nach dem Ort ausgewählt.

00:01:42: und wenn man jetzt so zurückblickt zwei tausend dann ist das schon irgendwie eine ganz andere zeit gewesen.

00:01:49: also da war also bei uns war das schon wieder so ein bisschen auf dem aufsteigenden ast.

00:01:55: aber die die perspektiven waren jetzt nicht so wahnsinnig toll.

00:02:00: und Ja, und ich hatte damals mich dafür entschieden, Architektur zu studieren, weil meine Eltern hatten gerade ein Haus gebaut und der Architekt hat dann immer so Bücher mitgebracht.

00:02:12: Tessiner Tendenzen hieß das damals, also so.

00:02:17: Das hat mich dann irgendwie total fasziniert.

00:02:20: Und genau, dann habe ich mich dafür eingeschrieben, wurde in Dresden angenommen und dann startete das.

00:02:27: Dort.

00:02:27: und dann geht man natürlich total unvoreingenommen ran, weil man weiß ja gar nicht was, hat gar keinen Vergleich und das war alles ziemlich aufregend und neu natürlich und interessant.

00:02:41: Und dann gab es ein paar prägende Figuren, die das Studium da geprägt haben.

00:02:45: und aber ich habe dann schon irgendwann gemerkt, dass es auch irgendwie noch andere Sachen gibt.

00:02:52: Damals ging das irgendwann dann los im zweiten, dritten Semester, dass man sich so für Sachen interessierter, die eben in der Schweiz passiert sind, was dort gebaut wurde und auch wie dort unterrichtet wurde.

00:03:05: Ich weiß nicht, ob das ein Begriff ist.

00:03:07: Den jüngeren Generationen gab dann so eine Tendenz in, das kommt auch so ein bisschen aus dieser Tessiner Schule vielleicht, so genannte analoge Architektur.

00:03:16: Die Worte an Entzürich unterrichtet hauptsächlich durch Miroslav Schick.

00:03:20: Das war da so ein tschechischer Architekt, der an Entzürich unterrichtete und da sehr sehr charismatischer Lehre.

00:03:30: und diese analoge Architeke hat mich total fasziniert.

00:03:33: Also dieses Jahr in Zürich, das war für mich total prägend, weil das im totalen Kontraststand zu dem, was in Deutschland gemacht wurde.

00:03:42: Also in Deutschland war man noch so ein sehr konzeptionell geprägt.

00:03:48: Die Architektur war noch alle so aus den neunziger Jahren Star-Architektur geprägt.

00:03:54: Es war sehr auf Autonschaft aus.

00:03:57: Man hat eigentlich versucht immer was Neues zu machen und die Stadt war eigentlich was was man so oder was man.

00:04:04: das was man vorgefunden hat hat man eigentlich kritisch betrachtet.

00:04:07: und das was man dann entworfen hat musste eigentlich immer was Neues sein und sich da eigentlich im Kontrast darzustellen.

00:04:13: und bei dem.

00:04:15: Bei dem Miroslav Schick oder der analogen Architektur war das eigentlich totale Gegensatz.

00:04:19: Da hat man eigentlich mit dem gearbeitet, was da ist und ist eigentlich von der Kontinuität ausgegangen, der Architektur, dass man das nicht neu erfinden muss.

00:04:28: Und es hat aber trotzdem was radikal durch diese Art von, wie soll ich das sagen, Normalität, die da kultiviert wurde oder auch das... Auch vielleicht die Tristests oder die Stadtrennen da wurden da thematisiert.

00:04:41: Auch nicht immer nur das Schöne, sondern auch eben so Dirty Realism.

00:04:45: Und das hatte dadurch im Kontrast zum, was wir in Deutschland gemacht hatten, was radikales, also diese Normalität.

00:04:53: Das hat mich total fasziniert.

00:04:55: Und das hat natürlich heute Rückblätten, da auch ist es natürlich total aktuell, dass man eigentlich sagt, man will eigentlich eher mit dem vorhandenen Arbeiten und weiterbauen, als immer alles neu zu erfinden.

00:05:07: Ja, wie war das in Barcelona?

00:05:08: War das da ähnlich?

00:05:09: Ja, Barcelona war irgendwie ganz anders.

00:05:12: Das war Erasmus.

00:05:13: Das gibt es ja auch heute noch und das würde ich einfach eben empfehlen, das zu machen oder einen Anspruch zu nehmen.

00:05:19: Und die Uni war total interessant.

00:05:23: Das hat irgendwie ganz anders funktioniert als in Deutschland, aber ich kann das gar nicht so charakterisieren, weil ich dadurch, dass das mit der Sprache so ein bisschen ein Thema auch war, habe ich daran nicht an so vielen Kursen teilnehmen können.

00:05:37: und habe dann eigentlich hauptsächlich mich mit der Stadt beschäftigt.

00:05:41: Also es gab so ein paar Kurse, die haben sich auch mit Barcelona als Stadt beschäftigt, dann da habe ich teilgenommen.

00:05:47: Ich habe da auch total viel gelernt, aber akademisch war das nicht wahnsinnig akibisch damals.

00:05:53: Ja, Errasbeteil.

00:05:55: Aber eine gute Erfahrung, wie man raushört.

00:05:58: Werbung.

00:05:59: Der Baunetz Campus Alumnipodcast wird unterstützt von Gira.

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00:06:48: Du bist dann nach dem Studium bist du zu Dina und Dina und das hat dich wohl auch sehr geprägt.

00:06:53: Du warst zwei Jahre dort, also in Basel.

00:06:56: Was hast du denn aus dieser Zeit für dein eigenes Arbeiten mitgenommen?

00:07:00: Also das hat sich schon im Studium entwickelt, dass ich da auch unbedingt hin wollte, weil das mich auch fasziniert hat.

00:07:07: Dina und Dina ist ja so ein bisschen anders als jetzt diese analoge Architektur, die sehr mit Referenzen arbeitet.

00:07:17: Was mich bei Dina und Dina fasziniert hat, war eben auch dieses... dieses radikal normale, dass man sich eben auch immer in die Stadt einschreibt, dass es eine Kontinuität gibt, dass Stadt und die Bedeutungsräume auch in der Stadt total viel so eine große Rolle spielen, dass es eben nicht um das Objekt geht, was sich selber genügen muss, sondern eigentlich das Einweben von einem Gebäude oder einer Architektur, auch in einem kulturellen Kontext und sich daraus auch die wie soll ich das sagen, im Entwurf explizit die Voraussetzung dazu holen und die Architektur daraus zu entwickeln.

00:07:59: Und dabei aber nicht irgendwie spektakulär zu sein, sondern das hat ja eine radikale Zurückhaltung.

00:08:04: Die Architektur damals vielleicht noch mehr als heute, ist ja eine Gratwanderung zwischen Banalität und diesen Fassaden.

00:08:14: Da muss man schon... Ja, irgendwie genau hinschauen, dass sich daraus eine Faszination entwickelt und dies dann auch, finde ich, umso stärker.

00:08:23: Also die Poesie, die sich dann auch aus diesem Kontext entwickelt.

00:08:28: Das war prägen, weil ich habe an zwei Wettbewerben mitgemacht, Kunsthaus Zürich und Kunsthaus Baseln, habe aber auch Ausführungsplanen, also ein großes Spektrum gemacht, auch raumplanerische Arbeiten, also ob da eigentlich das gesamte Spektrum... Mitgemacht.

00:08:44: in diesen zweieinhalb Jahre war ich dort, weil ich da schon vorher Praktikum gemacht habe, während des Studiums.

00:08:51: Ja, und durch die Arbeit an den Wettbewerben war man natürlich dann sehr stark auch eingebunden in diese Entwurfsstrategien.

00:08:57: Das fand ich natürlich spannend in diesen zwei wichtigen, also eben Kunsthaus Zürich und Kunstmuseum Basel.

00:09:04: Du hast ja schon zwei Jahre nach deinem Diplom, hast du gemeinsam mit Tobias Karl dich in Leipzig schon selbstständig gemacht, Dorschner Karlarchitekten gegründet.

00:09:14: Warum hast du dich relativ früh für die Selbstständigkeit entschieden und wie lief der Weg in die Selbstständigkeit ab?

00:09:20: Also das hat natürlich auch wieder viele verschiedene Gründer.

00:09:23: Ich hatte dann einfach Lust oder andersom gesagt keine Lust mehr.

00:09:30: Ja, also in dem Büro, das sind ja dann, gibt es so eigene Strukturen, das ist ja so ein sozialer Kosmos auch und man macht dann natürlich Sachen, die irgendwie auf dem Büroplan stehen und irgendwann hatte ich dann Lust, einfach die eigenen Sachen zu machen.

00:09:47: und rückblickend kann man sagen, das war, ist natürlich ziemlich früh gewesen, also gerade im Blick auf die Sachen, die wir dann später gemacht haben oder kurz darauf eben Wettbewerb gewonnen und so weiter, da hätte man schon ein bisschen mehr Erfahrung brauchen können auch.

00:10:03: Aber rückblickend ist man ja immer irgendwie schlauer und es war einfach damals so, ich hatte auch in der Schweiz, also ich war total gern in Basel, aber irgendwann war das auch, die Schweiz ist natürlich ein Land, sehr viel Wohlstand, ist auch fertig gebaut und es gibt da wenig... Spielraum für Sachen auch gedanklich zu entwickeln.

00:10:24: Es ist im Prinzip wirklich fertig und in Leipzig war damals noch eigentlich das genaue Gegenteil.

00:10:30: Also da war die Stadt überhaupt nicht fertig.

00:10:32: Es war eigentlich noch so ein bisschen wie in den Neunzigern ganz viel leer stand und es ging total viel und ich hatte total Lust nach Leipzig zurückzugehen, weil ich auch das Gefühl hatte, da kann man das starten irgendwie ohne dass man jetzt einen Auftrag hatte, wer hatten keinen Auftrag oder so.

00:10:49: Wir haben das einfach so gemacht.

00:10:52: Dann bin ich nach Leipzig gezogen.

00:10:54: Wir haben mit dem Tobias Karl schon im Studium, also wie gesagt, wir haben zusammen studiert und haben auch schon im Studium Wettbewerbe zusammen gemacht.

00:11:01: Also wir haben auch schon zusammen gearbeitet.

00:11:04: Und dann haben wir einfach angefangen, auch Wettbewerbe zu machen.

00:11:08: Und genau, habe ich einen Raum gemietet in Leipzig.

00:11:13: irgendwie Büro gestartet, relativ naiv muss ich sagen, also ohne sich da groß Gedanken zu machen.

00:11:19: Aber ja, kann man vielleicht auch so sagen, wenn man das immer von hinten denkt, dann wird man viele Sachen vielleicht auch einfach nicht machen.

00:11:26: Und bereust

00:11:27: du es oder bist du froh, dass du so vieles nicht wusstest?

00:11:29: Nee, ich bereue das gar nicht.

00:11:31: Irgendwo muss man die Erfahrung sammeln und entweder ist es im Büro oder dann auf die vielleicht auch harte Tour in der Selbstständigkeit.

00:11:39: Also im Büro hat man halt immer noch so ein bisschen Welpenschutz und hat immer jemanden, der am Ende die Verantwortung übernimmt oder man kann Leute fragen.

00:11:49: Das ist natürlich ein ganz anderer Background, als wenn man es auf sich gestellt ist.

00:11:53: Euer erstes

00:11:54: Projekt war der Umbau eines Gebäudes zu einem Club in Leipzig.

00:11:58: Wie seid ihr denn an dieses Projekt gekommen und wie ist das gelaufen?

00:12:02: Welche Rolle spielten da auch Netzwerke und persönliche Beziehungen?

00:12:05: Ja, das IFZ, das war unser erster eigentlich richtiger Auftrag.

00:12:09: Das waren einfach Freunde von mir, die die Betreiber, das war ein Kollektiv von Künstlerinnen, Musikerinnen oder die schon immer Partys gemacht haben in Leipzig.

00:12:18: Das war in neunzigern eben super spannend in Leipzig.

00:12:21: Ich gab ganz viel Leerstand.

00:12:23: Man konnte eben Partys feiern in irgendwelchen Orten und das Wort immer weniger, weil einfach die Orte einfach immer weniger wurden.

00:12:31: Und dieses Kollektiv, dieses IFZ, das ist das Institut für Zukunft, die haben dann auch irgendwann gemerkt, diese Partys in irgendwelchen Hallen, das funktioniert nicht mehr so richtig.

00:12:43: Wir brauchen jetzt einen Ort.

00:12:44: Wir wollen einfach auch einen festen Ort für diese Kultur.

00:12:47: Und dann haben sie mich gefragt, ob ich da Lust drauf habe oder weil sie auch niemanden anders kann, keine Architekten, Architekt in den Kanten.

00:12:55: Und wir fanden es natürlich total faszinierend aufgerappert.

00:12:58: Das ist auch, was heißt naiv, aber wir haben auch gesagt, klar, machen wir.

00:13:04: Und so ging das los, das Projekt zu planen.

00:13:08: Und ja, war eine ziemliche Herausforderung.

00:13:12: Also wir haben natürlich das Handwerkszeug durch die Büro-Background ziemlich viel gelernt, wie man eine Planung aufzieht.

00:13:21: Aber natürlich, wenn man jetzt in eine neue Stadt kommt und die Bauämter, die sind dann natürlich sehr... skeptisch, ne?

00:13:29: Zwei junge, von denen noch niemand gehört hat, zwei junge Architekten, einen Club bauen.

00:13:35: Bautnussrechtlich ist das ja mit einer superanspruchsvollen, also Versammlungsstätte.

00:13:40: Da muss man ziemlich viel beachten und kann auch viel schief gehen, also wo viele Leute einfach zusammenkommen.

00:13:46: Und deswegen war das, ja, das war eine Herausforderung damals, das zu machen.

00:13:51: Und

00:13:52: auch eine Wahnsinnsverantwortung der Menge an Menschen gegenüber, die dann sich darin aufhält.

00:13:56: Genau.

00:14:00: Am Anfang haben wir auf Granit gebissen, bei den Bauämtern, beim Bauordnungsamt, weil wir natürlich uns versucht haben, da Unterstützung zu suchen.

00:14:10: Aber irgendwann weiß ich noch, wie heute ... Das Bauordnungsamt in Leipzig ist ein total avirintliches Gebäude.

00:14:17: Man findet da, wenn man da das erste Mal ist, überhaupt nicht sich zu rechnen.

00:14:21: Dann bin ich da rumgehört und dann sprach mich eine ... eine Frau an, auf dem Gang, weil sie wahrscheinlich da mich gesehen hat, wie dass ich total verzweifelt dort rumlaufe und fragte mich, wo ich den hin will.

00:14:33: Dann schilderte ich ihr meinen Anliegen, dass wir eben da dieses Projekt haben und ich gerne eine Beratung würde.

00:14:40: Und dann sagte sie zu mir, ja, gehen Sie mal in Raum, so und so, zu Frau Gerlach.

00:14:46: Und später habe ich rausgerichtet, dass die Frau, die ich da getroffen habe, die Amtsleiterin.

00:14:52: Und die Frau Gerlach war kurz vor der Rente, eine Frau hatte wahrscheinlich schon alles irgendwie erlebt und mit der haben wir dann diesen Club zusammen geplant.

00:15:03: Und das war fantastisch, weil die war super aufgeschlossen und hat uns da auch vertraut.

00:15:09: Und wir wussten natürlich, dass wir jetzt unter diesen Bedingungen eine sehr, wie soll ich sagen, seriöse Planung machen müssen.

00:15:17: Und das war dann ein Prozess von zwei Jahren, dass wir den Club geplant haben mit ganz kleinem Budget, aber natürlich riesigen Ambitionen.

00:15:23: Und er hat dann im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im

00:15:37: Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr im Jahr insbesondere mit Klang und Akustik zu beschäftigen.

00:15:45: Was hast du dort über Atmosphäre und Nutzung gelernt?

00:15:48: Wie kamst du dann auf dieses Thema Klang, das ja in der Architektur oft unterschätzt wird?

00:15:54: Und warum wurde Klang für dich zu einer zentralen architektonischen Kategorie?

00:16:00: Ja, es ist eben auch einfach wieder Teil des Prozesses, also wie viel ist einfach was, wenn ich da zurück blicke, eigentlich immer nie so richtig entschieden wurde, sondern es war eigentlich immer alles ein Teil von einem Prozess und es ist immer eigentlich eins zum anderen gekommen.

00:16:14: Und genau, und Raum und Klang, also wie Räume klingen oder Raumakustik, das war für mich damals jetzt nicht ein riesen Thema, er hatte mich da eigentlich nicht explizit vorher mit beschäftigt und einfach in der Planung.

00:16:27: Zu dem Club hat das natürlich aber auf einmal eine riesige Rolle gespielt.

00:16:31: Die hatten einen ziemlich hohen Anspruch an den Klang von diesen Räumen, hatten da eine ganz tolle Anlage konzipiert und da war das natürlich auf einmal ein Thema.

00:16:41: Wie klingt der Raum eigentlich?

00:16:42: Und dann musste ich mich zwangsläufig da mit beschäftigen, weil die Räume waren eigentlich ja nicht für, das waren eigentlich industrielle Räume und aus einer industriellen oder... Keine kulturelle Nutzung heraus.

00:16:54: Das ist natürlich aber interessant, wenn man das so kulturhistorisch betrachtet, dass natürlich diese ganze, das war ein Techno-Club, eigentlich diese ganze Musik auch immer aus solchen Räumen entstanden ist, also postindustrieren Räumen, die nie für Musik gemacht wurden.

00:17:10: Und natürlich gibt es dann Zusammenhang zwischen diesen harten Räumen.

00:17:13: die man zwangsläufig, weil man gar keine anderen Räume hatte, besetzt hat.

00:17:18: Also, das gibt eine Synchronisierung zwischen der Musik und der räumlichen Entwicklung.

00:17:23: Und so war es im Prinzip auch bei uns.

00:17:25: Ja, und dann habe ich einfach mitbekommen auch mit den... durch diesen Planen von dieser Musikanlage, wie viel Akribie, die reingesteckt haben, diese Musikanlage für diesen Raum zu planen.

00:17:36: Und auf der einen Seite haben die das natürlich digital, das ging damals auch schon vor, simuliert und dann aber auch zwei Wochen lang weiß ich noch diesen Raum eingehört, wo er wirklich dort... Stunden lang Leute im Raum waren und gehört haben und das hat mich total fasziniert und da habe ich eben dann auch schon angefangen währenddessen mich damit zu beschäftigen und dann eben auch mit was es eigentlich bedeutet wie Räume klingen und dass man natürlich Räume Akustisch vorprogrammieren kann aber am Ende ist es doch immer ein Peaboss Business.

00:18:10: also wir sind sozusagen der das Medium.

00:18:13: und am Ende selbst wenn es so hochtechnologisiert ist am Ende Geht's darum, wie hört sich der Raum an?

00:18:20: Weil du kannst jeden Raum natürlich simulieren, aber das heißt nicht, dass der am Ende gut klingt.

00:18:26: Da entfaltet sich auf einmal eine riesige Komplexität von Dingen, die ganz viel mit Architektur zu tun haben, aber eigentlich mit was man so im Alltag, also mit was es lässt sich ganz schnell auf einem Plan darstellen.

00:18:40: Es lässt sich ganz schwer kommunizieren und ist aber dennoch so ein wahnsinnig wichtiger Teil unserer Raumwahrnehmung, also mit fast, ich will es nicht sagen, wichtiger.

00:18:50: Und ich bin nach wie vor ein total visueller Mensch, aber dieses unterbewusste, dieser akustischen oder auditiven Wahrnehmung ist faszinierend.

00:19:01: und sich damit zu beschäftigen, wie man das natürlich dann auch beeinflussen kann oder entwerfen kann, damit natürlich die Raumwahrnehmung beeinflussen kann.

00:19:10: Das hat sich dann so peu à peu entwickelt, umso mehr ich mich damit beschäftigt habe.

00:19:15: Ja, dass das ein Feld ist, was gerade jetzt, wenn man jetzt auch sich akademisch mit Architektur beschäftigt, sehr faszinierend ist.

00:19:27: Legst du ja auch einen Schwerpunkt auf Raumwahrnehmung und insbesondere auf Klang und Akustik als architektonische Dimension?

00:19:35: Wie reagieren die Studierenden darauf?

00:19:38: In St.

00:19:38: Gallen mache ich das jetzt mittlerweile.

00:19:40: Ich habe das in Darmstadt angefangen, eben aus dieser, also ich habe in Darmstadt, zw.

00:19:46: zwölf angefangen zu unterrichten als wissenschaftlicher Mitarbeiter, also eigentlich parallel zu diesem Techno-Club-Projekt.

00:19:53: Und so hat sich eigentlich auch sozusagen Dieses im akademischen Bereich ist dann eigentlich mitgewachsen dieses Interesse und hat sich dann so ein bisschen auch verschränkt.

00:20:03: Und dann habe ich in Darmstadt angefangen, weil ich mir überlegt habe, wie kannst du das jetzt auch vielleicht im Sinne einer wissenschaftlichen Arbeit verarbeiten oder bearbeiten?

00:20:11: Und dann habe ich angefangen Soundworks zu machen mit Studierenden.

00:20:15: Das heißt, bin mit Gruppe von Studierenden mit verbundenen Augen durch Räume gegangen, die mich interessiert haben, architektonisch aber auch akustisch.

00:20:24: und habe so Protokolle entwickelt, um rauszufinden, wie reagieren die Leute oder die Studierenden oder die Probandinnen, kann man auch sagen, auf diese Räume akustisch, ohne dass sie wissen, wo sie sich eigentlich aufhalten.

00:20:38: Also nur durch das Hören.

00:20:40: Und das ist was, was ich jetzt in Sankt Gallen auch schon seit mehreren Jahren mache.

00:20:44: Und da machen wir das im ersten Semester.

00:20:45: Also eigentlich die allererste Veranstaltung, die die Studierenden machen mit uns.

00:20:51: Im ersten Semester ist dieser Soundwalk.

00:20:54: Und das machen wir mit Absicht so, weil wir eben gleich von Anfang an eigentlich da das Spektrum öffnen wollen, was eigentlich Architektur ist.

00:21:03: Und in St.

00:21:03: Gallen kommt die eigentlich alle mit einem handwerklichen Background, also ich habe mal eine Ausbildung gemacht zu was weiß ich, Bauzeichnerinnen.

00:21:11: Und sind so ein bisschen formatiert und auch einmal sollen die mit verbundenen Augen durch Räume gehen.

00:21:17: Und als erst mal ist es natürlich ganz konkret erst mal irritierend, weil man natürlich ohne das ohne das Sehen erstmal auf einen der Hauptwahrnehmungspunkte irgendwie verzichten muss.

00:21:29: Und das irritiert natürlich.

00:21:30: Und dann gibt es aber einen interessanten Schiff, so nach einer halben Stunde gibt es eben so einen Schiff zwischen Sehen und Hören.

00:21:36: Das heißt, die Wahrnehmung des Hörens... Man hört auf einmal den Raum viel besser, weil sich eben das Sehen ausblendet.

00:21:44: Und diesen Effekt finden alle schon sehr faszinierend.

00:21:47: Und das, was ich natürlich auch erreichen will, dass man eine Sensibilität entwickelt.

00:21:52: Also du führst das Protokoll dann und die Studierenden laufen?

00:21:55: Ne, die Füllen also.

00:21:56: ganz konkret gibt es immer Pärchen zwischen sehend und nicht sehend.

00:22:01: Also die Sehenden sind sozusagen die Kontrollgruppe.

00:22:04: Und das Protokoll ist eine Ansammlung von gegensätzlichen Begriffen.

00:22:08: Also kalt, warm, rau, glatt.

00:22:11: Sachen, die erst mal so ein bisschen Architektur fremd sind.

00:22:15: Das kann man dann ankreuzen?

00:22:16: Genau.

00:22:16: Und dann sage ich den Studierenden nicht lange nachdenken, sondern einfach ankreuzen, wie sich das anfühlt.

00:22:22: Der, der sehnt, ist für das Protokoll und fragt dann die Begriffe ab.

00:22:27: Aber die sollen nicht lange nachdenken, eigentlich ganz intuitiv.

00:22:30: Und die Sehnten machen das auch.

00:22:32: Und dann kann man das natürlich am Ende auswerten statistisch.

00:22:35: Dadurch, dass das immer eine relativ hohe Anzahl von Studierende ist.

00:22:39: Also in der Statistik spricht man so ab dreizig, vierzig Probanden von der Signifikanz sozusagen statistisch.

00:22:46: Und dann treffen natürlich ganz viele Begriffe, sind unsignifikant.

00:22:50: Aber dann gibt es aber trotzdem in manchen Räumen, wird es dann spannend, wenn dann alle sozusagen sehnt oder nicht sehnt, was weiß ich.

00:22:58: trocken ankreuzen oder alle sehenden trocken ankreuzen und alle nicht sehenden nass.

00:23:06: wenn das daraus resultiert welche Schlüsse ziehst du dann daraus?

00:23:09: das sozusagen irgendwas nicht stimmt mit dem raum

00:23:12: genau?

00:23:13: also es ist eigentlich gutes wording dafür.

00:23:15: das was nicht stimmt natürlich und dann fängt man an das ist ja erstmal nur eine signifikanz und jetzt muss man anfangen zu überlegen Woran liegt das eigentlich?

00:23:24: Also liegt das jetzt daran, an dem Nichtsehen sehen, wenn sich, wenn sich unterscheidet und dann fängt man an den Raum halt abzutasten und zu überlegen, liegt das jetzt daran, dass jetzt Momente sind, die man sieht, die einen dazu bewegen, das anzukreuzen, was weiß ich, Materialien oder Oberflächen, die, wenn man sie natürlich nicht sieht, eigentlich beeinflussen.

00:23:46: Und das ist dann eigentlich das Spannende, dann zu untersuchen, woran liegt das jetzt konkret, wenn es solche Signifikanzen gibt.

00:23:53: Das ist natürlich spekulativ, also das ist nicht evident dann, es ist dann eine Art von Interpretation.

00:24:01: Aber es ist erst mal spannend, dass es bei manchen Begriffsparen und bei manchen Räumen diese Signifikanzen gibt.

00:24:08: Und die entweder gleich sind oder als man kann sagen, dass Zehen und Nichts sehen sich ganz oft.

00:24:15: was ich auch schon mal faszinierend finde, weil es erstmal nicht naheliegend ist, finde ich.

00:24:20: Und dann gibt es aber eben bei manchen Räumen Unterschiede.

00:24:23: Ja, da bin ich auch noch dran, dass es auch eine wissenschaftliche Arbeit, also eine Dissertation, bin ich dran, dass so, also eigentlich diese Auswertung dieser, was stimmt mit den Räumen nicht, dass es eigentlich die Hauptarbeit, die da auch noch ansteht.

00:24:38: Ist es ja auch eine sehr stark handwerklich geprägte Ausbildung in St.

00:24:41: Gallen?

00:24:42: Ja.

00:24:43: Sind das zwei verschiedene Ebenen dann, Akustisch und Handwerk?

00:24:46: Nee, das Schöne am Ende an der Akustik ist, ja, das klingt immer so, das ist ja ein sehr weites, auch sehr abstraktes Feld, aber am Ende ist es sehr konkret.

00:24:54: Weil am Ende, wie ein Raum klingt, das kannst du auf ganz wenige, und das sind meistens ein konstruktive und räumliche Parameter zurückführen.

00:25:04: Das ist einfach die Dimension des Raumes, die Oberflächen, die Konstruktion und natürlich was in dem Raum stattfindet, also das Programm.

00:25:14: Und das finde ich das Faszinierte gerade eben, wenn man anfängt zu studieren, dass du eben über die Akustik ganz viel über Eichtig-Tour sprechen kannst.

00:25:22: Du kannst, wenn du dann sensibilisiert bist, du hörst ja, ob du in einem alten Haus bist oder einen neuen Haus.

00:25:28: Und umso mehr man sensibilisiert ist, kann man raushorchen.

00:25:32: Sind die Wände dick?

00:25:34: Ist es eine Holzkonstruktion?

00:25:36: Sind es Textile-Oberflächen?

00:25:37: Sind es... Habte ob also über alles was.

00:25:41: aber ganz konkret und das finde ich super spannend gerade wenn es um.

00:25:47: Es geht ja nicht nur um Analyse sondern natürlich auch im Entwurf und.

00:25:53: Das natürlich als Mittel einzusetzen zu enthäume zu entwerfen oder Raum abfolge.

00:25:58: im ersten Semester entwerfen wir Raumsequenzen und das hilft natürlich auch darüber nachzudenken über wie klingen Raum.

00:26:04: aus der Abstraktion rauszukommen.

00:26:05: Das klingt jetzt erstmal sehr widersprüchig, aber indem ich mir überlege, was hat denn ein Raum für Oberflächen?

00:26:11: Oder sind es Stoffe?

00:26:14: Oder bin ich auf einmal mitten in einem Aspekt, den man eigentlich relativ spät erst im Entwurf vielleicht tangiert?

00:26:23: Ja, wenn man jetzt auf der Karriere schaut, dann könnte man ja auch meinen, du bist jetzt eigentlich ganz gut ausgelastet mit Lehre und... Architektonischer Praxis.

00:26:31: Ihr habt erfolgreiche Projekte, die in den Medien sind, nominiert für Dammpreis und so weiter.

00:26:35: Also, da geht einiges.

00:26:37: Trotzdem bist du auch noch Filmmacher.

00:26:39: Du hast Film als Erweiterung der Architektonischen Praxis.

00:26:43: Seit twentyfünfzehn realisierst du gemeinsam mit Thomas Bayer Architekturdokumentarfilme darunter den Mehrfachpreis gekrönten Film Robin Hood Gardens über die gleichnamige Wohnsiedlung in London aus den frühen siebziger Jahren, die ihr kurz vor dem abriss, besucht und filmisch festgehalten habt.

00:27:03: Erst mal, warum hast du begonnen, mit dem Medium-Film zu arbeiten?

00:27:07: Und was ermöglicht dir der Film als Medium, was Architektur alleine nicht für dich leisten kann?

00:27:13: Erst mal, es ist für mich auch Architektur.

00:27:16: Also ich sehe das nicht getrennt, sondern für mich sind diese, also sind diese verschiedenen Zähren alles Architektur.

00:27:22: Also es ist deine architektonische Praxis, da gehört der Film

00:27:25: zu.

00:27:25: Das würde ich schön zu definieren, genau.

00:27:29: Genau, wir haben angefangen, wir haben eigentlich schon eher angefangen, weil der erste Film Bowling-Treff war das, Premiere, und eigentlich haben wir angefangen, das war gerade die Zeit, auch wo ich nach Leipzig zurückgegangen bin, wo ich mich mit dem Thomas Bayer, das ist mein Lebenspartner, angefangen habe darüber erst irgendwie nachzudenken.

00:27:50: Das war auch wieder so ein echt so ein fluider Prozess.

00:27:52: Also das war, ich habe nie gedacht, dass ich, also als ich durch mich studieren angefangen habe, dass ich mal Filme machen werde oder habe das auch nicht studiert und keine, kein akademischen Background irgendwie.

00:28:04: Das ist dann auch wieder so passiert mehr oder weniger.

00:28:07: Also einfach durch verschiedene Konstellationen und Interessen hat sich das so ergeben.

00:28:14: Aber natürlich die Konstellationen sind wichtig.

00:28:16: Thomas Bayer kommt aus einem Film journalistischen Background, ist Fernsehredakteur und so war einfach die Kombination.

00:28:27: Und das war ganz konkret mit diesem Bowling-Treff, das ist ein Leipzig.

00:28:30: Und mich hat das Haus interessiert, eigentlich noch aus einer freien Seminararbeit, die ich damals gemacht habe, um den Leipziger in den Stadtring.

00:28:38: Wie entstehen die Filme?

00:28:39: Wenn du sagst, ich hatte das Haus interessiert, das heißt ja nicht automatisch, dass man ein Film drüber macht.

00:28:44: Jetzt hast du natürlich einen Zugang dazu gehabt durch deinen Partner vielleicht.

00:28:47: und mich interessiert, wie habt ihr das gemacht?

00:28:51: Wie nähert ihr euch dem?

00:28:52: Vielleicht kannst du zum kurzen Einblick geben, wie man sich dem Haus dann nähert, auch vor allen Dingen aus der Sicht eines Architekten, der sich in dem Moment als Architekt ja dann zurücknimmt.

00:29:02: Und weil du auch sagst, es sind ähnliche Praktiken.

00:29:04: Es geht erst mal immer in den Filmen um Häuser.

00:29:06: Das ist so die Strategie, dass uns eigentlich ein Haus oder eine Architektur interessiert und die meistens in irgendeiner Art Kontrovers ist.

00:29:16: Bei den Bowling-Treffars damals einfach diese Geschichte von diesem Postmodern-Haus in der DDR, was uns oder mich erst mal im ersten Moment noch im Studium interessiert hat.

00:29:25: Wie kann das eigentlich sein?

00:29:26: Das ist ein konkretes Haus, was eben wie so ein... Amerikaner oder westlicher Palast mit in Leipzig steht.

00:29:32: Ich würde sagen, das kann man auch googeln, um so ein Bild von zu bekommen.

00:29:36: Das ist wirklich ein faszinierendes Haus.

00:29:37: Dass man sich das mal anschaut, da sieht man dann, was gemeint ist.

00:29:41: Aber erstmal eben eine Art von Faszination für einen Gebäude oder einen Raum zusammen mit einem, wie soll ich sagen, komplexen

00:29:50: gesellschaftlichen

00:29:51: Background.

00:29:52: Und unsere Strategie oder was uns interessiert, ist eigentlich fast ein archäologischer Ansatz, dass wir sagen, was kann man eigentlich?

00:30:00: Das ist das, was mich eher an Architektur am meisten fasziniert, die Vorstellung, wenn in zweitausend Jahren irgendjemand Archäologin oder Archäologen unsere Häuser ausgraben, was können die daraus für Rückschlüsse ziehen?

00:30:12: Und das ist eigentlich das, was wir mit den Filmen versuchen.

00:30:15: Wir nehmen eine Art Architektur und versuchen, die filmisch so zu entschlüsseln mit verschiedenen, eben mit ganz vielen Oral History, also, dass wir Leute befragen.

00:30:27: Was da passiert, wie kam es eigentlich dazu?

00:30:29: Das sind ja alles Sachen, die sieht man in dem Haus nicht.

00:30:33: Aber auch eben, dass wir uns dem Haus natürlich filmisch annähern, durch einfach Filmaufnahmen, ganz viel Archivarbeit.

00:30:41: Am Ende ist das Haus selber gar nicht mehr so wichtig, sondern eigentlich das, warum das so dort steht oder vielleicht im Falle der Robin Hood Garnes, die wurden ja dann abgerissen, auch nicht mehr dort steht.

00:30:51: Genau.

00:30:52: Ja, und dann haben wir angefangen, wenn man jetzt das konkret... Wie man jetzt so ein filmen macht das ist auch wieder also es ging natürlich nur.

00:31:01: das heißt nur aber der thomas bayer hat jetzt natürlich durch seinen job schon so ein background von Wie stellt man einen Antrag?

00:31:07: Was braucht man eigentlich für ein Team?

00:31:09: Wie tut man sich das Geld?

00:31:11: Am Ende geht es ja auch erst mal um Geld.

00:31:13: Das sind so die organisatorischen

00:31:14: Sachen.

00:31:15: Genau, organisatorischen Sachen.

00:31:16: Oder wie klietet man sowas?

00:31:17: Weil einen Film machen ist natürlich sowas.

00:31:19: Das sagt man schnell mal daher.

00:31:20: Aber am Ende muss man anfangen können.

00:31:23: Und dafür braucht man zum Beispiel ein gutes Konzept um Filmförderung.

00:31:26: Also wir haben immer mit Filmförderung gearbeitet.

00:31:28: Mal

00:31:28: jetzt davon ausgangen, man hat das Geld.

00:31:30: Ich meine jetzt wirklich den Film dann machen.

00:31:32: Bei der Architektur ist ja der Raum das Entscheidende.

00:31:35: Und darauf konzentrieren wir uns auf Raumwahrnehmung als Architekten und Architektin.

00:31:39: Worauf konzentriert man sich da beim Film?

00:31:40: Beim Film entsteht ja auch ein Raum.

00:31:42: Also eine Art von Bedeutungsraum von... Also alles, was in der Architektur ist, dass man sozusagen in einem Raum ist, der eine Komplexität hat und auch eine Bedeutung hat.

00:31:54: Wir sind ja nicht... Es gibt ja nicht den neutralen Raum.

00:31:58: Und so ist das auch bei einem Film.

00:32:00: Es gibt dann eine Art von, du kannst es ja runterbrechen auf, was weiß ich, heute da sind das Pixel.

00:32:06: Aber die haben einen, wenn man es zusammenschließt, einen Bedeutungsraum und eine Story und ein Narrativ.

00:32:12: Und das hat natürlich Architektur auch.

00:32:14: Also zumindest was mich interessiert.

00:32:16: Also die Geschichte, wie kommt es eigentlich zu einer Architektur und wie benutzt man die Architektur?

00:32:22: Und das kann man natürlich mit Filmen gut.

00:32:25: transportieren auch emotionen.

00:32:27: also architektur hat viel mit emotionen zu tun und das ist einfach.

00:32:31: und du kannst im film natürlich das alles wunderbar einfach durch die bewegung du kannst die akustik mit einbinden du kannst das eben das gelebte mit einbinden das leute erzählen wie sich das anfühlt dort zu sein oder dort gewohnt zu haben und die geschichten zu erzählen.

00:32:50: und für mich sind das auch räume die filme sind für mich auch räume.

00:32:53: Also es spannt sich ein Raum auf.

00:32:55: Das ist ja das Faszinieren, wenn man im Kino ist und auf einen Screencoat man ist ja drin in dem Moment.

00:33:00: Genauso wie wenn man, wie du jetzt auch den Raum hörst über den Kopfhörer, obwohl du nicht bei mir im Raum bist, bist du einfach über die Akustik mit drin und da spannen sich immer Räume auf.

00:33:14: Ja, also bei Kino denke ich oft, da ist vor allen Dingen auch so die Größe.

00:33:18: Ja.

00:33:19: Das, was einen in den Bann zieht, also gerade, wenn es auf Gesichter geht, die sind so gigantisch groß, dass man jede kleine Gefühlsregung so stark wahrnimmt, dass man sie quasi selber erlebt,

00:33:28: gefühlt.

00:33:29: Ja.

00:33:31: Und beim Räumelfilm.

00:33:33: Stell ich mir halt auf, dass man auch genau so diese Technik auch braucht, sich die Perspektive eben, also physische Perspektive, die Sichtweise, aus welchem Winkel filme ich rein, welchen Rahmen zeige ich und was begrenze ich, was weite ich.

00:33:47: Das sind ja auch so Entscheidungen, die man dann treffen muss.

00:33:50: Ja klar.

00:33:50: Also jetzt allein weg von den Menschen, die da drin sind, sondern der physische Raum, wie man denen im Bild transportiert.

00:33:56: Das

00:33:56: ist natürlich immer eine Herausforderung, weil man ja mit so einem kleinen... screen arbeitet und dann wenn es dann tatsächlich im kino läuft hat man natürlich fast diese eins zu eins effekt also die dimension im raum und das hat natürlich was faszinierend ist wenn man das erste mal wir machen dann immer so test screenings in einem leibziger kino wenn man dann das erste mal die räume sieht praktisch eins zu eins die man vorher gefilmt hat das ist natürlich eigentlich fast wir haben uns erst einmal auf einer baustelle ist und die räume anschaut genau

00:34:25: ja Ja, das glaube ich.

00:34:27: Also Bowling-Bahn und der über die Robin Hood-Garnens, die liefen ja beide auch international im Kino, ne?

00:34:33: Ja, also das ist natürlich Architekturfilm, ist das sehr, wie soll ich sagen, dankbar.

00:34:37: Es ist natürlich eine Nische auf der einen Seite.

00:34:41: Aber die Nische hat eine ziemlich große Community von Leuten, die niedrig-schwellig, also diese Dankbarkeit besteht eigentlich darin, dass... dass Leute das gerne sehen.

00:34:56: Also in anderen Genres, Dokumentarfilmen, so kann ja sein, du machst was und nie wird niemand sehen, weil es gar nicht, weil es gar nicht mehr interessiert.

00:35:07: Das ist bei den Architekturfilmen anders.

00:35:08: Also da gibt es eine große Community, die einfach sehr sich das gerne anschauen.

00:35:13: Es gibt eine Szene von Architekturfilmfestivals weltweit, die jedes Jahr der gleiche wie so ein Zirkus geht im September los in New York.

00:35:23: Und dann gibt's Mailand, London, Kopenhagen, so eine Reihe von Festivals.

00:35:29: Und ja, und wir haben das mit Bowling-Treff angefangen und uns dann bei diesen Festivals zu bewerben haben, wurden dann auch immer genommen.

00:35:38: Und das ist ganz super toll, weil man natürlich, das ist auch das Schöne am Filmemachen, dass man natürlich auf der einen Seite das der Prozess selber aber dann auch die Auswertung, dass man es ähnlich wie bei einem Haus, wo man dann das erste Mal die Leute, die zukünftigen Nutzerinnen das in Beschlag nehmen, dass man dann mit so einem Film auch in ganz viele, das versuchen wir auch immer, verschiedene Communities kommt, also auch weltweit.

00:36:04: Und das finde ich schon faszinierend, weil man ja davon ausgeht, heutzutage in der globalisierten Welt wird so ein Film gleich aufgenommen, aber es wird überall ganz anders diskutiert.

00:36:14: Also gerade so kontroversen Themen wie dann bei Robin Hood Garns, wo es dann eben um Abriss ging und soziale Themen und Nachhaltigkeit und diese ganzen ganz aktuellen Themen werden dann überall ganz anders diskutiert.

00:36:27: Und das ist natürlich total faszinierend, dann dabei zu sein.

00:36:30: Und dann lernt man auch ganz viel.

00:36:32: Und wenn man dann international das auswertet, geht wirklich auch so ein Kosmos auf.

00:36:39: Und das bringt mir persönlich auch ganz viel einfach um Sachen.

00:36:44: Ja, ganz anders sieht man dann auch anders danach.

00:36:47: Und das ist natürlich wieder dann noch ein Rückschluss auch auf die Architektur, das ist mal eine andere Sache.

00:36:52: Also im Fall der Robin Hood Garants war das ja eigentlich parallel zu diesem, das Projekt, was wir jetzt als letztes gemacht haben, diese Andreasgärten, diese Mehrgenerationen wohnen in Erfurt.

00:37:01: Also der haben das Haus und den Film parallel bearbeitet und dadurch gibt es natürlich da formal ganz viele, zumindest für mich persönlich, ganz viele Verschränkungen.

00:37:12: Beides hat davon ja anscheinend dann auch profitiert.

00:37:15: Also ihr habt ja auch für den Robin Hood Gardens in Mailand den Dokumentarfilmpreis gewonnen.

00:37:21: Ja.

00:37:22: Und das Projekt ist ja auch rauf und runter und auch auf der Dammnominierung.

00:37:26: Das waren glaube ich, die Nikke bekommen diesen BDA-Preis.

00:37:30: Das

00:37:30: heißt, diese beiden preisgekröten Projekte, diese parallel liefen total interessant.

00:37:35: Ich wollte auch fragen, du trittst in den Film nicht als Architekt auf.

00:37:40: Wie verändert deine Haltung im Gespräch dann mit den Protagonistinnen die Situation, wenn du nicht als Architekt auftrittst?

00:37:48: Genau, es ist ja eine bewusste Entscheidung.

00:37:50: Wie gesagt, wir haben, wer die Filme nicht kennt, das sind ziemlich viele, einfach Oral History, dann werden das ziemlich viele Gespräche mit Personen, meistens aus dem Architektur Background.

00:37:59: Und wir haben einfach die Erfahrung gemacht, wenn man als Architekt oder Architekt in so einem Gegenüber auch als ein Metier spricht, dann reden die einfach.

00:38:08: Also dann gibt es ein anderes Feedback.

00:38:11: Und was wir ja natürlich wollen von den Protagonistinnen ist, dass sie frei... uns eigentlich diese Innenerklärer-Erzählmodus kommen, eigentlich wie für Leyen.

00:38:23: Ja.

00:38:23: Du vertrittst sozusagen das Publikum.

00:38:25: Ich vertrete das Publikum, genau.

00:38:27: Damit

00:38:27: ihr nicht in einen Expertengespräch landet.

00:38:30: Ist natürlich ein bisschen schizophren.

00:38:31: Nee, ich verstehe das schon nicht.

00:38:33: Das ist, finde ich, als Interviewererin mache ich das auch.

00:38:36: Also natürlich nicht in einem Architektur-Podcast, aber man muss dann ja auch für die Leute fragen, die zuhören.

00:38:42: Genau.

00:38:43: Und bei unseren aktuellen Projektenversuch, also überlegen wir aber, ob wir das, also wir versuchen jetzt den Modus ein bisschen zu ändern auch von diesen sehr vielen Interviews, vielleicht das auch mehr dokumentarisch zu arbeiten und da überlegen wir auch, weil eigentlich unsere Rolle oder was wäre wir eigentlich im Film Sinn da vielleicht auch zu hinterfragen oder dass wir vielleicht selber auch irgendwie ein bisschen mit wahrgenommen werden als, also direkt, also als Protagonisten.

00:39:13: Aber das ist jetzt noch im Prozess.

00:39:15: Aber es ist so, zumindest, es ist jetzt schwierig, darüber zu sprechen, weil die Filme wer die nicht kennt, das so abstrakt.

00:39:20: Aber wie du schon sagst, in den bisher in diesen zwei Filmen, die wir gemacht haben, treten wir eigentlich nicht in Erscheinung.

00:39:28: Weder akustisch noch visuell.

00:39:33: Ja.

00:39:34: Ja, wie wichtig findest du es, dass sich sozusagen die Disziplinen öffnen, so allgemein auch für unsere Architekturpraxis?

00:39:42: Weil offensichtlich ist es ja eine Bereicherung, du profitierst selber sehr davon.

00:39:46: Würdest du das auch für allgemein an uns sagen, ja, lass uns allgemein öffnen und die Praxen miteinander viel mehr verschränken?

00:39:55: Das ist ein ziemlich komplexes Feld.

00:39:58: Für mich ist Architektur nicht nur das gebaute Haus, sondern eigentlich der Kosmos, der sich daraus ergibt.

00:40:03: Und jetzt sind wir ja auch, also gerade wenn es jetzt um Studierende geht, die jetzt gerade studieren, stellt sich ja aktuell immer mehr auch die Frage, was bauen wir denn überhaupt noch?

00:40:13: Die Diskussion dürfen wir überhaupt noch bauen und so.

00:40:15: Und das ist natürlich hochkartig, wie soll ich sagen, also wenn man davon ausgeht, dass man... Architektur studiert, um Häuser zu bauen, dann geht das natürlich irgendwie in eine schizofräne Richtung.

00:40:27: Und deshalb muss man sich zwangsläufig überlegen, was gibt es also, was ist Architektur noch alles?

00:40:34: Und das ist einfach klar, muss ich das öffnen.

00:40:38: Schon allein aus einer Notwendigkeit heraus, dass wir einfach nicht tausende Architektinnen immer jedes Jahr ausbilden können.

00:40:45: und für eigentlich ganz wenig Bedarf noch oder einfach oder wir müssen uns eigentlich zwingen dazu nicht mehr so viel zu bauen.

00:40:52: Und da müssen natürlich auch die Hochschulen, also an die Lehre oder wie sich Architektur an Hochschulen als Institutionen versteht auch natürlich auch vielleicht öffnen und viel mehr Wege auch öffnen, was man dann damit machen kann mit diesem Metier.

00:41:09: Genau.

00:41:10: Also die Praxis erlebt sozusagen ein Schiff in dieser Zeit.

00:41:13: Also definitiv brauchen wir ja noch Architektinnen und Architekten, aber die Lehre muss sich dem anpassen, was die in Zukunft tun müssen vor allen Dingen.

00:41:21: Ja, würde ich schon sagen, genau.

00:41:24: Und ja und ich nur persönlich, das kann man jetzt wie gesagt immer wieder nicht als Plaubhause nehmen, weil eben nicht jeder kann einfach anfangen Filme zu machen, obwohl ich es einfach jedem empfehlen kann, weil es doch auf der anderen Seite sehr niedrigschwellig ist, kann ich so aus meiner Erfahrung sagen.

00:41:42: Aber ich kann wirklich allen nur empfehlen, sich da ganz viel selber, auch für sich selber, wie soll ich das sagen, zu öffnen und ganz viele aus diesem Blumenstrauß, was eigentlich Architektur sein kann, ganz weit aufzuziehen, das fällt und sich eigentlich früh für Sachen zu interessieren und zu begeistern.

00:42:03: Offen und neugierig sein, das finde ich, kann man schon als Blaupause nehmen und auch sagen, genau das ist wichtig, dass man sich für Themen dann interessiert und dann auch darauf einlässt, wo sich auch einsetzt, vielleicht daran etwas machen zu können.

00:42:16: Natürlich sehr allgemein und das trifft natürlich für alle.

00:42:18: Es ist immer gut, sich für was zu interessieren, aber alleine aus meiner, wie ich auch studiert habe, dann wenn ich das jetzt nochmal zurück... spulen könnte, dann würde ich vielleicht schon versuchen, am Anfang mehr ein Fokus zu setzen auf bestimmte Sachen und mich mehr auf bestimmte Sachen zu konzentrieren.

00:42:37: Aber das ist natürlich schwierig, weil eben, weil man immer retrospektiv sieht, Sachen passieren ja oft auch einfach.

00:42:43: Aber eine Offenheit, das ist das, was eigentlich wichtig ist, glaube ich, eine Offenheit.

00:42:48: Ja.

00:42:50: Vielen Dank für das Interview, Adrian Dorschner.

00:42:52: Hat mir total Spaß gemacht.

00:42:54: Vielen Dank.

00:42:55: Das war Studium zu bauen, der Baunetzkampus Alumni Podcast präsentiert von Gira.

00:43:00: Wir freuen uns, wenn ihr beim nächsten Mal wieder rein hört

00:43:03: und

00:43:03: wenn ihr uns eine Bewertung da lasst.

00:43:05: Redaktion Katharina Lux und Sorana Radulescu.

00:43:09: Veröffentlichung Sorana Radulescu, Baunetzkampus, Moderation und Audioproduktion Ich, Kerstin Kunekat, Berlin,

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