#98 Künstler am Esstisch: Weshalb ist ein Croissant krumm? - Martin Hablesreiter

Shownotes

Ein japanischer Kollege fragt im Büro, was das für ein komisches Brot sei, das er bei der Hochzeit seines Bruders bekommen habe. Es ist eine Hostie – und Martin Hablesreiter, katholisch erzogen, kann sie plötzlich nicht mehr erklären. Solche Momente werden zur Methode.

Martin führt seit 2003 mit Sonja Stummerer honey & bunny in Wien – vormals Architekturbüro, heute eine Praxis zwischen Architektur, Performance und Publikation. Geprägt von Hans Hollein und Arata Isozaki haben die beiden die Disziplin Food Design mitbegründet und nutzen Esstischregeln, um Hierarchien zu zerlegen und Debatten zu öffnen – von Wiener Stadterweiterungsgebieten bis ins Bergdorf.

Eine philosophische Folge über Essen, Fürsorge, Regelbruch, Demokratie, Humor – und den Zweifel als Menschenrecht.

Teaserbild: Martin Hablesreiter, Foto: Ulrike Köb Host und Produktion: Kerstin Kuhnekath Redaktion und Text: Katharina Lux

Übersicht aller Folgen mit weiteren Infos & Bildern zu unseren Gästen: https://www.baunetz-campus.de/podcasts

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Transkript anzeigen

00:00:00: Willkommen und seid gegrüßt zur Achtundneunzigsten Episode von Studiertum zu Bauen, dem Bauernetz-Kampus Alumnipodcast präsentiert von Gira.

00:00:08: Ich bin Kerstin Kunekatz und mein heutiger Gast ist Martin Haplesreiter.

00:00:12: Los geht's!

00:00:13: Herzlich willkommen im Bauernitz-Kampfus Aluminipod Cast Martin Haplessreiter.

00:00:17: du bist Architekt Künstler, im besonderen Eatart-Künstler.

00:00:22: Darüber sprechen wir auch gleich was das ist Autor und Mitbegründer von Honey & Bunny dass du gemeinsam mit Sonja Stumacher gegründet hast Und Du bist MitbeGründer der Disziplin Food Design.

00:00:35: Ihr seid international vor allem für interaktive Eat Art Performances und Ausstellungen bekannt, die sich kritisch und humorvoll mit Esskultur- und Ressourcenverbrauch aber auch weiteren Themen auseinandersetzen.

00:00:48: Also auch gesellschaftskritischen Themen.

00:00:51: Fangen wir mal bei deinem Studium an!

00:00:53: Du hast in Wien bei Hans Hollein Architektur studiert und danach ein Jahr bei Arata Isosaki in Tokio gearbeitet.

00:01:05: Wie hat sich diese Zeit geprägt?

00:01:07: Insbesondere die Zeit in Japan, wie hast du oder was hast du dort über Architektor gelernt?

00:01:14: Also der Studium war schon sehr prägend für uns.

00:01:17: Uns heißt Sonne und mich – wir haben beide diese Tour gemacht!

00:01:22: Und einerseits hat uns Hohelein weil er einen sehr offenen Zugang zur Architektur hatte und von uns auch verlangte, dass wir uns sehr intensiv mit viel Kunstformen, mit Literaturen so weiter beschäftigen.

00:01:39: Weil er von uns verlangt hat, das wir in Wien uns sehr genau mit der Szene außerhalb der Architektor auch beschäftigen sollen.

00:01:47: Das hat sicher sehr viel gebracht!

00:01:49: Und auch weil er von von sehr früh weg, sozusagen Architektur denken.

00:01:57: Also er hat uns nicht gesagt machts ein Wohnbau an der Stelle mit sechs Geschossen oder so sondern das Thema war einfach Wohnbauer was bedeutet halt sucht ihren Bauplatz überlegte ob du überhaupt Wohnbaum machen willst oder etwas anderes.

00:02:10: am Ende soll nur etwas raus kommen zum wohnen und alles andere mussten wir selbst recherchieren und das war schon sehr wichtig dass Research, research, research als Basis allen kreativen Schaffens dient und dann vielleicht auch noch don't give a fuck.

00:02:29: Typisch hin auf dem E. das war sehr wichtig und Japan hat uns unglaublich geprägt weil dass eine Kultur ist die sehr vieles anders macht als wir das tun inklusive der Architektur.

00:02:44: also man hat uns sehr schnell erklärt Der Zugang zur Architektur, also der grundsätzliche Zugang wie Raum verstanden wird in Japan anders ist und zwar diametral anders.

00:02:55: Und andererseits haben uns unsere Kolleginnen und Kollegen unglaublich herausgefordert weil sie uns ständig gefragt haben warum wir in Europa die Dinge so machen und nicht anders?

00:03:06: Und wir das in ganz vielen Fällen nicht beantworten konnten.

00:03:09: Kannst du einmal kurz sagen was konkret anders ist?

00:03:12: vielleicht an einem Beispiel

00:03:15: Naja anders ist.

00:03:17: europäische Architektinnen den Raum normalerweise über die vertikale denken und nicht über die horizontale.

00:03:25: Und die Ebene ist in der japanischen Denkweise für das Architektor schaffen viel bedeutsamer, genauso wie wir den Raum eher zentral denken.

00:03:34: also wir denken eher vom Zentrum aus wenn wir einen Raum entwickeln und in Japan ist das umgekehrt.

00:03:40: da steht die Ecke im Vordergrund Also dieser Übergang von horizontal auf vertikaler oder wenn es keine Vertikale gibt, was in Japan ja sehr offen der Fall ist.

00:03:49: Aber dieser Übergang sozusagen von einem zum anderen und das ist ja bei uns in Europa relativ mager ausgebildet.

00:03:56: und dann was sozusagen das Kulturelle betrifft ich hätte das so meine Lieblingsgeschichte als ein Kollege ins Büro kam und gefragt hat was wird denn da in der Kirche essen?

00:04:10: Er war das erste Mal am Wochenende in einer Kirche bei der Hochzeit seines Bruders und er hat ein Stück irgendwas gekriegt und in den Mund gesteckt bekommen.

00:04:17: Und er wusste nicht, was das ist?

00:04:18: Und ich habe gesagt, das ist Brot!

00:04:20: Das meinte er, dass es sicher kein Brot wäre.

00:04:22: Er hat schon Brot gegessen und das ist etwas ganz anderes und das schaut weder aus wie Brot noch schmeckt's wie Brott.

00:04:28: Was ist das

00:04:28: jetzt?!

00:04:30: Ich hab dann so dahin gestoht... Wir nennen das Hostier usw.. Und dann fängt der an.

00:04:36: und warum ist das rund?

00:04:38: Warum ist es weiß, warum ist es so groß?

00:04:42: Ich hatte keine Ahnung.

00:04:43: Ich bin aber katholisch erzogen.

00:04:45: Also ich war sogar Ministrant sechs Jahre lang als Kind.

00:04:51: Man nimmt die Dinge halt wie sie sind!

00:04:53: Ja

00:04:53: man nimmt die Dinger wie Sie sind.

00:04:55: und Sie haben uns auch gefragt, wie heidet sich das aus in Wien, dass ihr nur in so alten Häusern wohnst.

00:05:00: Das ist ja total bescheuert.

00:05:02: als Idee Und ich fand das aber unglaublich erfrischend, dass man ständig die Kultur hinterfragt und nachdem das ja von Hohlein schon fundamentiert war, dass wir alles immer hinterfragen müssen.

00:05:15: Und dass Kultur ja Menschen gemacht ist und deshalb auch ständig veränderbar.

00:05:21: wenn man denn nur darauf kommt was dann die Phänomene einer Kulturtechnik sind oder die Systeme hinter einer Kulturechnik Dann kann man da etwas tun.

00:05:32: Und das haben die Japaner dann natürlich verschärft.

00:05:34: und da kam auch dazu, dass wir in Japan gelernt haben, dass nichts peinlich ist.

00:05:42: Wir waren nur peinlig die ganze Zeit!

00:05:44: Also ich bin in jedes Fettenäpfchen gesprungen, beidbeinig und euphorisch, was sich vor mir aufgetan

00:05:50: hat.

00:05:52: Ah, das ist interessant... Ich war noch nie in Japan aber ich dachte, da muss man wirklich sehr doll aufpassen, was man tut und die Regeln gut kennen.

00:06:01: Sonst steht man doch doof da?

00:06:03: Nein, überhaupt nicht.

00:06:06: Also zumindest unsere Europäerinnen gegenüber sind ja Japanerinnen unglaublich tolerant und wenn man ganz im Gegenteil also Wenn man versucht sich auf die japanische Kultur einzulassen, dann finden sie das ganz toll.

00:06:21: Und wir haben seit damals Freunde, die wird man sozusagen nicht mehr los und das ist total super dass wir wirklich immer noch so einen Zugang zu japanischen Kultur haben.

00:06:33: natürlich hat die japonische Kultur auch ihre Schwächen.

00:06:40: Aus unserer Perspektive war das toll und je weniger wir aufgepasst haben, und je mehr Blödsinn wir unabsichtlich gemacht haben, desto mehr Spaß hatten wir auch mit denen.

00:06:51: Okay also die Wurzel ist sozusagen Holline Don't give a fuck!

00:06:55: Und Japan, die Hostie... Da wars schon mal die Saat gesät.

00:07:00: aber bevor ihr Honey Bunny gegründet habt, habt ihr ja schon auch Architektur gemacht?

00:07:06: Erstmal noch.

00:07:07: Also, da war sozusagen schon noch dieses Wir werden Architekt innen.

00:07:11: Waren erst mal noch da?

00:07:12: Was habt ihr gebaut?

00:07:14: Ja natürlich!

00:07:15: Wir waren ja dazu ausgebildet oder wir wurden dazu ausgebildet Star-Architekte nicht zu werden.

00:07:20: Das war auch unser Lebensziel an der Uni und ich musste zuerst den Englern studieren um draufzukommen dass ich dafür viel zu wenig finanziellen Background habe um Star-architekt zu werden das ich hätte mir das nie leisten können.

00:07:36: fünfzehn Jahre gratis zuerst in irgendwelchen Stabbüros zu arbeiten und dann noch einmal fünfzehne Jahre graties Wettbewerb zu machen, die ich alle verliere.

00:07:46: Also das ist ein bisschen übertreben formuliert.

00:07:48: aber ja wir hatten das Ziel Architektinnen zu werden.

00:07:54: Wir haben auch das Büro.

00:07:55: Hani Antpani war ursprünglich eine Architektorbüro dass wir in Wien gegründet haben.

00:08:00: Aber lustigerweise hat Isosaki kurz bevor wir zurückgegangen sind zu uns gesagt Er wusste ja, dass wir uns fürs Essen interessieren.

00:08:09: Ich muss das auch noch ganz kurz erklären... ...das er der Meinung ist, dass nach neunzehntfünfundvierzig die größte Aufgabe der Creative Industries die Neuentwicklung und diskursive Neuerschaffung von Behausungen ist also in jeglicher Form.

00:08:25: Und er war aber der Meinung, dass diese Notwendigkeit Behausung neu zu definieren, dass die nicht an einen Ende gekommen ist aber das diese Debatte nicht mehr so wichtig ist.

00:08:42: Das aber das größte Thema, das auf die kreativen Menschen-Künstlerarchitektinnen und DesignerInnen usw.

00:08:49: dazu kommen wird, dass es die Frage ist wie man acht bis zehn Milliarden Menschen fair gesund nachhaltig ernährt?

00:08:57: Und ich habe das am Anfang irgendwie nicht ganz wahrgenommen.

00:09:01: sozusagen ist das erst viel später klar geworden, was das bedeutet.

00:09:07: Und es war vielleicht ein Grundstein der schon aus der architektonischen Praxis herausgelegt wurde.

00:09:13: und dann haben wir das Büro in Wien eröffnet, haben zwei Dachboden aus Bauten gebaut, haben ein paar Entwürfe für Häuser gemacht.

00:09:27: Es hat aber schon im Jahr zwei Tausend Fünf das erste Buch von uns gegeben, namens Food Design.

00:09:31: Also wir sehen ja keine Gourmets oder so was.

00:09:33: also das Essen interessiert uns ja nicht sozusagen im klassisch bürgerlich abgehobenen, elitären Sinn sondern die Ursprungsfrage war ja warum ist das was für Essen so wie es ist?

00:09:45: Also warum hat die Semmel fünf Teile?

00:09:47: Warum ist das ein spezieller Wiener Kaiser-Semmel nennen Video?

00:09:51: Oder warum ist da das Grösang gebogen, das Baguette lang und dünn?

00:09:54: Und das war für uns eine dieser Einfragen, die wir beantworten wollten und gedacht haben.

00:10:00: Wir gehen in den nächsten Bibliothek und borgen uns dort ein Buch aus oder fünf oder zehn und da kamen wir dahinter – es gibt nix!

00:10:07: Wie man halt so ist als junger Mensch, wenn man sich denn wo reinbeißt im wahrsten Sinne des Wortes dann findet man immer mehr und immer mehr... ...und wir waren total fasziniert davon dass da so viel Geschichte in dem drinsteckt was wir essen.

00:10:23: und dann sind wir natürlich sehr schnell drauf gekommen dass das im Prinzip die gesamte Kultur, die uns umgibt, baut ja auf dieser Idee auf Essen zu gestalten.

00:10:32: Und dann haben wir halt angefangen zu publizieren und aus dieser Publikation heraus, da kam plötzlich eine Ausstellung, dann kann plötzlich ein Dokument aufheben und dann kam auch irgendwann die Idee damit Kunst zu machen.

00:10:45: und wir sind angewandten Schülerinnen.

00:10:48: und dann wurden wir gefragt ob wir Performance machen.

00:10:51: und natürlich machen wir Performance

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00:11:45: Ja, wer hat euch gefragt?

00:11:46: Das klingt ja jetzt so leicht.

00:11:47: Aber das interessiert natürlich auch Menschen die vielleicht auch gerne Performances machen wollen.

00:11:52: Wer kommt da auf euch zu und fragt ob ihr Performances macht?

00:11:56: Die Ersten, die eine Performance von uns wollten, das war lustigerweise die Vienna Design Week also das waren Tulgar Bayer-Lily-Hollein und Thomas Geißler Und das war dann in einer Schlosserei in Wien das erste mal wirklich irgendwie performt.

00:12:11: Also die haben uns halt gefragt, ob wir was machen können und das ist ja bei Designweg immer so eine Sache weil da muss man eigentlich zahlen als Designer, wir haben aber kein Produkt dass wir verkaufen wollen und dann haben wir uns halt irgendwie darauf geeinigt naja Wir können finanziell nichts einbringen, wir können auch keine Produkte einbringen.

00:12:26: ihr stellt uns den Location und wir machen dann was.

00:12:29: also wir performen halt.

00:12:31: Und ziemlich zeitgleich gab es auch eine Anfrage aus Mailand für den Salon Und das war, glaube ich ein halbes Jahr später.

00:12:43: Das ist ja dann immer so wenn man etwas macht, dass in dieser Weise vielleicht noch nicht da war und das war auch nicht so.

00:12:51: Wir müssen jetzt die Welt neu erfinden.

00:12:52: also wir haben einfach gemacht worauf wir Lust hatten.

00:12:55: Ja, also diesen Sprung zur künstlerischen Tätigkeit den würde ich gerne nochmal herausstellen.

00:13:00: Also wie kommt man da überhaupt hin?

00:13:01: Ihr habt ja vor allen Dingen Dinge in Frage gestellt!

00:13:04: Also nicht nur eure Bücher, ihr habt Bücher darüber geschrieben.

00:13:08: warum ist die Pizzarunden, warum ist das Fischstäbchen eckig?

00:13:10: aber auch warum ist der Esstisch seventy fünf Zentimeter hoch, also enormen in Frage gestellt erstmal.

00:13:15: Das war so euer Anfang wenn ich es richtig verstanden habe.

00:13:18: Wie wird denn auch sowas dann eine künstlerische Praxis?

00:13:21: Also ihr müsst ja schon irgendwas getan haben, dass Menschen auf euch aufmerksam werden und sagen könnt ihr da was machen.

00:13:27: Die Uhr Idee war eigentlich die das wir gesagt haben wenn wir ein Buch schreiben wir wollen das illustrieren und wir wollen es illustriern wie eine Art Komik.

00:13:34: also wir wollen halt sagen mal diese Designhintergründe auch bildlich darstellen.

00:13:42: das war die Idee und ich persönlich Ich hasse es in Ausstellungen zu gehen, wo ich Texte lesen muss um die Ausstellung zu verstehen.

00:13:48: Das ist ein großes Problem bei Architekturausstellungen und das hat uns immer schon ziemlich umgetrieben.

00:13:56: diese Frage wie kann ich textfrei etwas präsentieren?

00:14:00: Bei Architektor geht ja das ganz gut mit Plänen oder Renderings später oder Modellen

00:14:04: usw.,

00:14:05: aber wie kann?

00:14:08: Und da hat natürlich Japan eine große Rolle gespielt, weil dort Sprache komplett anders funktioniert und wir die Sprache dort auch nicht konnten.

00:14:14: Und speziell die Schrift nicht konnten bis heute nicht können.

00:14:21: Und so haben wir dann begonnen Essen ein bisschen anders zu fotografieren.

00:14:25: Zuerst nur das Essen um sozusagen über das Bild etwas auszudrücken.

00:14:30: Also es gibt ein Bild von uns wo wir einen Fischstäbchen in einen Fischen hinein gebastelt haben sozusagen.

00:14:37: Rechteck aus dem Fisch ausgeschnitten, also in der Goldbrasse und dann ein Fischstäbchen genau hinein gepasst.

00:14:45: Das verstehen die Leute ja.

00:14:46: aber dann geht es plötzlich genau um.

00:14:47: das ist ich will das Thema Abstraktion präsentieren und wenn ich das mache dann kapiert man das und das waren erste zaghafte Versuche.

00:14:57: und als wir begonnen haben uns selbst auch zu fotografieren da ging's dann ganz stark darum und das haben wir bis heute gehalten.

00:15:07: Kultur ist eigentlich ein Regelwerk.

00:15:11: Wir halten uns ja an Tausende Regeln die ganze Zeit, speziell im Alltag.

00:15:16: Das Einzige woran wir uns nicht halten, ist etwas was mit unserer Sicherheit zu tun hat zum Beispiel Verkehrsregeln.

00:15:22: also daran halten wir uns nichts.

00:15:24: das ist zwar etwas was unsere Überleben sichert aber das finden wir scheiße.

00:15:30: aber wenn es darum geht ob man was genau mit Messer und Gabel oder eben nicht Dann sind wir unglaublich stolz darauf, wenn wir diese Regeln befolgen.

00:15:38: Meistens.

00:15:39: Ja weil wir dazugehören?

00:15:40: Genau!

00:15:41: Wir verschaffen uns eine Zugehörigkeit zu etwas über diese komischen Regelwerke die auch total tippert sind und das ist natürlich durch Japan ganz stark relativiert worden.

00:15:50: für uns ja weil wir dort alles falsch gemacht haben und weil die Japanerinnen ihrerseits wiederum die ganze Zeit gefragt haben was macht ihr das in Europa so?

00:15:59: Interessant ich dachte Japan es werden überhaupt das Land der regeln.

00:16:04: Ja, das ist es ja auch.

00:16:05: Aber es ist nur für die eigenen Leute.

00:16:09: Wenn man zu einer Kultur dazukören will, dann muss man die Regeln dieser Kultur befolgen.

00:16:13: Jetzt ist es aber in einer Kultur wie Japan so, dass wir einfach anders aussehen.

00:16:18: Wir können uns nicht wirklich integrieren und der Mensch mit dem ich das allererste Mal in meinem Leben in Japan war, der auch Architekt ist – der lebt seit damals dort!

00:16:30: Und das sind jetzt über dreißig Jahre.

00:16:32: Er sagt, er kann sich nicht in die japanische Gesellschaft wirklich hinein integrieren – obwohl er mit einer japanischen Frau verheiratet ist!

00:16:40: Es ist einfach so und sie nennen uns langen Asen, in meinem Fall besonders bezeichnend….

00:16:46: es hat auch in einer gewissen Weise eine Richtigkeit, weil wenn man an einer anderen Kultur ist dann also diese Idee sich vollständig zu integriern... Das ist ja totaler Schwachsinn!

00:16:57: Ich meine wieso soll ich denn hinkommen?

00:17:01: Ich maße mir schon das Recht an, dass ich vielleicht auch eine andere Kultur ein ganz kleines bisschen bereichere und es ist ja auch das Tolle in einer Stadt wie Wien oder Berlin.

00:17:13: Die Migration bereichert die Stadtentwicklung und das ist ein kultureller Input der ja unglaublich toll ist und dafür sorgt, dass eine Stadt wirklich innovativ ist.

00:17:24: Side Step.

00:17:25: Klamazu?

00:17:25: Klamazu!

00:17:26: Und geregelt ist eben Japan nur für die Japanerinnen selbst.

00:17:31: Aber was wir dann gemacht haben war, dass sie begonnen haben die Regeln zu brechen um die Regelung darzustellen.

00:17:38: Das Wichtige ist und da sind wir dann draufgekommen das funktioniert das Illustration tatsächlich und wir wollen ja nicht über die Regel komplett lächerlich machen die ganze Zeit weil in vielen Fällen auch einen Sinn und in vielen fällen ist der Sinn auch ganz gut.

00:17:52: nur bringt das Brechen an verschiedenen Punkten sozusagen Mit sich, dass die Leute dann beginnen darüber nachzudenken und dann ist das relativ schneller Sprung.

00:18:04: Ich breche aus der Architektur raus rüber zur Kunst weil es ja dann irgendwo wie.

00:18:11: Architekten behaupten permanent, dass wir so seriös sind was auch ein völliger Blödsinn ist und was ich total blöd finde.

00:18:22: Wir sollten über Architektur auch wirklich mal herzhaft lachen können.

00:18:25: Und Humor ist auch wirklich was Gutes, ein kommunikatives Mitglied.

00:18:30: Architektor kommuniziert ja grundsätzlich.

00:18:33: Total!

00:18:34: Humor is' ja wirklich ein rares Gut in der Architek-Tour.

00:18:39: und du sagst Künstlerinnen seien Gauglar und Clowns und ihr dürft deshalb Dinge sagen die andere nicht sagen dürfen.

00:18:48: Man findet natürlich im Internet auch Bilder.

00:18:49: Da erkennt man relativ schnell auch das Prinzip, also Dinge aus ihren eigentlichen Zusammenhang rausnehmen und in andere Zusammenhänge setzen.

00:18:59: Wie funktioniert

00:18:59: euer Humor?

00:19:00: Wie eröffnet ihr dadurch ernsthafte Debatten?

00:19:05: Das ist eine lustige Frage!

00:19:07: Das weiß ich nicht... Der Humor ist ja hauptsächlich ein Öffner.

00:19:17: Also ich kann über den Humor Menschen öffnen und sie dann darüber nachdenken lassen.

00:19:22: Und das Harald Welzer, den ich ja sehr schätze, hat einmal gesagt dass die woche Bewegung deswegen scheitert weil sie kein Humor hat oder die Nachhaltigkeitsbewegungen Und ich finde das sehr richtig.

00:19:35: Ich find auch zum Beispiel wahnsinnig großartig, dass ja die Homosexuellen oder heute die LGBTQ-Bewegung hatte einen unglaublichen Humor gehabt zu einem Zeitpunkt wo es denen einfach wirklich scheiße ging also wo einfach echt alles schief lief von AIDS angefangen über politische Repression bis sie sozusagen Schäußlichen vom Tod gekennzeichneten da seien.

00:19:56: und die haben genau zu dem Zeitpunkt diesen unglaublich lässigen wahnsinnig tollen Humor entwickelt, dass sie sich mit Kostümen und ich weiß nicht was ständig in der Öffentlichkeit präsent waren.

00:20:08: aber man konnte darüber lachen.

00:20:11: Und der Erfolg gibt ihnen recht!

00:20:14: Das finde ich ganz wichtig weil man kann sich erst einem Thema öffnen wenn man emotional irgendwie einen Zugriff herstellen kann.

00:20:23: Und wenn das jetzt nur sozusagen die blanke Wahrheit ist oder die blanche Behauptung, dass etwas Scheiße läuft, ja wenn ich höre etwas läuft scheiße dann mache ich natürlich zu!

00:20:33: Ich will nicht hören, dass es scheiße läuft und ich will mich schon gar nicht damit auseinandersetzen müssen.

00:20:38: Das ist quasi wie eine Diagnose.

00:20:41: Das will ich ja auch nicht hören.

00:20:42: Ich muss gerade an den Aufstieg der Rechten denken, die sehr humorfreie Personen sind und die trotzdem sehr erfolgreich sind.

00:20:51: Aber was die Rechten wirklich fürchten ist der Humor?

00:20:53: Das finde ich total cool!

00:20:55: Also vor dem... Die Einzigen, die Faschisten die Stirn bieten können, sind eigentlich Comedians.

00:21:03: Weil sie die einzigen sind, die sich entlarven können und weil sie auch... Und das ist ein großes Thema der Kunst.

00:21:09: Wir können ja Wahrheit, falls es die überhaupt gibt ganz anders darstellen.

00:21:14: Das trifft übrigens auf Architektur auch zu als wenn man da jetzt so pseudo seriös in einem Männer Talkshow wo nur fünfzigjährige weiße Typen rum sitzen dann die ganze Zeit abdiskutieren und sagen ich bin jetzt der der Recht hat oder ich bin der der recht hat.

00:21:29: Ich mein den Scheiß haben wir seit hunderten Jahren und das hat noch nie funktioniert.

00:21:34: Also das würde jetzt zu politisch werden und ich will ja auch nicht sagen, dass der Humor die einzige Quelle ist.

00:21:39: Es ist nur für unsere Arbeit hat sich herausgestellt, dass das funktioniert und es ist bei den Performance eigentlich noch viel besser.

00:21:47: und um auf die Frage zurückzukommen Wir leben in einer Gesellschaft in Europa, die wir wirklich beschützen und weiterentwickeln sollten und über die ich sehr glücklich bin, wo's Menschen erlaubt ist, alles zu sagen und um nochmal Weltsatz zu zitieren wo niemand das Recht hat Gewalt auszuüben gegenüber Menschen die nicht passen.

00:22:09: So natürlich als Künstler habe ich eine Rolle und die haben wir seit Jahrhunderten.

00:22:15: also wir dürfen den mächtigen oder weniger mächtig ins Gesicht sagen oder alle Arten von Spiegelvorheiten die ihre Fehler offenbaren aber wir sind dennoch ein bisschen so wie der Fasching.

00:22:29: ja da dürfen das alle.

00:22:32: Wir dürfen das ja nur, weil man über uns lacht.

00:22:35: Also weil man uns nicht ernst nimmt am Ende.

00:22:36: Weil wir ja am Ende dargestellt werden als unseriös, als naiv.

00:22:43: Das ist eine Rolle die wir von der Gesellschaft zugeschrieben bekommen.

00:22:46: Das ist auch für mich zumindest ein Stück weit okay!

00:22:50: Weil wir Dinge ansprechen, die vielleicht nicht so gern gehört werden und... Der Hale-Kin oder der Minisänger, ich weiß nicht wer bei der Einzige, die dem Herr schon sagen durfte du bist der Arschloch.

00:23:03: Und wir dürfen das als Künstlerinnen auch und ich habe das schon probiert.

00:23:09: Ich kann während einer Performance zu jemandem sagen du bist da Arsch loch!

00:23:13: Und er lacht drüber.

00:23:14: Trotzdem stoßt ihr auch ernsthafter Debatten an?

00:23:17: Ihr kritisiert ja auch Dinge dabei dass es ja auch was erkannt wird vom Publikum.

00:23:21: Der Humor ist ja tote Ernst eigentlich.

00:23:24: Es ist jetzt vielleicht keine implizite Sprache, aber der Humor ist etwas das Themen sehr gut ansprechen kann.

00:23:32: Weil sich das Unerwartete mit dem Erwarteten trifft an einer sehr unerwarteten Stelle.

00:23:37: Also man denkt jetzt kommt das und dann kommt auch was anderes.

00:23:40: Wir lachen ja am liebsten über Fehler.

00:23:43: Das ist eigentlich das Wesen des Humors.

00:23:44: Das ist meine große Hoffnung bezüglich KI dass die Maschine nicht Humor entwickeln kann weil er das etwas derartig kulturell abhängiges ist und etwas derartigs Absurdes an sich.

00:23:57: Wenn es mich wo drüber haut, ich auf die Nase falle und ich mir dabei nicht wehtut dann finden das die Leute lustig Und dieser Grad ist aber total schmal.

00:24:05: wenn ich mit dabei den Arm breche Dann ist das ein Notfall, dann ist es nicht mehr lustig Dann ist es ein Akt des Mitleids diesen Schmeingrad zu erreichen.

00:24:15: Das ist total interessant.

00:24:16: und wenn man dann aber sozusagen Also wir machen das da ganz gern mit Wissenschaftlern, die wir einsetzen.

00:24:21: Aber wenn man dann genau im richtigen Moment einen Inhalt setzt, dann fangen die Leute an nachzudenken.

00:24:29: und was ich vorher auch noch gesagt habe bei Regeln, das finde ich ja hochinteressant wie sind?

00:24:34: Wir leben in einer sehr geregelten Gesellschaft Und wenn man die Regeln bricht, dann erzeugt es etwas!

00:24:41: Und keine Ahnung... Wenn's das Haushaus in Finn ist zum Beispiel Dann erzeugte es eine Debatte über die Stadt an sich und man kann jetzt vom Haas aus halten, was man will.

00:24:52: Aber es hat in Wien eine jahrelange Debatte über Architektur ausgelöst.

00:24:57: Und das ist an sich großartig, dass das passieren konnte in einer Stadt wie Wien.

00:25:01: Da geht's immer darum, dass man sagt okay, es passt nicht!

00:25:04: Und nicht passen ist eine Krum... Voraussetzung von Kreativität.

00:25:08: Zuerst kommt der Zweifel und dann kommt das Unpassende, weil mit dem Unpassenden erzeugt man einen Konflikt und der Konflikte erzeugen sozusagen eine weitere Weise über Dinge nachzudenken und zu deportieren.

00:25:22: Und ich zutiere immer ganz gerne Hannah Arendt die einmal sagt dass größte Recht der Demokratie ist es, dass wir unsere Kultur jeden Tag aufs Neue verhandeln dürfen und Ich finde das ist ein verdammt wichtiges Recht das wir da haben.

00:25:34: und genau das ist natürlich bei diesen Regelbrechungen immer super.

00:25:37: Und wenn man dann Menschen dazu bringt, dass sie gleichzeitig eine Regel brechen, dann vergemeinschaften die sich und das kann schon sein, dass die einfach mit den Fingern statt mit Besteck essen.

00:25:49: Das ist total absurd!

00:25:50: Wenn sich Menschen vergemeinschaften, dann zerlegen Sie ganz kurz die Hierarchie, weil da sind sie eine Familie an.

00:25:55: Dann wurscht wer der Boss oder wer der Mann ist und wer die Frau

00:25:58: usw.,

00:26:00: und dann sind sie für einen Moment lang bereit miteinander zu reden.

00:26:03: Also das ist so ein Wesen unserer Arbeit.

00:26:06: Ja, genau.

00:26:07: Da kommen wir nämlich auch von der allgemeinen Ausführung zu dem Speziellen wie man mit Essen dann noch tatsächlich Debatten anstößt weil ihr habt ja in Wien eine Debatte zu einem Stadt-Erweiterungsgebiet angestoßen zum Beispiel.

00:26:16: also ihr nutzt Essen tatsächlich für andere Themen, für Stadt und Architekturdebatten auch kann man das so sagen?

00:26:26: Manchmal

00:26:27: zumindest.

00:26:28: Wir würden es gerne wieder machen.

00:26:30: Es war schon ein unglaublich interessanter Prozess.

00:26:33: Also im Süden Wien ist das größte Stadtarbeiterungsgebiet, dass es noch gibt und das ist jetzt landwirtschaftlich genutztes Land und man muss auch dazu sagen die Bauern haben das natürlich verkauft an sogenannte Entwickler was auch immer ein Entwickler ist und dort sollen halt viele, viele Wohnungen gebaut werden weil wir ja angeblich ein Wohnungsmangel haben den wir auch tatsächlich haben wegen Spekulation.

00:27:00: Und dann geht es jetzt natürlich darum dass am äußersten Stadt Rand-Wienz ein ziemlich großes neues Wohnareal entstehen soll und die Bewohnerinnen dort haben da natürlich keine Freude damit.

00:27:15: Die Bewohnerinnen werden das nicht aufhalten können.

00:27:21: Aber da steht ein alter Gutshof dort, der jetzt eine Art Kulturzentrum verwendet wird, der Zukunftshof und die Betreiber dort haben uns dann gebeten ob wir dann beformelsreihe machen können dass zumindest die verschiedenen Stakeholder die dort beschäftigt sein werden, dass die mal miteinander reden und zwar auf Augenhöhe.

00:27:42: Normalerweise für eine Debatten immer dazu, es gibt die eine Gruppe und dann gibt's die andere Gruppe.

00:27:47: Und am Ende gehts darum wer gewinnt.

00:27:49: Aber eigentlich hört man sich das Argument nie an.

00:27:51: Das ist ja genauso beim partizipativen Bauen oder so.

00:27:54: Also es ist ja... Und die, die da nicht mitschwimmen wollen mit dem was sich die alten weißen Männer als das tollste Beste und eh schon immer gemachte ausgedacht haben, weil innovativ ist das ja nie.

00:28:05: Die werden dann als naiv ein bisschen dämlich, ein bisschen weiblich meistens auch sozusagen hingestellt also eher niedrig.

00:28:11: zuerst Und um da eine andere Art von Debatte zu erzeugen, haben wir vier große Performances gemacht wo wir jeweils aus acht verschiedenen Gruppen die mit dem mehr oder weniger zu tun haben Leute eingeladen haben.

00:28:27: Also was waren immer so?

00:28:29: um die hundertfünfzig Leute?

00:28:31: Die dann da waren und die Idee war, die das mal gesagt haben okay was könnte denn jetzt ein nachhaltiger Stadtentwicklungsstil sein?

00:28:42: Was bedeutet denn der Begriff Espare Stadt?

00:28:45: Weil das ist ja jetzt Landwirtschaft.

00:28:46: Also könnte man dann auch mit dieser Idee arbeiten und es kam gar nicht von uns, sondern von den Bauern die dort sind oder vom Andreas Kukumuck an einen Schneckenzüchter, der dort ist gesagt er will doch dass mir zumindest diese Nahrungsmittelproduktion in diese Stadtbelehnung einfließen lässt.

00:29:02: Und dann haben wir Essen sozusagen gestaltet.

00:29:05: also wir haben nicht gekocht oder so.

00:29:06: aber wir haben eine Situation gestaltet wo wir gesagt haben okay Die Tafelrunde, wenn man so will.

00:29:13: Das gemeinsame Mal verschafft eine andere Situation und die Leute beginnen anders miteinander zu reden Weil normalerweise ist es ja so, dann hat man ein Podium.

00:29:24: Auf dem Podium sitzen drei Experten, männlich weiß, fünfzig plus moderiert von einer Frau, dreißig ungefähr hohe Schuhe blond und irgendwann kommt's dann zu gibt's Fragen und dann kommt aber nie was raus weil die Experten sind sowieso gescheiter als alle anderen und niemand traut sich oder die sich trauen das sind nur eingefressen dass sie nicht selbst am Podium sitzen usw.

00:29:47: usw.

00:29:47: wenn man aber dann versucht mit provokativen Methoden eine andere Debatte anzuregen, dann funktioniert das tatsächlich.

00:29:55: Und jetzt kommt der Clown ins Spiel!

00:29:57: Weil wenn dann der Cloun moderiert – und das machen wir wirklich so zu sagen ein bisschen clown-esque – und wenn wir den Menschen oder den Beteiligten die ganze Zeit Regelbrüche auferlegen beim Essen, die nicht weh tun aber Also die auch in einer gewissen Weise Spaß machen und sie kurz vergessen, dass das jetzt eigentlich der Oberstadtbauamtsdirektor von Wien ist.

00:30:18: Der am nächsten Tag drauf kommt, boah was habe ich denn gesagt?

00:30:20: Ich muss das alles zurücknehmen!

00:30:23: Dann entsteht plötzlich eine ganz andere Form von Diskussion und ich will nicht sagen, dass wir dort irgendwas erreicht haben oder so sondern... Es sind dann nachher schon Menschen zu mir hergekommen und sagen, ich habe noch nie über das Nachgedacht.

00:30:35: Und ich hab mich noch nie angehört was eigentlich die Bauträger-Seite oder die Architektur Seite oder die Bürgerinnen was die eigentlich wollen.

00:30:43: Und zumindest kann man hergehen und sagen jetzt diskutiert es mal drüber und jetzt schauen wir mal als fragen wir mal was ist jetzt eigentlich Boden?

00:30:51: Wie kann man damit umgehen?

00:30:54: Das fand ich schon großartig und das würde ich auch gerne weitermachen.

00:30:57: Ja, das ist ein Beispiel für dieses zu entwickelnde Gebiet.

00:31:02: Eure Projekte reichen allerdings auch vom Victoria & Albert Museum bis zum Haus Zuhause putzen in meinem österreichischen Dorf.

00:31:09: wie wählt er Ort und Speisen- und Publikum aus?

00:31:14: Im Regelfall wählen wir gar nicht aus sondern wir werden ausgewählt.

00:31:19: aber es ist natürlich so.

00:31:21: Kultur ist ja etwas sehr lokales Bezifisches.

00:31:27: So sehr ich den internationalen Dialog suche und schätze, so sehr ist es auch so dass mich das unglaublich langweilt wenn dann die Kunst von Künstlerinnen immer die gleiche an allen Orten der Welt ist oder die Architektur von Architektenen immer die Gleiche an alle Orte.

00:31:43: Wenn sozusagen da ein Branding ist jetzt haben wir eine Sahar bei uns.

00:31:48: also das ist ja eigentlich, wie soll ich sagen?

00:31:52: Das ist Büro Middenbauen konservative Architektureinstellung oder eine sehr konservative Kunsteinstellungen.

00:32:01: Und in Wahrheit ist es ja unglaublich toll, wenn ich sage, ich gehe an einen Ort beschäftigt mich mit dem Ort und arbeite dann mit dem was da ist und beim Essen ist das ja notwendig weil ich kann er nicht mit einer Sachertorte an den Wienerschnitzeln nach Jesuitalien fahren oder nach Englern und sagen, äh ist das das?

00:32:18: Und ich erwarte mir dass ihr die selbe Bedeutung darin erkennst wie wir.

00:32:21: also ich muss vorher versuchen herauszufinden Was ist denn dort jetzt wichtig?

00:32:25: Und dann das nächste ist natürlich auch jede Location hat ein eigenes Publikum.

00:32:30: Du hast es auch angesprochen, wir haben in einem Bergdorf in den Alpen vier Tage lang geputzt, sind von Haus zu Haus gegangen und haben da der Tür geklingelt und gefragt, ob wir ein Zimmer putzen dürfen.

00:32:44: Da muss ich einfach komplett anders mit den Menschen umgehen als wenn ich im M&A was mache weil das eine ist ein Kunstpublikum, das von mir erwartet im Kunstdiskurs halbwegs irgendwie mitmischen kann und dass ich dort in diesem Elfenbein-Turm mich auch Dinge...

00:33:03: Dass du da sein darfst, ist sozusagen schon eine Auszeichnung für das Publikum.

00:33:09: Weil in einer Kulturinstitution erfordert es ja überhaupt keine Mut, dass ich sage Ich bin da jetzt nackt!

00:33:14: Das hat's alles schon gegeben, das war alles wichtig Aber das ist dort, das ist ja ein geschützter Raum.

00:33:19: Das ist sozusagen abgeschlossen wie eine Irneranstalt.

00:33:23: und aber wenn ich dann wirklich rausgehe da muss ich mir halt sehr genau überlegen was leben denn da für Leute in Elbensee?

00:33:28: oder wenn ich an einem Supermarkt wie wir das in Wien Otagrenke gemacht haben vier Tage lang performiert dann weiß ich dass es einen Arbeiterbezirk mit dem hohen Migrationsanteil der muss sich sehr behutsam mit den Leuten umgehen ... um da gemeinsam etwas zu erreichen.

00:33:45: Und es gibt mir das Künstler nicht darum, dass ich bin jetzt der, der damit Baseballschläger darstellt und den Leuten meine Inhalte rein hemmen, sondern ich will ja belehren finde ich zum Kotzen.

00:33:56: Sondern ich will ein Dialog aufbauen weil die so ja beiden Seiten was bringen und das ist oft auch ganz schön schwierig.

00:34:03: Mich würde mal kurz interessieren wir haben denn die Leute reagiert als ihr geklingelt habt um einen Raum zu putzen?

00:34:08: Wart ihr willkommen hat man sich gefreut oder hat sich gedacht was seid ihr denn für Freaks?

00:34:13: Es war ja, dass was in einem Dorf immer passiert.

00:34:15: Das haben wir klingelt dreimal, die lassen einen natürlich nicht rein.

00:34:18: aber dann irgendwer sagt dann hey das ist lustig und innerhalb von zwei Stunden wusste das dort jeder, dass wir unterwegs sind und da sind natürlich die Leute gekommen und gesagt macht es bei mir und wir haben das auch ein bisschen inszeniert also bis hin jetzt im Smoking... Also den Freund von uns waren auch mit im Smokking an dem Abendgleit mit Staubsauger über der Schuld Und so den Brillen durch eben sich studiert und Kübel, und Klappen.

00:34:48: Natürlich fällt das auf und natürlich weiß innerhalb kürzester Zeit jeder dass da ist und dann ging halt unsere Telefonnummer rum und nach zwei Stunden waren wir gebucht.

00:34:57: aber für uns interessant war ja man kommt normalerweise nicht in eine Wohnung.

00:35:02: also man kommt Nur in eine fremde Wohnung.

00:35:06: oder wer kommt nur in eine Wohnung rein, wenn man die Menschen bereits kennt.

00:35:09: Oder wenn man jemanden kennt der die kennt und eigentlich Kommt man nur wo rein So zu sagen innerhalb kürzester Zeit weil man Wunderstand hat oder mein ist putzfrau Und eine wohnung sagt unglaublich viel aus.

00:35:24: wie war das vorher auch nicht klar Obwohl ich architekt bin.

00:35:28: also man sieht ziemlich schnell was das für ein mensch ist.

00:35:35: Sind die Beniebel, waren die auf Urlaub?

00:35:38: Sind die verheiratet?

00:35:39: haben sie... Das ist alles ganz offensichtlich.

00:35:41: Und das zweite ist und das war total großartig Menschen in einer Wohnung sind unglaublich vertrautselig weil sie ja zu Hause sind.

00:35:49: Dann sind die ganz ehrlich und erzählen und erzählten und reden über sich und die Familie und die Ehe und ich weiß nicht was.

00:35:57: Und die Probleme!

00:35:59: Das war für uns ein ganz wichtiger Moment, weil wir damals drauf gekommen sind.

00:36:03: In Wahrheit sind die Menschen unglaublich nett und sie sind tolerant.

00:36:07: Und sie wollen, dass wir alle gut zusammenleben!

00:36:09: Wir haben auch mit den Fraueninterviewen im September-Zwischen-Krieg in Deutschland und Österreich eine Flüchtlingskrise hatten... ...und nicht deine einzige Frau.

00:36:19: Die haben wirklich über viele Sorgen und Politik geredet.

00:36:22: Hat in einem Wort Flüchtling, Migrant oder Problem gesagt?

00:36:26: Nicht eine!

00:36:27: Da

00:36:27: haben die Rechten das noch nicht so geframed.

00:36:30: Weil jetzt ist es sozusagen mal in einem Satz.

00:36:32: Und das waren nicht nur die Rechten, sondern auch die Pseudo-Rechten von angeblich linken Parteien bis den Konservativen sowieso.

00:36:43: und da haben auch die Medien eine große Rolle gespielt, die auf einmal ein Problem hochstilisiert haben für ein paar Klicks, sondern bei verkaufte Zeitungen... Also ich bin damals draufgekommen, die Realität ist oft ganz anders als sie uns weiß gemacht wird.

00:36:57: Ja.

00:36:58: Noch mal kurz, das wir jetzt nicht in der Weltpolitik

00:37:01: enden!

00:37:03: Du hast gesagt, obwohl du Architekt bist, hast du dich so zu sagen darüber vorher so klar nachgedacht was eine Wohnung verrät oder den Raum über die Person verräht?

00:37:14: Wie blickst du denn auch?

00:37:15: die Disziplin des Architekten oder der Architekten also die Logik eines Architektorberufs hast du ja hinter dir gelassen.

00:37:23: Was bedeutet das für dich dass du dich diesen Logiken auch entziehst?

00:37:27: Also einerseits glaube ich nicht, dass wir uns den Logiken entziehen.

00:37:32: Das sagen unsere Künstlerinnen und Freundinnen immer wieder das wir ticken einfach komplett anders.

00:37:37: also wir planen ja einigermaßen Wir sind relativ unflexibel.

00:37:43: Wir fangen auch nicht einfach mal was an sozusagen eine weiße Leinwohner.

00:37:47: jetzt probiere ich etwas sondern es muss halt immer irgendwie ein Konzept dahinter geben und ein Research dahintergeben usw.

00:37:54: im Denken und Schafen sieht wir ja immer noch Architektinnen.

00:37:59: Es ist auch etwas, was mich nahe vor extrem interessiert.

00:38:02: Ich habe mir sehr viele Gedanken über die essbare Stadt zum Beispiel gemacht.

00:38:06: oder diese Frage – Was kann der Stadtplanung jetzt in dieser Überhitzung sein?

00:38:14: Was können wir von der Stadt verlangen und wie können wir überhaupt mit diesem ... Mit dieser Idee von Natur und Kultur, also mit diesem immerwährenden Konflikt der sich ja auch in der Stadtplanung so extrem manifestiert hat.

00:38:28: Ja wie können wir damit umgehen?

00:38:29: Wie können wir da jetzt eine Debatte forcieren und sagen okay was ist denn das jetzt eigentlich diese Enzigelung Diese neue Freundschaft mit der Natur?

00:38:38: schaffen wir das.

00:38:39: Und wie können wir das Denken da aufbrechen, weil in Wahrheit ist es schon ein ziemlich radikaler Schritt?

00:38:43: Im

00:38:43: Moment ist es eher so dass wir solche Schlagworte die ganze Zeit hören und denke ich auch gar nicht genau wissen was das eigentlich bedeutet.

00:38:51: Für die Architektur an sich wünsche ich mir natürlich schon, dass wir das einfach wieder mal richtig schön und breit diskutieren.

00:39:01: Architektur ist auch etwas, worüber man reden muss.

00:39:03: Architektor ist ja nicht ... Das hat der Holleymeyer gesagt.

00:39:06: Ist er nicht nur die Erhaltung der Körperwärme?

00:39:08: Sondern sie hatte immer eine symbolisch rituelle Funktion.

00:39:12: Ähnlich wie Essen!

00:39:13: Also da gibt es schon auch dann Parallel.

00:39:15: Ja ganz stark und das spielt natürlich in unserer Arbeit auch eine ganz große Rolle.

00:39:22: Unsere Arbeit viel kurzfristiger und damit vielleicht auch viel verantwortungsloser.

00:39:28: Aber diese Verantwortung, die die Architektur hat, also speziell in einem ... Also jetzt, wo es um die Erhaltung und Weiterentwicklung der Demokratie geht, was um die erhaltung- und weiterentwicklungen der Würde geht und wo's auch um Resilienz geht... Wo es auch darum geht, dass ich sage, welche Rolle spielt denn die Maschine plötzlich?

00:39:48: Die wir immer so abgefeiert haben!

00:39:50: Und was bedeutet eigentlich

00:39:51: Innovation?!

00:39:53: Und was bedeutet Fortschritt?

00:39:56: Da ist natürlich die Architektur extrem gefordert und das wünsche ich mir von der Architektszene, dass das wieder mal aufgerissen wird.

00:40:05: Man sagt okay und da gibt es jetzt eine größere Debatte.

00:40:09: Natürlich weiß ich, dass mein Studium oder meine Zeit, also diese Architektor, das höhere Ziel von allem war, dass es das Gott sei Dank nicht mehr gibt.

00:40:19: aber zum Beispiel wahnsinnig bemerkenswert, dass sozusagen dieses beherrschende Natur also diese Idee, diese uhrchristliche Idee alles beherrschen zu müssen.

00:40:36: Dass das zumindest in den Hochglanzgeschichten spielt immer noch eine Rolle.

00:40:42: Also je spektakulärer die Landschaft ist, in der ein Haus gebaut wird, desto geiler ist das Projekt, aber dann im Prinzip immer noch diese Idee ist etwas beherrrschend zu können.

00:40:54: Das wird vergessen und das geht bis dahin, dass es die möglichst kleine saubere Umgebung, was ja bedeutet Unterdrückung der Frau am Ende oder Unterdrücklich von Menschen, die dieses saubre Herstellen jeden Tag.

00:41:07: Das wird schon stetig so unglaublich in den Vordergrund gerückt und da braucht's einfach schon andere Ansätze, also sich das mal überlegt, was wir da eigentlich tun.

00:41:17: Und das Letzte ist... Das der Architektentum hat sich ja Gott sei Dank selbst in die Absurdität getrieben, ob es jetzt in Saudi-Arabien ist oder sonst irgendwas.

00:41:27: Aber das ist natürlich schon schade weil man braucht ja Vorbilder und man braucht Leute, die was ausprobieren.

00:41:36: Und man braucht sozusagen das Ungedachte, dass verwirklicht wird.

00:41:40: oder wenn ninety fünf Prozent aller Kolleginnen und Kollegen sagen, das ist ein Blätzinn dann weiß ich, Oder das ist nicht machbar, das ist mein Lieblingsargument.

00:41:53: Das kann man so nicht machen!

00:41:56: Wenn etwas nicht machba ist dann ist es gut und wenn was nicht funktionieren kann, dann ist auch gut oder naiv ist.

00:42:04: Und dass dieses Hineinträumen nicht im Sinne von ich baune Milliarden statt in Saudi Arabien sondern... Was ist denn nicht machb?

00:42:15: Gesellschaftlich städtisch und so weiter.

00:42:18: Das fände ich gut, wenn da was

00:42:19: passiert.".

00:42:20: Du hast eben von der Verantwortung von Architektinnen gesprochen und ihr richtet ja den Fokus mit eurer Kunst sehr auf diese gesellschaftlichen Themen.

00:42:29: Ich möchte nur nochmal aufgreifen auch Unterdrückungen von Menschen und auch noch mal Details wie dass Männer heute nur zwei Prozent mehr Hausarbeit leisten als Das heißt, kochen ist euer... Also ihr kocht nicht klar.

00:42:46: Aber ihr macht Performances mit Essen, putzen und Kehrarbeit sind ja auch so zentrale Fragen.

00:42:54: Und damit beschäftigt ihr euch eben auch für die Architekturbabel jetzt.

00:42:57: Könnte man das ja auch dankbar als Architektorvermittlung oder hilfreiche Formen um Debatten anzustoßen annehmen?

00:43:07: Es ist halt eine total wichtige Form der Grenzüberschreitung, der Vermittlung im Endeffekt auch.

00:43:13: So denkt man über Themen nicht unbedingt nach wenn man nicht so draufgestoßen wird.

00:43:17: als Architektin meine ich jetzt

00:43:20: Also ja also ich finde sowas... Ich habe das vorher schon gesagt mir es belehren etwas sehr Verhasstes.

00:43:29: natürlich mache ich's aber die Frage ist immer was erreicht man und was will man erreichen?

00:43:35: Und ich hab diese Frage auch schon so aufgestellt bekommen Und in Wahrheit will ich nicht meine Gedanken irgendwo festsetzen und sagen, unsere Ideen sind jetzt dies.

00:43:46: Ich habe selbst...

00:43:47: Nee, ihr stellt ja eigentlich eher infrage als eine neue Idee zu liefern.

00:43:50: Das ist ja auch das Interessante oder?

00:43:53: Also ihr zeigt einen Istzustand und dreht ihn irgendwie um.

00:43:58: also arbeitet die Absurdität so heraus dass man einfach anfängt anders nachzudenken.

00:44:05: Bilder, die man sieht setzen natürlich Gedankengänge in Gang.

00:44:09: Die sonst nicht in Gang kommen würden?

00:44:12: Grundsätzlich ist es ja so... Wir haben eine Sprache.

00:44:17: Jede Art von Erschärfen hat eine implizite Sprache.

00:44:20: also das ungesagte schwingt immer mit und das ungesetzte baut sich ja in die Kultur ein und verändert sie gleichzeitig.

00:44:28: egal ob das jetzt eine Performance ist oder Ein Kunstwerk oder ein Designstück, das ja auch schon eine sehr demokratische Version von Kunst sein kann.

00:44:40: Und natürlich Architektur auch.

00:44:42: und dieses Hinterfragen, dieses Erzeugen eines Konflikts, dass er schafft dann etwas.

00:44:50: Es ist aber nicht nur, ich lege ein Thema auf den Tisch und hoffe, dass sich damit eine Debatte auslöse oder eine Verhandlung der Kultur sondern ich habe das schon erwähnt, es ist dieses Menschenrecht auf Zweifel und das Menschenrechte auf Zweife braucht immer eine gewisse Art von Bestätigung oder Unterstützung.

00:45:15: Und ich kann mich sehr gut an meine Jugend erinnern.

00:45:17: also ich bin am Land aufgewachsen und ich bin in eine ziemlich fiese Schule gegangen wo's mir auch überhaupt nicht gut ging.

00:45:26: Das alles in den Bergen, in Österreich.

00:45:28: Es war nur konservativ und ganz nah am Faschismus dran.

00:45:31: und dann habe ich plötzlich die Literaturen entdeckt Und ich hab einfach festgestellt Ich bin nicht allein Sondern da sind andere auch.

00:45:40: und dann hab' ich das erste mal Bilder von Architektur gesehen Die nicht so wahr wie in diesem scheiß Bergdorf.

00:45:48: Und ja weiß das geil!

00:45:50: Da gibt's Menschen, die machen Dinge, die sind so abgefahren anders.

00:45:54: Das ist eine unglaubliche Motivation, nicht allein zu sein.

00:46:00: Und das ist doch kein Trost oder so und es ist keine Hilfe.

00:46:05: Es ist einfach die Bestätigung dass der Zweifel gut ist weil wenn das andere auch schon gemacht haben und zwar schon vor tausenden Jahren und wenn das eigentlich die Architektur und die Kunst und die Literatur Geschichte natürlich auch die Wissenschaftsgeschichte mit einschließt und auch unsere Gesellschaft sich ja schon sehr gut in manchen Teilen weiterentwickelt Das bestätigt dann, dass der Zweifel funktionieren kann und das auch wichtig ist weil er etwas bewegt.

00:46:31: Aber das ist etwas was mich immer sehr umgetrieben hat und ich wage zu behaupten, dass mir die Kunst das Leben gerettet hat und vielleicht schaffe ich das bei irgendeinem Menschen einmal in meinem Leben, dass sich das zurückgeben kann.

00:46:45: Das wird mir große Freude bereiten!

00:46:48: Ja also dein Berufsbild zwischen Architektur, Kunst Performance und Publikation kann man vielleicht auf das Wort Künstler runterbrechen, oder?

00:47:00: Ich glaube du bist kein Fan von Schubladen unbedingt.

00:47:03: Aber ich möchte darauf hinaus dass ja hier auch junge Leute zuhören die vielleicht sagen Ja das ist es!

00:47:12: Das finde ich wirklich spannend und ich würde mich auch gerne in die Kunst bewegen und Du hast dir die auch Leute getroffen die dich da beeinflusst haben und ihr den Kopf geöffnet haben, das Denken geöffnete.

00:47:24: Was würdest du Studierenden mitgeben?

00:47:26: Die angetan sind davon die sagen ja ich möchte auch Kunst machen, ich möchte es irgendwie verbinden

00:47:31: auch.

00:47:34: Das ist extrem schwer zu sagen.

00:47:35: also ich persönlich hatte das große Glück Mithans Hollern einen Professor zu haben der nicht wollte dass wir lauter kleine Hollerns werden.

00:47:43: Also dem war das völlig egal ob wir dekonstruktivistisch damals waren oder wir haben erste zaghafte Versuche am Computer gemacht haben oder auch, ob wir ganz klassische Moderne gemacht haben.

00:47:54: Es ging ihm immer nur darum ein Konzept zu haben und es ging ihm auch sehr stark darum die eigenen Stärken herauszuarbeiten und auch die eigenen Schwächen anzuerkennen.

00:48:07: Und nicht sozusagen diese Schwächen auszumerzen.

00:48:10: und das ist etwas was ich als ein großes Manco unseres Bildungssystems eines der mancos unseres bildung systems betrachtet dass man immer nur an den schwächen arbeitet.

00:48:20: ja ich habe vielleicht drei vier stärken und statt das die dann gefördert werden muss sich meine ganze Arbeit und mein ganzes denken in die eine sache investieren wo ich schwach bin.

00:48:33: Ich kann zum beispiel überhaupt nicht zeichnen.

00:48:36: Und es war so wurscht bei uns auf der angewandten Dass ich das nicht kann weil ich habe dann einfach Modelle gebaut.

00:48:44: Es ging immer nur um den Entwurf, aber nicht darum wie meine Zeichnungen aussehen und ich glaube dass das eine große Geschichte ist.

00:48:54: es sagt okay wo sind denn die Stärken?

00:48:56: Und dass man auch die Interessen stark beachtet.

00:49:01: und auch dass man als junger Mensch zumindest in meiner Generation war so wir wollten alle was bewegen und ich genieße dieses große Privileg dass ich bis heute ein Leben leben darf, wo ich das Gefühl habe, da sich vielleicht etwas bewege.

00:49:19: Und ich habe auch das große Privileg, dass ich meistens mit Menschen zu tun habe die mir sympathisch sehen und mit ihnen nicht gerne rede.

00:49:28: Wenn man diese Privilegerin sozusagen über andere Privilegen stellt, ich muss vielleicht das nicht oder jenes nicht, weil es mir die Gesellschaft oder meine Eltern oder sonst wer einredet... Und ich auch darauf komme, dass es so geht.

00:49:43: Ich kann dieses Leben leben und ich kann das für mich richtige Leben leben.

00:49:50: Dann ist vielleicht das der Rat den ich geben kann weil ich habe das all das was unsere Karriere ausmacht waren Zufälle.

00:50:00: also wir haben zuerst zufällig mit dem Essen angefangen dann haben wir zufältiger Performance gemacht.

00:50:06: da haben so viele Punkte eine Rolle gespielt.

00:50:08: Wir wussten einfach in vielen Fällen nicht ob das funktioniert oder nicht.

00:50:12: Der Antrieb war schon immer, es war nicht der Antrieb unbedingt das wir jetzt Karriere machen oder dass wir unbedingt eine Marketingstrategie brauchen.

00:50:23: Da ist schon viel zurückgekommen.

00:50:25: aber was immer da war, das war ein Interesse an der Arbeit und das war auch immer so.

00:50:30: diese Leichtigkeit die ist schon wichtig.

00:50:34: Ich muss auch dazu sagen ich habe noch ein unglaubliches Privileg und dieses Privilegg heißt Sonja weil wir uns natürlich die ganze Zeit austauschen können und das macht es schon viel einfacher.

00:50:44: Ja, also machen auch wenn man nicht weiß was hinten rauskommt und was ich auch schön finde der Zweifel ist gut.

00:50:52: Das kann man ja auch noch mal zum Schluss mitgeben.

00:50:55: ein wichtiger Satz?

00:50:56: Ja als Wiener muss man natürlich immer dazusagen dass das wichtigste ist die Lage ist hoffnungslos aber nicht ernst.

00:51:03: Das hat man Karl Krauss geschrieben.

00:51:06: Die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen und auch die Fähigkeiten, wenn jemand Kritik entgegenschleudert oder wenn man einfach nur verarscht wird.

00:51:16: Das ist schon ein wichtiger Punkt!

00:51:18: Und die Fächkeit auch Scheiße zu bauen und zu sagen, das ist jetzt schief gegangen und das machen wir vielleicht nicht mehr.

00:51:24: Also ich weiß nicht wie viele Projekte wir gemacht haben, die nicht funktioniert haben.

00:51:30: Ist halt dann so... ...ist aber auch wurscht?

00:51:33: Und ich finde auch, das möchte ich schon noch dazu sagen.

00:51:37: Ich finde die Empörung für junge Leute ziemlich wichtig.

00:51:40: also ich habe mich auch unglaublich viel empört als junger Mensch.

00:51:43: Ich empöre mich immer noch aber jetzt bin ich leiser.

00:51:46: Aber wichtig war damals und ich glaube es ist immer noch so dass man die Eiten einfach vom Thron stoßen will und das gehört auch so.

00:51:53: Also ich erwarte mir von keinem jungen Menschen, dass wir bewundert werden Das finde ich sogar ziemlich deppert sondern dass da mal richtig gesagt wird hey ihr seid irgendwie Ihr alten Säcke sollt sich jetzt endlich schleichen, weil ihr habt es den Planeten kaputt gemacht und tut so als wird sie alle grün.

00:52:10: Und ihr habt die Demokratie, schafft sie gerade ab und ihr tut alles so wie ihr ihr Sozis

00:52:14: usw.,

00:52:15: das kann man auch mal sagen.

00:52:18: Wir hören auch richtig provoziert und das muss schon so

00:52:21: sein.".

00:52:22: Sehr schön.

00:52:23: Ja super, ich möchte noch unsere Zuhörenden animieren mal zu googeln.

00:52:27: Hani und Bani da findet man wirklich tolle Sachen, tolle Bilder und auch ein Artikel in der New York Times im New Yorker über euch und eure Arbeit und dass man mal Bilder dazu hat auch zu dem was du jetzt gesagt hast.

00:52:40: und dann danke ich dir ganz herzlich für das Interview Martin Hablesreiter.

00:52:44: Ich

00:52:44: danke!

00:52:45: Das war Studiertum zu bauen?

00:52:47: Der Baunetz Campus Alumni Podcast präsentiert von Gira.

00:52:51: Wir freuen uns, wenn ihr beim nächsten Mal wieder rein hört und wenn ihr eine Bewertung da lasst.

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