#87 Campus Masters-Alumni: Große Riesen transformieren
Shownotes
Kilian Reuser studiert Architektur an der TU München und beschäftigt sich mit dem Weiterbauen großer Bestandsstrukturen. Ausgezeichnet bei den Campus Masters 2024 und nun selbst bald Teil der Jury sprechen wir mit ihm über Transformation statt Abriss, Perspektivwechsel – und die Verantwortung junger Architekt*innen im urbanen Wandel.
Host und Produktion: Kerstin Kuhnekath Redaktion und Text: Katharina Lux
Übersicht aller Folgen mit weiteren Infos & Bildern zu unseren Gästen: https://www.baunetz-campus.de/podcasts
Der BauNetz CAMPUS Alumni-Podcast wird unterstützt von GIRA.
Transkript anzeigen
00:00:00: Willkommen und seid gegrüßt zur siebenundachzigsten Episode von Studiertum zu Bauen, dem Baunetz Campus Alumnipodcast präsentiert von Gira.
00:00:08: Ich bin Kerstin Kuhnekath und mein heutiger Gast ist Kilian Reuser.
00:00:13: Los geht's!
00:00:14: Willkommen
00:00:14: im Baunetz Campus Alumnipodcast, Kilian Reuser.
00:00:18: Du studierst im Master-Architektur an der TU München und arbeitest als Junior-Planer im Bereich User-Centric Design & Consulting bei Drehs und Sommer.
00:00:34: Und mit deinen Kollegen, die nenne ich gleich noch, wenn wir über das Projekt sprechen, Stadtraum hybride den Baunetz Campus Masters Jahrespreis gewonnen und bist als Gewinner zwanzig-fünfundzwanzig Jurymitglied der Campus Masters.
00:00:48: Werbung.
00:00:49: Der Baunetz Campus Alumni Podcast wird unterstützt von Gira.
00:00:53: Das sind die mit den Schaltern.
00:00:54: Wenn es um Smart
00:00:55: Home und Smart Building oder ganz einfach um die richtigen Schalter und Steckdosen geht, ist Gira euer Ansprechpartner Nummer eins.
00:01:03: Eingesetzt werden bei Gira ausschließlich hochwertige Materialien wie Edelstahl, Bronze, Aluminium, Glas und Linolium Multiplex.
00:01:12: Hier findet ihr von der Eingangstür bis in jeden Raum eine übergreifende Produktvielfalt, die euer architektonisches Gesamt bestützt.
00:01:21: Und zwar in jedem Maßstab im Neubau und im Bestand.
00:01:24: Gira sorgt für effiziente und stylische Elektroinstallationen Made in Germany.
00:01:29: Schaut vorbei bei Gira persönlich oder im Netz auf gira.de.
00:01:34: Gira Smart Home Smart Building Smart Life.
00:01:37: Werbungende.
00:01:38: Werfen
00:01:38: wir erstmal einen Blick auf deinen Werdegang.
00:01:42: Du hast deinen Bachelor an der Bauhaus-Universität Weimar gemacht und studierst seit Jahrzehnte, Jahrzehnte im Master an der TU München, das ich eben gesagt habe, Architektur.
00:01:51: Wie hat dich der Wechsel erst mal zwischen diesen beiden Hochschulen und ihren unterschiedlichen Lehrkulturen geprägt?
00:01:58: Ich glaube, beide Universitäten sind im Kern gar nicht so verschieden, was die Ausrichtung der Lehrer angeht, aber von der Studienkultur unglaublich anders und irgendwie auch... prägend.
00:02:12: Also Weimar ist eine unglaublich kleine Stadt und die Universität ist unglaublich kondensiert.
00:02:19: Das heißt, man fängt mit, weiß ich, achtzig anderen oder sowas an zu studieren.
00:02:24: Es gibt unglaublich viele Aufnahmetests, um da reinzukommen.
00:02:27: Ich glaube, es war ein dreistoffiges Aufnahmeverfahren.
00:02:30: Und dementsprechend ist aber auch die Verbindung, also der Betreuungsschlüssel, unglaublich gut.
00:02:35: Das heißt, man hat in der Regel irgendwie... Weiß nicht, dreißig Studierende pro Semester bzw.
00:02:41: pro Kurs und dann sind meistens dann drei bis vier Lehrende dabei.
00:02:45: Das heißt, man ist doch recht gut betreut und man lernt dadurch unglaublich viel von Kommilitoninnen, von den Lehrenden und es ist ein sehr, sehr intensiver Austausch, der stattfindet und man profitiert auch sehr viel von der Studienkultur von so einer Kunsthochschule, weil Weimar ist von der Ausrichtung her eigentlich Architektur.
00:03:07: hat aber auch unglaublich viel Produktdesign, visuelle Kommunikation, unglaublich viele andere kreative Studiengänge, die auf dem Campus da auch ihr eigenes Ding machen, aber es gibt doch immer wieder so Schnittstellen.
00:03:18: Und man kennt sich auch untereinander, dadurch, dass die Stadt so klein ist.
00:03:21: Das heißt, man lebt in so einer kleinen kreativen Blase.
00:03:26: Das gibt es in München so nicht, muss man ehrlicherweise sagen, dafür ist die Stadt zu groß, dafür ist die Universität zu groß.
00:03:35: Hast du genau das gesucht?
00:03:39: Ich meine, ich muss ehrlicherweise sagen, der Weg nach Weimar, der mich von Hamburg dahin getragen hat, der war zufällig, würde ich jetzt sagen.
00:03:45: Ich habe mich einfach querbeet beworben und am Ende war es so ein bisschen so ein Sankost-Fallacy, nachdem man so viel investiert hatte schon irgendwie in diesen ganzen Bewerbungsprozess, dann hat man gesagt, so, komm.
00:03:57: Ich habe jetzt nach Braunschweig auch eine Bewerbung geschickt, beispielsweise, da kam dann direkt eine Zusage zurück, aber ohne Aufnahmetest und alles.
00:04:04: Und in Weimar, da ist man dann hingefahren, man hatte die Professoren, man kannte die Stadt dann.
00:04:08: und dann habe ich gesagt, jetzt gehe ich nach Weimar.
00:04:11: Ich bin da so ein bisschen unvorbereitet reingegangen.
00:04:13: Und letztendlich muss ich aber sagen, so in der Retrospektive ist es unglaublich bereichernder.
00:04:20: Anfang gewesen fürs Studium, weil ich glaube, wenn man in einer großen Stadt wie München anfängt zu studieren, dann geht so was viel verloren.
00:04:26: Es war einfach super, um so seinen Fuß zu fassen, so das erste Mal von zu Hause raus und dann hatte man so eine kleine Stadt und eine große kreative Bubble und dann konnte man so ein bisschen einfach Fuß fassen und groß werden und auch sich mit der Materie anfangen, so ein bisschen auseinanderzusetzen.
00:04:42: Man hatte da einfach, man wurde da so ein bisschen mehr in die Hand genommen, hatte ich das Gefühl.
00:04:46: So, das vergleich.
00:04:48: Und es war auch weniger technisch.
00:04:50: Und dann ergänzt du das jetzt sozusagen an der TU München?
00:04:56: Also Weimar ist von... Also ich finde, die Lehre unterscheidet sich nicht besonders gravieren.
00:05:02: Das liegt aber vielleicht auch daran, dass ich jetzt im Master sehr viel auch da reingegangen bin, was mich selber interessiert.
00:05:09: Weimar kann auch sehr technisch sein.
00:05:12: Ich glaube, der Ruf ist aber durchaus, dass es eigentlich eine Entwurfsuniversität ist und das habe ich auch selber so erlebt.
00:05:18: Das heißt, es wird mehr auf ästhetische Entwürfe geachtet als auf technische Umsetzbarkeit.
00:05:26: Die Technik wird natürlich gelehrt, es wird natürlich auch darauf geachtet, dass es realisierbare Entwürfe sind.
00:05:31: Das heißt, es sind keine großen Luftschlösser, die da entworfen werden, sondern es ist schon sehr konkret.
00:05:36: Aber es geht doch durchaus eher um die Ästhetik der Architektur als weniger um die Fügung des Fensterdetails.
00:05:47: Ja, verstehe.
00:05:49: Kommen wir mal zu deinen Nebentätigkeiten.
00:05:53: Neben dem Studium hast du früh zusätzliche Projekte und Stationen verfolgt, auch jenseits klassischer Studieformate.
00:06:00: Welche Rolle spielt für dich da die Eigeninitiative in deinen Werdegang oder für deinen Werdegang und wo war sie für dich besonders entscheidend?
00:06:12: Ich meine, es gibt so mehrere Formate, die ich neben der Universität besuchen konnte.
00:06:18: erst nach meinem Bachelor wirklich angefangen zu arbeiten.
00:06:22: Ich habe dann die klassischen Wege gemacht, nach der Bachelor-Thesis dann erstmal gleich ein Praktikum gemacht.
00:06:27: In dem Städteplanungsbüro in Hannover, das war... Sehr guter Einstieg und es war auch was anderes als die Architektur.
00:06:35: Es war sehr großstaubmädlich.
00:06:36: Es hat sehr viel Strategie angeht, vermittelt und die herangehensweise sehr viel Prozess, den ich da gelernt habe.
00:06:43: Und ich bin danach dann in großes Architekturbüro gewechselt in die Wettbewerbsabteilung zwischen Bachelor und Master für fast anderthalb Jahre und habe da Wettbewerbe gemacht.
00:06:53: Und das war ehrlicherweise eine der mit der lehrreichsesten Zeiten, die ich hatte, tatsächlich.
00:06:59: Und ich würde sie fast lehrreicher nennen als das Bachelorstudium davor.
00:07:02: Ich habe mehr über Architektur gelernt, mehr über das Entwerfen gelernt in diesen anderthalb Jahren als in den drei Jahren davor.
00:07:09: Und ich kann es eigentlich auch nur jedem ans Herz legen, nach einer guten Grundlagenlehre ziemlich schnell dann auch sowas zu lernen.
00:07:17: oder da reinzugehen, einfach weil es eine unglaublich großer Crashkurs für die Grundlagen ist.
00:07:23: Also für alles, für technische Grundlagen, für Prozesse, für Bauchvorschriften, für den Entwurf, wie er dann im echten Leben eigentlich abläuft, worauf man zu achten hat.
00:07:33: Und das führt auch zu so einer neuen Inspiration, weil man erst mal wirklich versteht, wie Architektur funktioniert in der echten Welt außerhalb der Universität.
00:07:44: Und wenn man diese Grundlagen und Grenzen endlich mal so ein bisschen verstanden hat, dann versteht man unglaublich viel, warum unsere gebaute Umwelt so aussieht, wie sie aussieht und wo man ansetzen muss, um Stellschrauben vielleicht neue Hebel zu haben oder Stellschrauben zu haben und vielleicht auch was zu verändern.
00:08:00: Um das Ganze dann noch abzurunden, was die Perspektiven angeht, hast du doch als Tutor an der Bauhausuniversität Weimar gearbeitet.
00:08:08: Wie verändert das Unterrichten den eigenen Blick auf das Entwerfen und auf die Rolle der Architekturvermittlung?
00:08:17: Man lernt schnell seine Grenzen kennen.
00:08:22: Inwiefern?
00:08:24: Es ist etwas anderes, selber zu entwerfen oder einen Entwurf zu bewerten.
00:08:31: Weil wenn man selbst entwirft, habe ich das Gefühl, man verlässt sich viel, also gerade wir in der Architektur verlassen uns sehr, sehr viel auf unsere Intuition.
00:08:40: und nutzen eigentlich so eine Post-Rationalisierung, um unsere Intuition am Ende zu beweisen.
00:08:46: Und das funktioniert nicht, wenn man versucht, etwas anderes objektiv zu bewerten.
00:08:52: Man kann vielleicht sagen, intuitiv, dass man es selbst so nicht gemacht hätte, aber das heißt ja nicht, dass es falsch wäre in dem Fall.
00:09:05: Da habe ich auch höchsten Respekt vor Professoren, die das schon sehr lange machen und da auch so eine Routine entwickelt haben, tatsächlich Entwürfe schnell zu begreifen und auch sehr konkretes Feedback zu geben, weil ich finde, das ist auch, was es am Ende so schwer macht, zu nicht zu sagen, ich hätte es jetzt nicht so gemacht, versuche es doch mal anders und die Person in die Richtung zu leiten, wo man selbst vielleicht hin möchte, sondern zu sagen, okay, ich erkenne euer Konzept und ich erkenne... Den Weg, den ihr einschlagen wollt und ich gebe euch jetzt konkretes Feedback, dass ihr diesen Weg weiter bestreiten könnt und dass der Weg am Ende zu einer sehr guten Lösung führt.
00:09:40: Ja, das ist dann sehr konstruktiv und nicht dieses bewährten Richtung, das ist gut, das ist schlecht.
00:09:45: Damit können Studierende ja herzlich wenig anfangen dann am Ende.
00:09:49: Genau.
00:09:49: Vor allen Dingen, weil Architektur ja auch so unglaublich subjektiv ist, gerade wenn es um die Gestaltung einer Fassade geht oder solche Sachen.
00:09:57: Ja.
00:09:57: Aber es ist natürlich auch interessant, wenn die Intuition Also auch die Studierenden machen das ja genauso, intuitiv entwerfen und im Nachhinein versuchen das zu rationalisieren und in irgendwelche, ja, also das als sinnvolles Erdachtes zu präsentieren.
00:10:13: Und da kommt ja die Architekturvermittlung wieder ins Spiel.
00:10:16: Wie sehr beeinflusst das dann die Bewertung?
00:10:19: Also meinst du jetzt die Architekturvermittlung im Sinne von, wie es mit der Öffentlichkeit kommuniziert wird oder wie es präsentiert wird, wie die Darstellung ist und solche Sachen.
00:10:27: Erst mal für dich als Lehren da, wenn da jemand vor dir steht, der oder die das präsentiert, beeinflusst das, wie die Person es präsentiert, deinen Blick auf das oder löst du dich komplett davon und versuchst einfach das zu sehen, was da ist.
00:10:40: Also welche Rolle spielt da diese Vermittlungsarbeit der Studierenden?
00:10:44: Man möchte ja immer sagen, dass wenn man die Expertise besitzt, dass wir durch gewisse Dinge hin durchschauen können, sagen wir mal das schöne Bild, das schöne Rendering, die unglaublich gut durch feinausdetaillierte, feine Strichzeichnungen oder solche Sachen.
00:11:02: Aber eigentlich müssten wir selbst als Gestaltner natürlich auch wissen, dass jegliche Form von Gestaltung auch eine Form von Kommunikation darstellt und jede Form von Kommunikation auch in Einfluss hat, ultimativ.
00:11:14: Und das ist auch Interessantes zu sehen jetzt im Berufsleben oder wenn man dann in Firmen arbeitet, wie sehr auch auf Präsentationen geachtet wird.
00:11:22: Also, dass Dinge immer gut ausgearbeitet werden müssen, wenn sie dann präsentiert werden sollen und so weiter und so fort.
00:11:29: Ich meine, es gibt auch, glaube ich, Lehrformate oder Lehrende, die sehr auf Prozess sind.
00:11:34: Ich habe jetzt ein paar Freunde, die an der ETH studieren, die erzählen, dass es da sehr, sehr auf Prozess ist.
00:11:38: Das heißt, es gibt keine... festgelegten Colloquium, sondern der Professor taucht auf einmal auf und taucht sozusagen mit in den Prozess ein.
00:11:46: Aber ich glaube, wenn es um Präsentation geht, hat alles, was drumrum ist, wie die Grafik gezeichnet ist, wie gut es gemacht ist, wie man auftritt, wie man sich präsentiert, wie man spricht, grundsätzlich immer einen Einfluss darauf.
00:11:58: Und ich glaube, die Kunst, es versuchen sich da so möglichst weit weg zu bewegen und sich wirklich nur auf die Architektur zu fokussieren.
00:12:05: Aber ich glaube, es ist auch... gewisserweise unmöglich.
00:12:09: Also außer in Wettbewerbsformaten, wo man dann wirklich nur die Nummer hat und dann vielleicht auch harte Fakten, also BGF-Zahlen, Nachhaltigkeitsberechnungen und solche Sachen.
00:12:20: Du hast also selber verschiedene Perspektiven kennengelernt und... Bist auch jemand, der Interdisziplinarität zu schätzen, weißt?
00:12:27: In den Jahren ist es ein Teil eines interdisziplinären Remote-Projekts an der Stanford University im Bereich Virtual Design and Construction.
00:12:37: Was hast du da gemacht?
00:12:38: Was hat diese Zusammenarbeit zwischen Architektur, Tragwerk, TGA und Construction Management bei dir ausgelöst?
00:12:46: Es ist unglaublich herausfordernd gewesen.
00:12:50: Und ich glaube, ich kann auch sehr klar erklären, warum.
00:12:53: Also, im Jahr zwanzig habe ich mich noch im Bachelor befunden.
00:12:55: Das war damals mein fünftes Semester.
00:12:58: Und ich bin in dieses Projekt mehr oder weniger durch Zufall reingerutscht.
00:13:02: Ich habe so eine gewisse Müdigkeit gehabt oder verspürt, so nach fünf Semestern Bachelor-Architekturen, wo immer wieder dasselbe zu machen.
00:13:12: Also immer wieder drei, weil mal sind es drei Projekte.
00:13:14: Das heißt, man hatte immer eine dreidreißig prozentige Chance, dass man dann auch das Projekt bekommt, wo man hin wollte.
00:13:21: Und ich wollte was anderes machen.
00:13:22: Und durch Zufall, in dem Fall war es meine Freundin, hat mir diesen Link geschickt zu dem Projekt und gesagt, komm bewirb dich doch mal, dann habe ich mich darauf beworben, einfach blind, ohne wirklich aber auch die Auslobung zu Ende gelesen zu haben von dieser Stelle, um dann im Bewerbungsgespräch zu fahren, dass das eigentlich ein Projekt ist, das sich ausschließlich an Masterstudien in den letzten zwei Semestern ihres Studiums richtet.
00:13:45: Warum auch immer bin ich aber letztendlich genommen worden dafür und durfte dann nach Stanford fliegen.
00:13:57: Und wie das läuft das ist eigentlich ein unglaublich spannendes Lehrformat.
00:14:01: das muss man vielleicht kurz erläutern.
00:14:02: es ist tatsächlich so, dass die Professorin Renate Fruchter in Stanford lädt im Rahmen dieses global.
00:14:10: Teamwork Project, wie das heißt, immer wieder pro Jahr.
00:14:14: Ich glaube, es sind dreißig Studierende weltweit ein.
00:14:18: Davon sind fünfzehn aus Stanford selbst und fünfzehn sind international.
00:14:24: Und die sind aus verschiedenen Disziplinen.
00:14:25: Das heißt, es ist Architektur, Traktur, Explanung, Technical Engineering, also Haustechnik und Construction Management.
00:14:32: Und die werden dann in sechser Gruppen zugeordnet.
00:14:35: In dem Fall waren es, glaube ich, fünf Teams und das setzt sich dann aus einem Architekten zusammen, zwei Trackworksplanern, einem Haustechniker und zwei Construction Engineers.
00:14:44: Und das Ziel ist es letztendlich nicht vor Ort zu sitzen, wie wir das im Studium haben, also diese Studiokultur zu forcieren, sondern man ist eine Woche in Standford, hat so einen Kickoff, dann bekommt jeder eine Virtual Reality-Brille in die Hand gedrückt und dann fliegt man wieder nach Hause und arbeitet über die Zeitzone hinweg.
00:15:03: digital zusammen an einem Gebäude, dass man dann gemeinschaftlich entwirft.
00:15:08: Das heißt, ihr habt dann die Brille auf und seid in einem Raum?
00:15:11: Naja, also die Idee ist nicht, dass man letztendlich, also man trifft sich digital, aber im Gebäude.
00:15:16: Das heißt, wir bauen ein digitales BIM-Modell und dann läuft man halt gemeinsam flittert durch.
00:15:21: Das heißt, die Professorin haben auch eine Virtual Reality-Brille.
00:15:23: Das heißt, der Rundgang, die Zwischenkritik ist im Gebäude selbst, also im digitalen Zwilling.
00:15:29: den man dann gebaut hat und dann wird vor Ort direkt bewertet und so weiter.
00:15:33: Und das ist, ich muss es ehrlicherweise sagen, es war unglaublich herausfordernd für mich, weil es nicht nur digitale Zusammenarbeit war über Zeitzone, was unglaublich viele Tücken mit sich bringt.
00:15:44: Aber es war auch, muss man ehrlicherweise sagen, es ist vielleicht auch gut, dass es sich an Masterstudien im letzten Jahr richtet, weil im fünften Semester hatte ich noch nicht viel Erfahrung mit interdisziplinärer Kommunikation geschweige denn mit dieser Struktur, die dahinter steht.
00:15:59: Und das ist unglaublich bereichern gewesen, natürlich auch zu verstehen, worauf die anderen Disziplinen eigentlich achten und wie man sich seine Ideen als Architekt verkaufen muss und vor allen Dingen, wie man die Disziplinen untereinander dann auch koordinieren kann, sodass man die Visionen, die man hat, für das Gebäude am Ende auch umsetzen kann.
00:16:17: Ja,
00:16:18: das klingt wirklich toll.
00:16:20: Also Interdisziplinarität zieht sich als Leitmotiv durch dein Studium und deine Projekte.
00:16:25: Wo siehst du heute die größten Reibungspunkte und die größten Potenziale zwischen den Disziplinen?
00:16:33: Ich arbeite jetzt gerade im Workplace Consulting.
00:16:37: Frühe Leistungsphase für Corporates und andere Büro.
00:16:42: Betreiber, und wenn man mit denen auf Workshops steht, ist natürlich eines der größten, oder mit denen auf Workshops spricht, ist eines der größten Dinge, die sie ansprechen, die sie sich für ihre eigenen Firmen wünschen, gerade für große Firmen, dass sie los aufgebrochen werden zwischen Abteilungen, dass es viel mehr interdisziplinäre Kommunikationen gibt.
00:17:02: Und das war damals auch ein sich durchziehendes Mantra für das Stanford-Projekt.
00:17:10: dass man immer versucht, diese Silos zu gut, es geht aufzubrechen, weil es ist nicht gegeben, dass, wenn man in Teams zusammenarbeitet, dass es tatsächlich diese Kommunikation gibt, diese interdisziplinäre Kommunikation, weil häufig ist es dann doch auch so, dass am Anfang des Projekts war es eben so, dass ich entworfen habe und die Tragesplaner darauf reagiert haben.
00:17:31: Das heißt, man saß nicht gemeinsam am Plan und hat das bestmögliche Versuch zu entwickeln, sondern es war immer Aktion, Reaktion.
00:17:38: Der eine macht was, der andere reagiert, der eine macht was, der andere reagiert.
00:17:41: Aber es gab diese Kommunikation nicht.
00:17:43: Und ich glaube...
00:17:44: Einnacheinander auch statt ein paralleles Arbeiteneinander.
00:17:47: Genau,
00:17:48: immer einnacheinander.
00:17:49: Und ich glaube, das ist somit der größte Reibungspunkt ab, seit es davon, dass wir verschiedene Fokuspunkte haben.
00:17:56: Worauf wir achten, wenn wir ein Gebäude betrachten.
00:17:59: Das kam... kann man schnell lernen, dass man versteht, dass ein Tragwechsplaner sehr viel auf Sicherheit achtet und dass er nicht den Blick hat für das Raumgefühl oder versucht irgendwie die mögliche Nutzungsschichtung zu erreichen oder die Funktionalität herzustellen, sondern das Ding muss halt stehen am Ende und es muss im Idealfall auch ein Erdbeben aushalten, kosten, was wolle.
00:18:19: In dem Fall war das jetzt in Stanford so.
00:18:21: Und das lernt man aber sehr schnell, aber ich glaube dieses, dass man schafft eine Kreativität zu forcieren zwischen den Disziplinen.
00:18:28: Also, dass es wirklich produktiver Austausch wird.
00:18:32: Also, dass es Silo wirklich gebrochen wird.
00:18:33: Ich glaube, das ist so mit der größte Reibungspunkte, weil das ist sehr, sehr schwer.
00:18:37: Weil wir lernen kreativ sein und die anderen nicht.
00:18:41: Wo ist mich gerade Frage wollen, sind die glücklich damit, dass sie jetzt plötzlich kreativ sein sollen oder vielleicht haben sie den Job ja auch gewählt, weil sie eben genau das so möchten zu reagieren und zu sagen, hey, da kommt jemand mit einem tollen Entwurf und ich möchte das jetzt umsetzen helfen.
00:18:57: Ich glaube, sie lernen das so im Studium wie wir auch.
00:19:02: Also ich erinnere mich noch daran, dass mein Baukonstruktionsprofessor, wenn man zu sagen pflegt, ich zeig ihn das jetzt mal, aber am Ende haben sie sowieso jemanden, der das für sie macht.
00:19:15: Die Einstellung kann ich nachvollziehen.
00:19:18: und ja, das ist natürlich auch so, weil die Gebäude heutzutage so unglaublich komplex geworden sind, dass wir... so viele Spezialisten brauchen, um diese Gebäude letztendlich auch zu errichten.
00:19:28: Aber ich finde, das ist eben auch genau der Ansatz dafür, dass man sagen sollte, okay, wir sollten diese interdisziplinären Kommunikation einfach mehr in den Vordergrund stellen, weil wir bessere Lösungen finden für die Herausforderung unserer Zeit, wenn wir alle an einen Tisch bringen und nicht mehr nur das eine nach dem anderen lösen.
00:19:47: Ja, weil, genau, sonst ist jeder in seiner eigenen kleinen Nische und versteht nichts vorm anderen auch.
00:19:54: Man muss ja auch ein bisschen von allem verstehen, sonst kann man auch nicht gut entwerfen.
00:19:59: Also,
00:20:00: das ist ja so.
00:20:01: Und ich glaube, wir Architekten müssen uns auch manchmal sehr mehr zu verstehen geben, weil ich habe manchmal das Gefühl, dass die anderen technischen Disziplinen mehr Berechtigung haben.
00:20:12: gegenüber der Öffentlichkeit, weil jeder versteht, was ein Tragwerksplaner tut, jeder versteht, was ein technischer Gebäudeausstatter tut, jeder versteht, was ein Bauingenieur tut, der Prozessabläufe für eine Baustelle plant.
00:20:25: Nicht viele Menschen verstehen, was Architekten eigentlich genau machen, außer eine schöne Fassade entwerfen.
00:20:32: Also wenigstens gibt es eine bestimmte Vorstellung in der Öffentlichkeit, kolportiert durch Filme oder Tatort oder Krimis, dass du dann so ein Genie hast.
00:20:41: Das ist noch ein bestimmtes Bild, aber wenn wir das verlassen sozusagen, dann wird es wirklich wichtig zu kommunizieren, was ein Architekt, ein Architekt, den tut.
00:20:50: Ja.
00:20:51: Komm wir mal wieder zurück zu dir.
00:20:54: Persönlich, du hast oder ein zentrales Thema deiner Arbeit ist der Umgang mit großmaßstäblichen Bestandsstrukturen der Nachkriegsmoderne, die sogenannten Scheinriesen.
00:21:05: Was fasziniert dich an diesen Gebäudetypologien, die viele eher als Problemfälle waren?
00:21:13: Die Scheinriesen, den Begriff sollte man vielleicht nochmal erläutern, der ist an der TUM aufgekommen in den letzten Jahren an der Professur von Marc Michaeli, an der ich jetzt viel machen durfte.
00:21:24: Und das kommt aus dem Buch Jim Knopf.
00:21:27: und die Idee des Scheinriesen ist, dass der ist eine Person.
00:21:32: Die unglaublich groß und gefährlich aussieht von außen, aber je näher man sich dem Riesen kommt, desto freundlicher wird er eigentlich am Ende.
00:21:42: So die Idee auch in dem Buch.
00:21:44: Und so geht es auch mit den Großstrukturen, weil die wirken unglaublich bedrohlich.
00:21:49: Sie sind riesige Komplexe, es sind eigentlich Quartiere, die irgendwo in die Stadt mal gesetzt wurden aus einem großen Fortschrittsoptimismus der Nachkriegszeit.
00:21:59: vielleicht auch die Idee neue Welten zu schaffen, neue, wie auch immer, Stadt in der Stadt und diese ganzen Sachen.
00:22:05: Und das ist eigentlich auch das Faszinierende, weil die Projekte sind natürlich zu einem Großteil alle gescheitert.
00:22:13: Und man versteht auch, warum sie vielleicht nicht so geliebt werden, aber sie sind ja doch irgendwo auch noch unglaublich identitätsstiftend, weil sie dann doch die Städte unglaublich geprägt haben.
00:22:27: Ich glaube, wenn man dann auf den Stadtraumübriden guckt, in Bremen zum Beispiel, das Kaufhaus mit irgendwie zehntausend Quadratmeter Erdgeschossfläche und dann über sechs Geschosse hinweg, das sind natürlich Größenordnungen, in denen man sich bewegt, wo man dann noch eher von Quartieren spricht oder von komplexen räumlichen Gefügen, die da entstehen, aber das ist unglaublich wichtig für diese Innenstadt, weil es das über die über sechszig, siebzig Jahre lang irgendwie geprägt hat.
00:22:53: Und so geht es mit den vielen Großstrukturen, die sind da, sie sind im kollektiven Gedächtnis verankert, sie sind vielleicht nicht geliebt, aber sie sind trotzdem wichtig und deswegen ist es faszinierend sich mit diesen... mit diesen Ideen zu beschäftigen, die damals verbaut worden sind und vielleicht auch aus einer eigentlichen entwerferischen Perspektive sind sie genau die Schnittstelle zwischen Architektur und Stadtplanung.
00:23:15: Weil sie sind zu klein, um Stadtquartiere zu sein, aber sie sind zu groß, um noch als Gebäude verstanden zu werden.
00:23:21: Das heißt, die fordern eigentlich das Denken aus beiden Disziplinen heraus.
00:23:25: Das heißt, man muss den strategischen Blick des Stadtplaners haben.
00:23:27: Man muss verstehen, wie Nutzungen in Räumen organisiert werden müssen, damit diese Großstrukturen wieder funktionieren.
00:23:34: Man muss aber auch konstruktiv einsteigen, in diese gigantischen Maschinen, die gebaut worden sind, um Möglichkeiten zu finden, um diese Räume in einer neuen Bedeutung zu zuweisen, um überhaupt Möglichkeiten zu sehen, wo man vielleicht etwas ergänzen kann, wo man etwas wegnehmen kann, wo man vielleicht im Stadtumfeld auch arbeiten muss, um dem Ganzen eine neue Bedeutung zuzuweisen, um sie letztendlich dann auch wieder attraktiv zu gestalten.
00:24:02: Ja, neue Bedeutung habt ihr und das habe ich eben schon angekündigt, dass wir nochmal zu dem Stadtraumhybrid kommen, mit dem Entwurf Stadtraumhybrid Typologie des Alltäglichen.
00:24:12: Hast du gemeinsam mit Stefan Gross und Florian Meisner, in den Campus Maas das Jahrespreis gewonnen?
00:24:21: Das ist auch eine Transformation eines ehemaligen Galeria Kaufhofs.
00:24:25: Der Entwurf beschreibt einen neuen Typus, sozialer Infrastruktur.
00:24:30: Und betreut wurde das Projekt, das möchte ich noch sagen, von Sebastian Klaviter, der auch schon hier im Podcast zu Gast war.
00:24:36: Was war denn die zentrale Fragestellung hinter diesem
00:24:39: Entwurf?
00:24:41: Die Fragestellung hat sich irgendwie, dieses organisch entwickelt.
00:24:45: Die Fragestellung war eigentlich primär, wie wir... in einem obsolet gewordenen Gebäude wieder ein Ort entwickeln können, der der Stadtgemeinschaft wieder zugute kommt.
00:24:56: Beziehungsweise sich auch vielleicht in die historische Bedeutung des Waren bzw.
00:25:02: Kaufhauses einreit, weil man darf eben nicht vergessen, dass diese Orte Ich will nicht sagen, dass die dritte Orte waren, so schwierig der Begriff auch sein mag, aber sie waren doch öffentliche Treffpunkte in der Stadt.
00:25:15: Und mit dem Verlust von diesen großen Anziehungspunkten in der Innenstadt stirbt natürlich auch nicht nur die Innenstadt, aber man verliert auch diese Orte, wo man sich gegenseitig sieht oder die Teil einer demokratischen Gesellschaft sind.
00:25:29: Und die Idee war so ein bisschen, wie können wir an... dieses Erbe anknüpfen und können eine soziale Infrastruktur entwickeln in diesem Gebäude, das aber natürlich nicht mehr Konsum getrieben ist, wie es im Kaufhaus der Fall war, sondern vielleicht auch so eine Idee von Aktivität, wie das den Menschen zurückgibt.
00:25:49: Also deswegen ist es in dem Gebäude auch so gedacht, dass verschiedene Nutzungen sich im Gebäude, also es ist eine komplexe Raummatrix geworden am Ende, einfach gegeben der Größe.
00:25:58: Ich habe das vorhin schon einmal kurz angesprochen.
00:26:00: Das Gebäude ist wirklich, wirklich groß.
00:26:03: Und wir überlegt haben, wie können wir Nutzungen in diesem großen Gebäude so schichten, dass sie sich gegenseitig auch wieder überlagern, bewusst so ein bisschen Reibung erzeugen, aber so dass man sich gegenseitig trifft, weil man miteinander sprechen muss, um das Gebäude auch so ein bisschen auszuhandeln.
00:26:20: Das war so ein bisschen die zentrale Fragestellung, die da durchgezogen ist und dann haben wir das Ding einfach von oben nach unten einmal durchgearbeitet und haben möglichst viele Raumpotenziale gefunden.
00:26:32: Ein öffentlicher Raum, der konsumfrei ist, kein gewerblicher Raum.
00:26:37: Das war die Idee.
00:26:38: Wie ein Park öffentlich, aber im Haus.
00:26:43: Ja, also man muss dazu sagen, Transformationsprojekte funktionieren nur, wenn man tatsächlich auch Dinge anbietet, die generisch sind.
00:26:51: Das muss man vielleicht einfach so festhalten.
00:26:53: Also es ist in der Regel nicht möglich, Gebäude zu transformieren, einfach aus Kosten gründen.
00:26:59: nur mit, sagen wir mal, gemeinwohlorientierten Nutzungen.
00:27:03: Das heißt, es muss auch Nutzungen geben, die eine gewisse, ich möchte nicht sagen, eine finanzielle Kraft auch mit sich bringen, um diese Projekte irgendwo tragfähig zu machen.
00:27:13: Was wäre das denn dann?
00:27:15: In Bremen hatten wir jetzt das Glück, dass das Gebäude der Stadt gehört.
00:27:18: Die hat das gekauft, ich will sagen, im fünfundzwanzig, nein, Anfang letzten Jahres, zwanzig, vierundzwanzig, hat die Stadt Bremen das Gebäude gekauft.
00:27:27: und möchte es jetzt nun entwickeln.
00:27:29: Und wir haben das zum Anlass genommen, tatsächlich die Stadt Bremen als Hauptmieter des Gebäudes auch zu benutzen.
00:27:35: Das heißt, wir haben Verwaltung integriert, wir haben die Stadtverwaltung integriert in das Gebäude, wir haben verschiedene generische Nutzungen angeboten, wie zum Beispiel Fitnessstudios wie Ärzterhäuser und verschiedene kleinere sozusagen... Funktionen, die in dieses, also in dieses Gefüge, diese Idee eines konsumfreien Raums ein bisschen gepasst haben, um nach Möglichkeit viel frei zu spielen, dann auch Fläche anzubieten, die eben bewusst unprogrammiert ist.
00:27:59: Das heißt, wir haben zum Teil programmierte Fläche, die trägt das Gebäude und dadurch erlauben wir uns, diese konsumfreien Orte anzubieten, diese nicht definierten Programme, wo dann Gemeinschaftsräume oder... VRS-Angebote und Angeboten werden können oder halt.
00:28:15: Was jetzt besonders ist für den Entwurf, wir haben so ein großes, wir nennen es das Stadtparter entwickelt.
00:28:20: Das ist ein großer Erdgeschossraum, zwei Geschosse, der zwei Platzstrukturen verbindet, die entstehen durch den Umbau.
00:28:28: Das heißt, es gibt auf der einen Seite Platz, auf der anderen Seite Platz und in der Mitte dieses große Stadtparter.
00:28:32: Das ist ein abschließbarer, zweigeschossiger Raum, der so ein bisschen als Wohnzimmer fungiert.
00:28:36: Aber wenn man den öffnet, dann hat man auf einmal eine große Linie, ein großes lineares Platzband, das aber durch das Gebäude durchläuft.
00:28:43: Das ist ein ganz neues Raumgefühl aufmacht in Bremen.
00:28:47: Also vom Raumprogramm erinnert mich das ein bisschen an die Bibliothek in Oslo, dass man Räume anbietet, in denen man verschiedenste Dinge eben tun kann.
00:28:56: Ja.
00:28:56: Also man muss dazu sagen, eine Hauptinspiration war das Buch täglich von Martina Baum.
00:29:01: Ja, an Martina Baum habe ich eben auch gedacht, die waren nämlich auch diejenige, die von einem öffentlichen Park, sprich nur eben als Haus, in einem Gebäude und die eben auch gesagt hat, das war der Staat in Stuttgart, war das zu heikel, weil man natürlich Angst hat vor Verfall und dass da dann irgendwie was weiß ich, was Stadt findet und Wanderlismus und so weiter.
00:29:21: Die Jury bezeichnete euer Projekt jedenfalls als möglichen Prototyp für viele deutsche Innenstädte.
00:29:27: Wo siehst du selbst die Übertragbarkeit?
00:29:29: Wir haben uns sehr gefreut über diesen Satz letztendlich.
00:29:33: Ich glaube, dass wir sehr kommen aus der ersten Runde, als wir den Jury-Price bekommen haben von Plan B. Und wir haben uns damals sehr gefreut und es war auch so ein bisschen, wir sind damals vielleicht auch nicht.
00:29:44: Das heißt, man tritt ja immer so an, wenn man so einen Wurf macht mit so einer etwas, ich will nicht sagen mit der Überheblichkeit, aber es ist doch durchaus der Wunsch gewesen, etwas zu schaffen.
00:29:53: Und ich glaube, das Prinzip, was wir entwickelt haben mit diesem Stadtraumhybriden, ist durchaus eines, das nicht eins zu eins übertragbar ist auf andere Indenstädte.
00:30:05: einfach weil man letztendlich sich immer nur anderen räumlichen Gegebenheiten wiederfindet in anderen strukturellen Gefügen, weil die Gebäude anders funktionieren, weil sie vielleicht im Kern einfach ein anderer Kontext ist, ein anderer Investor das Haus trägt und so weiter und so fort.
00:30:21: Aber ich glaube, dass das Grundprinzip räumlichen Gefüge zu entwickeln, die zum Teil der Gemeinschaft öffnen, dass sie niederschwellige Orte anbieten, dass sie wieder so ein bisschen Die Frage auch versuchen zu erörtern, wem gehört die Stadt eigentlich?
00:30:38: Also sich da zu hingehen, positionieren, dass es einfach auch diese besonderen Orte werden können.
00:30:44: Ich glaube, da steckt schon ein prototypercharakter drin, der auch so übertragbar ist, natürlich auch dann immer gegeben an den Ort.
00:30:52: Und ich glaube, das ist auch wichtig, das ist eine Erkenntnis daraus.
00:30:54: Transformation funktioniert nicht immer generisch, sondern man muss sich immer mit dem auseinandersetzen.
00:31:00: was man transformieren möchte.
00:31:02: Das heißt, es kann kein International Style of Transformation geben.
00:31:06: Es muss immer regional sein, was man letztendlich macht, damit es am Ende auch funktioniert.
00:31:12: Ja, interessant.
00:31:13: Danke für die Erläuterung.
00:31:15: Seit twenty-fünfundzwanzig arbeitest du bei Dresd und Sommer als Juniorplaner im Bereich User-Centric Design & Consulting und Sales & Strategy.
00:31:26: Was machst du dort genau und warum hast du dich bewusst für diesen Schritt außerhalb des klassischen Architekturbüros entschieden?
00:31:34: Wir ahnen es ja, weil, was?
00:31:39: Aber erzähl doch gerne.
00:31:41: Also, vielleicht eine kleine Prälude, die ich mir vielleicht dazu erlaube, drei Sätze zu Drehs und Sommer.
00:31:46: Drehs und Sommer ist ein Beratungsunternehmen, das unglaublich viel anbietet.
00:31:52: Das heißt, es bietet sowohl die Implementation als auch die Konzeption von Projekten an.
00:32:01: eigentlich alle Leistungsphasen hinweg und eigentlich alle Fachbereiche überhin weg.
00:32:08: Weil das erkläre ich nur deswegen bei Dresden Sommer jeder hat, wenn man mit Leuten spricht, eine persönliche Assoziation mit diesem Unternehmen einfach gegeben der Größe.
00:32:16: Und ich selbst bin gewechselt von damals von der Wettbewerbsabteilung bei Alman Wappner zu Dresden Sommer in die sogenannte UCS Abteilung, das heißt User-Centric Spaces.
00:32:29: Das heißt der Nutzer steht im Fokus und es geht vornehmlich um Design und Umsetzung von Interior.
00:32:36: Design und Workplace Konzepten, also Arbeitsplatzkonzepte.
00:32:41: Mein damaliger Teamleiter ist allerdings dann in dem Prozess, in dem ich in das Unternehmen eingestiegen bin, mehr und mehr in eine Sales-Rolle gewechselt, also in eine Vertriebsrolle, in der es um Akquisition von Projekten geht.
00:32:53: Und die Möglichkeit habe ich ergriffen und habe gesagt, ich mache damit.
00:32:58: Einfach, weil ich selbst dem Prozess unglaublich faszinierend finde, von Akquisition und vor allen Dingen auch, weil ich schon immer das Gefühl hatte, dass man auch bei Eman Wabner gelernt hat, sehr schnell.
00:33:11: Die echte Welt in der Architektur funktioniert nicht immer nur über die beste Idee, sondern es ist halt am Ende auch ein Geschäft.
00:33:17: und dieses Geschäft muss man verstehen, wenn man in dieser Welt irgendwo agieren möchte.
00:33:22: Und man möchte Leitplanken verstehen, man möchte verstehen, wer die Entscheidung trifft, man möchte verstehen, wie man ansprechen muss, wie man überzeugt und wie man letztendlich vielleicht auch ein Mehrwert schaffen kann.
00:33:32: dann in diesem Rahmen.
00:33:35: Und es geht auch über Akquise, die klassische Akquisearbeit von Architekturbüros hinaus.
00:33:40: deutlich.
00:33:41: Also während ein klassisches Architekturbüro zu dem Fall, in dem ich erlebt habe und auch in dem Büro, in dem ich arbeiten durfte, läuft die klassische Akquise häufig über die Inwurfsprojekte.
00:33:53: Das heißt, es werden Webwerber gemacht, es werden VGV Verfahren gemacht, es werden kooperative Mehrfachbeauftragungen gemacht, aber es ist meistens die Überzeugungsarbeit wird versucht zu leisten über die Idee.
00:34:06: Dadurch entsteht natürlich auch unglaublicher wirtschaftlicher Druck für die Unternehmen, weil sie letztendlich natürlich auch sehr viel in Vorleistung gehen müssen.
00:34:13: Also muss ich überlegen, einmal ein Wappner hat eine Wettbewerbsabteilung von nicht fast zwanzig Leuten.
00:34:18: Unglaublich talentierte Menschen.
00:34:22: Aber die arbeiten ja in dem Sinne für... sozusagen für die Akquisition ausschließlich.
00:34:27: Das heißt, die entwickeln Ideen, um letztendlich Aufträge für das Büro zu generieren.
00:34:31: Natürlich auch Diskursobjekte über Wettbewerbe sind natürlich auch immer Diskursobjekte.
00:34:35: Aber das ist bei Dresden und Sommer eben nicht so.
00:34:37: Das heißt, es wird in der Regel nicht in Vorleistung gegangen, sondern es wird eine Direktansprache an den Kunden gemacht.
00:34:42: Und man entwickelt gemeinsam mit dem Kunden am Ende letztendlich das Aufgabenbild, für das dann das Angebot gestellt wird.
00:34:49: Und dementsprechend ist es schon sehr, sehr interessant und sehr lehrreich.
00:34:52: weil es einfach anders ist.
00:34:55: Dann bist du wirklich sehr breit gefächert, ausgebildet am Ende nach Studium und den verschiedenen Einblicken oder verschiedenen Tätigkeiten, die du machst.
00:35:03: Deine aktuelle Masterarbeit untersucht die Transformation eines siebziger Jahre Großbüro Komplexes in Ludwigsburg.
00:35:11: Welche Fragen aus der Praxis fließen direkt in diese Arbeit ein?
00:35:17: Das Wissen das gesammelte kollektive wissen was ich über die jahre im studium in der arbeit angelassen hat das fließt natürlich alles mit ein die fähigkeiten die ich habe.
00:35:25: aber letztendlich startet jedes projekt irgendwie wieder neu und jetzt habe ich das gefühl das ist eigentlich nur die fragen sind die wir in brem auch wieder erörtert haben die jetzt nur neu und anders gestellt werden.
00:35:39: das heißt es geht jetzt wiederum nur darum wie schaffen wir ein projekt das sowohl In dem Fall ist es nämlich die Betreiberstruktur ist anders, also es ist in dem Fall nicht die Stadt, sondern es ist ein privater Bauherr, dem dieser Komplex gehört.
00:35:54: Und wie schaffen wir es etwas anzubieten, dass letztendlich der Stadt Ludwigsburg einen Mehrwert bringt, aber eben auch dem Betreiber einen vielleicht ökonomischen Mehrwert gibt und wie wir letztendlich schaffen, die Transformation ermöglichen, indem wir beide Seiten überzeugen können.
00:36:12: Das heißt, es sind dieselben Fragen nur anders formuliert und in dem Sprich anders gestellt, um wieder das regional aufzuarbeiten, um damit eine Transformation zu ermöglichen.
00:36:23: In dem Fall geht es auch sehr viel um Wohnungsbau.
00:36:25: Das war in Bremen zum Beispiel kein Thema, weil dieses Areal hat zwei Komma zwei Hektar und der aktuelle Plan ist es dort Wohnungsbau zu entwickeln.
00:36:36: Die Frage ist eben, reicht es den Wohnungsbau nur zu entwickeln, weil der wird prinzipiell auch eher über den Neubau hergestellt werden müssen als über die Transformation.
00:36:46: Und es geht jetzt einfach darum auszuloten, wie können wir das schaffen, ohne auf den Neubau uns komplett zu verlassen, sondern wie können wir die Transformation in die Wege leiten und beide Seiten irgendwie zu einem Kompromiss überzeugen?
00:37:01: Ja.
00:37:03: Ja.
00:37:03: Spannend.
00:37:04: Also, da hat man ja jedes Mal, wenn man so etwas angeht, wieder komplett neue Fragen und neue Antworten zu geben.
00:37:17: ...Wie liest du heute studentische Entwürfe?
00:37:20: Und was wünschst du dir von der nächsten Generation von Architektinnen?
00:37:23: Und das ist die letzte Frage.
00:37:26: Ich studentische Entwürfe lese.
00:37:29: Du musst dich ja als Jurymitglied an, das vielleicht ist, ja, ein bisschen anders als in der Lehre, schätze ich mal, oder?
00:37:36: Der fundamentale Unterschied dabei ist, dass man nicht in die Dialog mit den Schaffenden treten kann.
00:37:42: Das heißt, letztendlich funktioniert die Kommunikation ausschließlich über das, was eingereicht worden ist und über die Zeichnung.
00:37:50: Ich glaube in dem Fall dann natürlich auch anonym.
00:37:52: Und ich glaube, dass die größte Herausforderung, wie gesagt, sein wird sich über subjektive Präferenzen hinwegzusetzen, also die Vorliebe für einen gewissen grafischen Stil oder die Vorliebe für eine Art des Modells oder für einige in Wisse entwurfliche Sprache und tatsächlich zu verstehen, was der Kern des Konzepts eigentlich ist und warum es dann am Ende auch besonders sein wird.
00:38:19: Was ich mir allerdings selbst persönlich dabei erhoffe ist... einfach auch große viel Inspiration vor allen Dingen auch wieder sammeln zu können, weil mit so einer großen Masse an unglaublich gut ausgearbeiteten Arbeiten konfrontiert zu sein.
00:38:31: Das ist natürlich irgendwo eine Herausforderung.
00:38:33: Man trägt auch selbst Verantwortung, aber es ist natürlich unglaublich inspirierend, weil es ja letztendlich auch bereits ausgezeichnete Abschlussarbeiten sind.
00:38:43: Das heißt, die Qualität wird natürlich wieder überragend sein.
00:38:46: Und letztendlich gab es noch einen zweiten Teil zu der Frage.
00:38:50: Was wünschst du dir von der nächsten Generation von ArchitektInnen?
00:38:54: Also ich glaube, wo ich das Gefühl habe, die Reise auch hingeht und was ich mir persönlich wünsche, ist, dass wir wieder mehr kooperativ denken.
00:39:07: Das heißt, weg von dieser Idee kommen, was wir vorhin schon mal angesprochen haben, von dem Howard Stark, glaube ich, vom Fountainhead von Ayn Rand, also diesem Genie kommen, diesem wärmerischen Genie.
00:39:20: und dass wir uns als Architekten unserer unglaublichen kreativen Kraft bewusst werden, aber dass wir wieder rausgehen und miteinander kollaborieren und auch uns auch vielleicht von der Idee des Architekten als Enwerveristogenie ein bisschen verabschieden, weil wir als Disziplin unglaublich viel zu bieten haben.
00:39:39: Also allein den klassischen Architektenweg, der ist schon so unglaublich vielseitig, wie man vielleicht auch einmal im einen Werdegang schon sehen kann.
00:39:48: der ja auch sich dem klassischen Architektenbild in dem Sinne verweigert, aber irgendwo auch gar nicht, weil ich liebe das Entwerfen und ich liebe die Arbeit mit der Architektur.
00:39:58: Und ich glaube, das wäre sehr schön, wenn wir uns da wieder gemeinsam irgendwie den Zukunftsfragen widmen könnten und einfach gemeinsam denken, weil es macht auch einfach Spaß.
00:40:12: Klavita hat, glaube ich, sagt immer Sebastian Klavita und mit dem Ampers End, weil er sagt, er arbeitet lieber mit anderen Menschen zusammen.
00:40:20: Und mir geht es eben genauso.
00:40:22: Und das alleine zu sitzen und über Transparenzpapier zu sitzen, das hat seine Berechtigung, aber es macht einfach um wesentlich weniger Spaß, als zu dritt über einem Transparenzpapier zu sitzen und tolle Ideen zu entwickeln und vielleicht ein Teil für die Zukunft beizutragen.
00:40:39: Super, also weniger kompetitiv, sondern kooperativ.
00:40:44: Ja, ich wünsche dir alles Gute für die Masterarbeit und vielen Dank für das Interview Kylian Reuser.
00:40:50: Vielen Dank.
00:40:51: Das war Studiertum zu Bauen.
00:40:53: Der Baunitz-Kampusallung, die Podcast präsentiert von Gira.
00:40:57: Vielleicht noch
00:40:57: kurz zur theoretischen Referenz, die im Gespräch gefallen ist.
00:41:01: Das
00:41:02: Buch Täglich von Martina Baum, das Kylian Reuser als Grundlage des Entwurfs benennt.
00:41:09: liefert drei wichtige Stichworte für den Entwurf.
00:41:12: Statt als Ort der Vielfalt, Raum als wandelbare Alltagsort und Architektur als offenes, hybrides Gefüge.
00:41:21: Inspiriert von Baumskonzept verstehen die Studierenden den Kaufhof als Ort Obaner Vielfalt und als Polyvalenten Alltagsort.
00:41:30: also offen für Austausch, Bildung und wechselnde Nutzung, jenseits von Konsum.
00:41:36: Architektur wird dabei nicht als fertiges Objekt gedacht, sondern als offenes, hybrides Gefüge, das im täglichen Gebrauch immer wieder neu entsteht.
00:41:47: Wir freuen uns, wenn ihr beim nächsten Mal wieder rein hört und wenn ihr uns eine Bewertung da lasst.
00:41:53: Redaktion und Veröffentlichung, Katharina Lux, Baunetzkampus, Moderation und Audio-Produktion, ich, Kerstin Kunekath.
00:42:00: Berlin.
Neuer Kommentar